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Sonntag, 27. November 2011

Attacke von Herrn und Frau Motzki


Legende:
W = Wehrhahn.
So heisst in Düsseldorf eine Strassenbahn- und S-Bahnhaltestelle. Ziemlich häßliche 80er-Jahre Bauweise. Wenn man aus der Stadt kommend drauf zufährt, gibts kurz davor eine frisch renovierte Kreuzung mit chaotischer Verkehrsführung. Heut morgen hats grad wieder mal geknallt, aber das tut hier nichts zur Sache.
schwarze Pfeile = Verkehrsführung für Fahrzeuge, die von links kommen und von sich aus gesehen links abbiegen wollen.
rot begrenzter Weg = Das ist der Radweg, der einem aus der Stadt kommenden Radfahrer Richtung Wehrhahn angeboten wird. An der gezeigten Stelle verläuft der Radweg vor der Kreuzung als Teil der Fahrbahn, und wird dann hinter der Kreuzung auf dem Bürgersteig fortgesetzt.
lila Punkte = Weg, den man mit dem Rad nehmen muss, wenn man den Radweg benutzt.
orangene Punkte = Herr (links) und Frau (rechts) Motzki
grüner Punkt = Ich auf meinem Fahrrad sitzend an einen Laternenpfahl angelehnt.
blauer Strich = Laternenpfahl

Folgende Situation ereignete sich am Freitag, 25.11.2011, 16:00 Uhr
Ich radel aus der Stadt kommend auf dem Radweg Richtung Wehrhahn. Die Ampel zeigt rot.
Da ich erschöpft bin, will ich nicht vom Sattel steigen und steuer deshalb quer über die Verkehrsinsel (V) auf einen Laternenpfahl zu, an dem ich mich festhalte.
Von hinten nähern sich ein Mann und eine Frau jeweils mit einem Hund an der Leine und postieren sich rechts und links neben mir. Wir warten gemeinsam auf grün.

Er: Ist schwierig, den Radweg da links zu benutzen, ne?
Sie: Ja, echt schwierig.
Er: Unglaublich. Sie sind hier auf nem Fußgängerweg. Der Radweg ist da (zeigt in die Richtung).

Sie sabbelt irgendwas in ihren Damenbart.
Ich finds langsam blöd und sage zu ihr: Schlecht geschlafen?
Sie: Belästigen Sie mich nicht!
Ich: Bitte? Sie belästigen mich doch die ganze Zeit!
Sie: Schade, wenn man auf der Sonderschule war und nichts gelernt hat.
Ich (mitlerweile auf 180): Bitte?

Die Ampel springt auf grün und ich trete in die Pedale um der Situation möglichst schnell zu entkommen. Da gibt sie mir mit der Hand einen kräftigen Schubser gegen die Schulter, dass ich fast vom Rad falle. In dem Moment, als ich grade so den Sturz noch abwenden kann, springt die Ampel wieder auf rot und die von rechts kommenden Autos fahren an. Ich schaffe es noch sicher auf die andere Seite, bin aber mit den Nerven völlig am Ende.
Mir fehlen bis heute, 2 Tage nach dem Vorfall, noch immer die Worte für solch unveschämtes, rüpelhaftes Verhalten.

Mittwoch, 24. November 2010

Meine ganz persönliche Terror Erfahrung


Vor ein paar Tagen fuhr ich abends mit dem Rad zum Schwimmbad. Ausnahmsweise, muss ich ja zu meiner Schande betonen, habe ich mich an alle Verkehrsregeln gehalten. Sogar an die, die noch gar keine sind! Mein Rad hatte hinten und vorne Licht. Ich fuhr auf dem Radweg der rechten Strassenseite und trug sogar einen Helm und reflektierende Kleidung. Alle Ampeln, die dem zu schildernden Ereignis voraus gingen, habe ich klar bei grün genommen. Ich bin sogar angemessen schnell gefahren. Obwohl es ja keine Geschwindigkeitsbeschränkung für Radwege gibt, soweit ich weiss. Und was ist der Dank dafür? Plötzlich steht 10m vor mir, mitten auf dem Radweg ein Polizist.
Das war so eine Stelle, wo ich eine von rechts einmündende Strasse queren musste. Er stand nicht nur auf dem Radweg sondern auch mitten auf der Strasse und redete mit einer Kollegin und 2 Menschen in Warnwesten. Diese konnte ich aber nicht sehen, da sie von einem geparkten Auto verdeckt wurden. Ich bremste und fuhr langsam auf den Polizisten zu. Der ging 10cm zur Seite und verpasste mir dann einen ordentlichen Schlag gegen die Schulter. Ja, richtig gelesen. Die Polizei, dein Freund und Helfer, griff mich an. Ich bin dann sofort stehen geblieben und hab ihn empört gefragt, was das denn solle, worauf er mich anschrie, ich solle gefälligst langsamer fahren. Das hatte ich ja auch gemacht. Warum er denn mitten auf dem Radweg stehe, fragte ich ihn. Da sei ein Unfall passiert und er müsse den aufnehmen. Ok, das erklärte auch die beiden Menschen in ihren Warnwesten und die kreuz- und quer geparkten Autos. Es erklärt vielleicht auch seine Gereiztheit. Aber muss er mich deshalb fast vom Rad schubsen?

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Radtour 04. Oktober 2010 Düsseldorf

Knittkuhle, Ludenberg, Klein Hülsdelle, Flicken, Hofermühle, Unterhösel, Lintorf, Angermund, Kalkum, Kaiserswerth, Golzheim, Derendorf, Flingern!


Dienstag, 11. August 2009

Tourreport nach Theman - letzter Teil

Morgen Mittag kann ich endlich mein geliebtes Rennrad wieder in die Arme schliessen. Es hatte noch eine Woche Urlaub am Bodensee drangehangen um dann am Sonntag gemeinsam mit den Rädern der tapferen Alpenüberquerer gemeinsam nach Düsseldorf heimzukehren. Rennräder sind eben doch Herdentiere.
Für mich bedeutet das erst mal: reparieren. Bei unserem 2-stündigen Abstecher nach Frankreich war nicht nur der Vorderreifen ziemlich bald platt, sondern im Hinterrad brach auch noch eine Speiche. Ne, das Elsass ist wirklich schön, die Bedienung im Cafe war sogar nett und der Eisverkäufer hat gelächelt. Sogar die Sonne schien die ganze Zeit. Naja, wenn ich mit meinen Reparatur-Zwangspausen nicht den Aufenthalt im Nachbarland verlängert hätte, hätten wir auch keinen Regen mehr abbekommen.

So kams aber anders, und ich war ziemlich sauer auf die Franzosen und meine MitfahrerInnen ein klein wenig sauer auf mich, die ich zum ersten mal die mindere Qualität meines fahrbaren Untersatzes zu spüren bekam, aber lieber sauer sein wollte auf die vielen Baustellen und Schlaglöcher und Bahnschienen und überhaupt. Jubelnde Menschen am Strassenrand gabs auch, fand ich aber ein wenig irritierend. 'Allez allez, le tour, hoho', riefen sie uns zu. Die Deutschen Kleingärtner und Spaziergänger riefen meist nix oder blökten ein mürrisches 'Die Tour ist vorbei' in unsere Richtung. Womit sie ja schliesslich recht hatten. Klugscheisser. Meine Laune war nach 2 technischen Defekten innerhalb 2 Stunden bescheiden, aber nach der Ankunft im pittoresken Iffezheim, einem kühlen Bier und einer Riesenladung Pizza schlug das ganz schnell wieder ins positive um.

Wenn ich morgen mein Rad zurück bekomme, werde ich ein neues Hinterrad benötigen. Ein sehr lieber Kollege und Mitradler verkauft mir sogar einen Komplettsatz Laufräder, so dass ich wohl für die nächsten Ausflüge ins frankophile Schlagloch-Ausland gewappnet bin. Die hinteren Bremsblöcke muß ich auch noch erneuern, und dann kanns eigentlich wieder losgehen bevor die Abende zu kurz werden und kühle, nass-kalte Herbsttage heraufziehen. Bevor zu viel Wehmut nach Sommertagen bei gleißender Hitze, brennendem Asphalt, schmierigen Staub-Schweiß-Gemischen auf den Armen, Schwärme toter Tiere im Helm und klebrig-süßem Zeugs zwischen den Fingern, hier zum Abschluß noch meine ultimative Liste der Dinge, die ich beim nächsten Mal anders machen würde:

  • Von Anfang an die empfindlichen Gesäßteile mit ordentlich Vaseline einschmieren
  • Autan einpacken und ein Mückenvertreibungsding für Nachts mitnehmen
  • Mehr Fotos machen
  • Das Fahrrad einem professionellen Check-Up unterziehen und nicht die Bremsen aussparen
  • Gegen Langeweile beim Fahren vorsorgen*

* Das muß ich vielleicht ein bischen erklären. Also: Wenn man 6 Stunden (und manchmal länger) auf dem Rad sitzt, dann kann es einem halt auch schon mal langweilig werden. Treten, Lenken, Bremsen, Treten, treten, u.s.w. Man könnte das eintönige Geradeausfahren natürlich spannender gestalten, wenn man freihändig fahren übt, oder während der Fahrt die Hinterleute fotografiert. Man könnte die vorbeirauschenden Kühe und Schafe zählen, die Lidls und Obis deutscher Kleinstädte im Kopf kartieren oder, wie schon damals mit Mutti und Vati auf dem Weg nach Italien, Nummernschilder raten. Falls ich noch mal für so viele Stunden aufs Rad steige, nehme ich mir vor, ein Gedicht auswendig zu lernen. Mindestens eins.

Donnerstag, 6. August 2009

Tourreport nach Themen - Teil II

LIEBENSWERTE FREAKS

Die Radtour war toll, das kann ich garnicht oft genug schreiben. Hervorzuheben sind natürlich die vielen kleinen Dinge, die man erlebt, wenn man sich quasi permanent in Bewegung befindet. Jede Sekunde eine neue Entdeckung: der Blick vom Berg hinab ins Tal, hinter die nächste Kurve, über die Brücke hinweg, durch den Wald hindurch. Wunderbare Landschaften ziehen an einem vorbei, gepaart mit Gerüchen und Geräuschen, Farben, und Formen. Manchmal ist das fast schon romantisch, man gerät ins Träumen, denkt an Effi Briest, wie sie in der Kutsche...und dann, peng, ein Stöhnen, ein Jammern, der Schweißgeruch vom Vordermann - man plumst zurück auf den harten Sattel der Realität und realisiert: Ich mache eine Gruppenreise!
7 Radler, 2 Radlerinnen und eine Begleitfahrzeugfahrerin waren für 5 Tage mein Mikrokosmos. Drei davon lernte ich erst an Tag 1 der Fahrt kennen. Grundprinzip einer Gruppenreise ist das gemeinsame Ziel. Da wir uns schon bei der Anmeldung total einig waren, dass wir am 29.Juli gesund und mit Rad am Bodensee ankommen wollen, gabs da keinen Diskussionsbedarf. Erprobte Mitradler hatten schon im Voraus Einzelzimmerbelegung gebucht - sie wussten schon, was da so auf einen zukommt. Die vielen Eindrücke vom Tag wollen ja auch irgendwann mal mitgeteilt werden. Und wann kann man das besser als vor dem Einschlafen?
Man soll auch nicht glauben, dass die täglich aus- und eingepackten Reisetaschen keine stinkenden Socken enthalten. Kollektionen von ausgemusterten Tour de France Profiteam Trikotsätzen müffeln nun mal nach Gebrauch - und die Abende waren dann doch zu schön als dass man sie mit Rei in der Tube schrubbend im Bad verbringen wollte. Während des Radelns versanken die meisten in Tagträumen. Einer träumte von Mainz 05, einer von Borussia M'Gladbach, einer übte heimlich Rilke-Gedichte. Doch so bald das Begleitfahrzeug am Horizont erschien, dachten alle plötzlich nur das eine: Essen! Als gäbe es kein Morgen wurden Riegel und Kekse aus der Futterkiste gegrabscht und in Trikottaschen und Münder gestopft. Die zahlreich mitgeführten Navigationsgeräte rissen uns auch so manches mal aus dem süßen Traum vom abendlichen Weizenbier, denn sie zeigen noch lange nicht alle gleichzeitig das gleiche Links an. Wildes Geschrei und Gestikulieren machte sich breit, der Stresspegel stieg so lange an, bis der Checker die Lage mit einem finalen "hier lang" beruhigte. Er hatte den besten Draht zum Satelliten. Wenn dann endlich nach einem langen Tag "Sie haben das Ziel erreicht" auf dem Display blinkte, sammelten wir uns um den gut gedeckten Tisch, aßen, tranken und erzählten uns die immer gleichen Geschichten von - ja, das ist kein Witz - sportlichen Höchstleistungen.
5 Abende redeten wir über Marathonbestzeiten,
Trainingspläne und Taktiken, tauschten Triathlonerfahrungen aus, wie zum Beispiel bei welcher Schwimmdistanz die meiste Entenkacke im Wasser war.

  • Bringen Kompressionssocken wirklich was?
  • Soll man Powerbar kaufen oder gibt es günstigere Alternativen? Welcher Laufradsatz taugt wirklich was?
  • Wie wird man beim Marathon 2 Minuten schneller?
  • Haben Frauen mehr Sitzprobleme auf dem Rennrad als Männer?
  • Soll man bei der Triathlon-Kurzdistanz Socken anziehen
  • oder einfach die Blasen an den Füßen in Kauf nehmen?
Ich habe es genossen, stundenlang übers Laufen, Schwimmen, Radfahren zu reden, ohne dass nur einer im Geringsten mit der Wimper zuckt.
Als dann die Stories vom Triathlon in Roth (das Hawai von Deutschland!) ausgepackt wurden und die Gruppe mit offenem Mund dem Finisher lauschte, war mir ganz schnell klar: Ich bin doch eigentlich noch ganz normal.

Dienstag, 4. August 2009

Tourreport nach Themen - Teil I

Der letzte Fahrtag der Radtour zum Bodensee liegt jetzt schon wieder so viele Tage zurück, wie die ganze Fahrt für mich gedauert hat. Zeit, ein paar kuriose Themen zu vertexten. Sicher interessiert sich nicht jedeR BlogleserIn fürs Rennradfahren, oder für Sport im Allgemeinen.
Deshalb habe ich ein paar Themen ausgewählt, die repräsentativ für den Wahnwitz dieser Tour stehen - und das ist absolut positiv gemeint. Ich bin mir sicher, dass 5 Tage lang täglich 150km Radfahren für viele als 'verrückt' gilt. Für mich war und ist es ein Riesenspass. Was in meinen Augen wirklich verrückt war, könnt ihr in den folgenden Posts lesen. Viel Spass!


Thema Heute: ERNÄHRUNG

Die Tätigkeit der Nahrungsaufnahme kennt viele Verben. Je mehr einem solchen ein tierischer Stallgeruch anhaftet, desto unapetitlicher ist meist der damit verbundene Vorgang aus Menschen Sicht. Wer möchte schon gerne beim Schnitzelfressen zuschauen oder einer Herde vom Junggesellendasein Abschiednehmender beim Bierschlabbern?
Wenn Rennradfahrer ihrem Körper Kalorien zuführen, reichen die Vergleiche aus dem Tierreich oft nicht mehr aus. Schnell, viel und häufig müssen die Energielieferanten rein. Ästethik spielt keine Rolle und auch der Geschmack bleibt meist auf der Strecke. Ein bischen wie Druckbetankung bei der Formel 1. Der Motor muss schließlich laufen.
Ein Mitradelnder behauptete gar 8000 kcal pro Tag zu verbrauchen, was natürlich übertrieben war.
Ich schätze, es waren 5000 - 6000, aber so genau weiss mans natürlich nicht.
Wer viele Stunden auf dem Radl sitzt und bergauf- und bergab durch die Lande rollt, kommt relativ schnell an den Punkt, wo man sich fragt, "wie bekomme ich diese Unmengen an verbrauchter Energie wieder in meinen muskelbepackten, leistungsbereiten Körper rein?"
Am einfachsten geht das natürlich auf flüssigem Wege. Zitronentee - ich habe ihn noch nie gemocht - liefert viel Energie, schmeckt eklig süß, verklebt alles, was auch nur in die Nähe kommt und lockt in Windeseile Armeen von Schimmelpilzen in die Trinkflasche. So ist man auch sicher nie alleine auf steilen Anstiegen unterwegs. Während der Fahrt zu kauen ist blöd, da anstrengend. Ausserdem nutzt man den Mund besser zum Atmen, oder, aber das macht nur der echte Profi, zum Quatschen mit den keuchenden Mitfahrern. Das beieindruckt ungemein. Wer jetzt noch genug Luft hat bei 18%iger Steigung sowohl zu essen als auch von der letzten Alpenüberquerung zu berichten, ist ein echter Held.
Auf Abfahrten ist die Atemluft seltener der limitierende Faktor, dafür stören bzw. ergänzen aber zielstrebig auf den geöffneten Mund zufliegende Insekten die Zwischenmahlzeit. Ergo: Man isst am besten auf grader Strecke, schön entspannt im Windschatten der sich abstrampelnden Vorderleute.
Knackige Müsliriegel, klebrige Powerriegel, durchgeschwitzte Gebäckstücke, oder flitsch-flutsch, das beliebte Power Gel in einem Zug, dann ist der Drops gelutscht. In der Summe der Kalorien kommt man mit den genannten Massnahmen aber nicht sehr weit. Da bleibt nur der gefürchtete Zwischenstopp
an einer Bäckerei und das heissersehnte Abendessen im Hotel. Die von uns besuchten Bäckereifachverkäuferinnen werden wahrscheinlich noch den Urenkeln von ihrem Umsatzrekord berichten. So wie die Pizzeria-Besitzerin in Iffezheim, die im letzten Jahr den DIN A4-Block zum Notieren der Bestellungen holen mußte, weil der handelsübliche Notizzettel nicht mehr ausreichte. In diesem Jahr war dort leider Ruhetag, dafür kam eine andere Pizzabude in den Genuß für uns 10 Leutchen mal eben 8 Partybleche (Umrechnugsfaktor: 1 Blech = 3 Pizzen) zu backen. Ich habe Mitradler gesehen, die eine Packung Volleiwaffeln von Aldi in 2 Minuten komplett verschlingen oder nach einer 3-Gänge Mahlzeit noch einen Kaiserschmarrn UND eine Portion Käsespätzle verputzen. Zum Auffüllen der Lücke der noch fehlenden Kalorien wurde allabendlich die gute alte Weizenbiermethode angewandt. Flüssig geht dann einfach leckerer.

Freitag, 31. Juli 2009

Tour der Leiden - Tour der Freuden

Angekommen, geschafft, überlebt.
Über 700 km an fünf Tagen mit dem Rennrad quer durch Deutschland zurückgelegt. Eifel, Hunsrück, Schwarzwald und dann irgendwann am letzten Tag von einem Hochplateau die Alpen in der Ferne erblickt. Glückshormone ohne Ende ausgeschüttet. Abfahrten von 1100m abwärts mit Adrenalin pur, Steigungen von 22% gemeistert. Mindestens 30 Liter Zitronentee geschluckt und Kiloweise Müsliriegel, Powergels und Volleiwaffeln gefuttert. Die Abende mit Radler (!) versüßt und die müden Beine mit Pferdesalbe und Voltaren zugeschmiert. Ab dem vierten Tag auf Voltaren-Tabletten umgestiegen da zu spät mit Vaseline begonnen. Vor lauter Glück kopfüber in den Bodensee gesprungen, gefreut, gestrahlt, alle Schmerzen vergessen und beschlossen: NÄCHSTES JAHR WIEDER!

Freitag, 24. Juli 2009

Morgen ist Sonnenschein-Pflicht!

Mein Feld-Wald-und Wiesen MTB ist wieder komplett. Dieter Egert hat ein gebrauchtes Hinterrad für mein Schätzchen organisiert. "Dat is sojar ne LX-Nabe", sachte er zu dem runden Ding. Es dreht sich, passt und ich bin wieder glücklich. 85 Euro wollte er für das Hinterrad samt Montage und Märchensteuer haben. Ich denke, angesichts ziemlich aufwändiger Alternativen oder stundenlangen rumgoogelns und ebayens, ist das ganz vertretbar. Fast noch wichtiger - kann mich da nicht recht entscheiden - war das Packen vor der Radtour. Was man da so alles braucht! Kleidung für warmes und kaltes Wetter, gegen Regen und gegen zu viel Sonne, Salben für Wundes und Juckendes, Tabletten gegen Kopf- und Knieweh, Wekkzeug, Ersatzschläuche, legales Doping zum Knabbern und Lutschen, was zum hübsch aussehen am Abend, zum Kuscheln in der Nacht, zum Lesen, Schreiben, Hören, Wohlfühlen, Reißverschluss zu und ab damit zum Begleitfahrzeug. Da ist sie jetzt und verbringt die Nacht ohne mich. Um 7:30 Uhr klingelt der Wecker und dann werd ich als erstes den Vorhang beiseite schieben und der Sonne entgegenlächeln. Und wehe, sie scheint nicht, die Sonne, die, die...
Profil der ersten Tagesetappe. Wer wissen will, wo wir in den nächsten Tagen überall aufkreuzen, der kann sich gerne die Streckenführung unter http://www.gpsies.de unter dem Benutzer 'activefirst' ansehen.

Mittwoch, 22. Juli 2009

alles dreht sich

Gestern Nachmittag verschwand mein Hinterrad. Das Hinterrad meines uralt-Allzweck-MTBs,nicht das vom Rennrad. Letzteres steht in Watte eingepackt im Wohnzimmer und bereitet sich auf die kommenden Strapazen vor.Ich kam um 19:30 Uhr aus der Wohnung, ging zum Rad, das an einen von diesen gebogenen Baumschutz-Teilen aus Eisen angeschlossen war,wollte grade aufschließen, als ich bemerkte, dass irgendwas mit der Symmetrie nicht stimmte. Da war was, was nicht sein durfte.Mein Hirn hat ne zähe Minute daran zu knabbern gehabt, dass nicht sein kann was nicht sein darf, und dann doch resigniert.Schnellspanner auf, Rad raus, abhauen. So die Tatbeschreibung. Diebstahl! Kriminelle am Werk. Geschädigte: ICH!Gefühlslage: zu Tode betrübt, stinkesauer, verzweifelt, entrüstet. Wer macht denn so was? Und das noch am helllichten Tag. Das Radstand grade mal 2 Stunden dort, auf dem Bürgersteig an einer Straßenecke wo halb Flingern um diese Uhrzeit von der Arbeit nach Hausekommt, mit dem Hund geht, oder zum Kneipenbesuch loszieht. So eine unverschämte Dreistigkeit.Der Himmel riss dann auch sofort alle Tore auf und übernahm dankenswerterweise das Weinen für mich.Es hätte nicht weniger sein können.

Eben hab ich vom Radladen 'Dirk Egert' auf der Ackerstrasse am Telefon die nette Auskunft bekommen, dass man da evtl. was auf Lager habe.Ich soll doch mal vorbei kommen mit dem amputierten Rumpf. Jetzt hab ich bessere Laune und schaue da gleich mal vorbei.Bei der Tour de France stürzen sie reihenweise bei den Abfahrten.Unser letztes generalprobenmäßiges Radtraining heute Abend fällt aus. Ich werde ein bischen nervös. Bald ist Samstag. Ein Rad beklaut,eins in Watte, ich sehe nur noch Räder, Reifen überall, jetzt zwickt auch noch mein Knie...oh jeh!Wird Zeit, dass sich was dreht.

Montag, 20. Juli 2009

Noch 5 Tage

Schon wieder ein verregneter Sonntag. Zumindest am Morgen. Unsere Trainings-Runde auf dem Rennrad mußte nun schon zum 2. mal hintereinander ins Wasser fallen und zum 4. mal insgesamt. Strassen zu nass und vom Wasser von oben gar nicht zu reden. Also mal wieder Ausweichtraining absolviert um die Pumpe auf Trab zu halten. Wenn schon nass, dann auch richtig. Schwimmsachen geschnappt und ab ins Freibad. Herrlich, wie leer es im strömenden Regen bei 17 Grad im Freibad ist. Wir "teilen" uns die 50m-Bahn immerhin zeitweise zu fünft. Darunter ein paar ganz ambitionierte, deren Trainingsplan am Beckenrand verrrät, dass sie noch großes vor haben.
Um 12 Uhr hab ich meinen inneren Plan runtergeschwommen und plansche noch ein paar Bahnen im warmen Innenbecken. "Nö", sagt mein Körper, "lass das mal lieber", indem das Blut in meine durchgefrorenen Flossen zurückströmt und die Fingerkuppen sanft prickeln.
Der Rest des Tages besteht dann aus Ruhen, Essen und Ärgern darüber, dass die Sonne doch noch, aber viel zu spät raus kommt. Da hilft dann nur ein ausgedehnter Spaziergang mit Frau O. samt
Einkehr in den Düsseldorfer Zoopavillion zu Kaffee und Kuchen. Beides zu empfehlen. Vom Kuchen blieb übrigens kein Krümelchen mehr übrig.
An Kohlenhydraten soll nun wirklich nicht gespart werden. Jetzt sinds noch 5 Tage und ich werde aufsatteln. Am Mittwoch ist Generalprobe, letzte Ausfahrt vor der großen Tour, und danach tickt die Uhr. Ab in den Süden Deutschlands, jeden Tag ca. 150 km, ohne Pardon. Hoffentlich regnet es nicht schon wieder.

Montag, 29. Juni 2009

Donnerstag, 18. Juni 2009

es rathelt

Unsere Mittwochstour führte mal wieder gewohnt flach durch das linksrheinische Düsseldorfer Hinterland,
gen Süden Richtung Grevenbroich. Unterwegs rathelte es gehörig: Mühlrath, Hülchrath, Münchrath, Ramrath, Allrath. Höhepunkt der insgesamt 90km umfassenden Ausfahrt bildete der "Ventoux von Grevenbroich“, die Allrather Höhe mit 2,4km Länge und 95 Höhenmetern.

Sieht ein bischen aus wie ein zu groß geratener Maulwurfshügel und zieht die Rennradfahrer aus der ganzen Region magisch an. Wenn schon Plattfuß, dann hier, denn nirgends sonst kommen so viele hilfsbereite Cyclisten vorbei gerauscht (wie wir gestern erleben durften).
Bei einer solchen Anhäufung von Ortsnamen mit 'rath', hab ich mich mal schlau gemacht, woher das kommt.
'Rath' kommt von roden. Früher hat man dort den Wald gerodet um sich dort anzusiedeln und Häuser zu bauen.
Wieder was gelernt zum Klugscheissen bei der nächsten Tour.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Kurz vor "bald gehts los"

Am 25. Juli startet mein RIDE TO RIVA, der am 29. Juli dann am Bodensee endet.Ich werde 5 Tage lang in die Pedale treten und Kilometer für Kilometer gen Süden radeln.Heute habe ich zum ersten mal die Streckenbeschreibungen der ersten Etappen inspizieren können. Im Prinzip reichen schon die Längenangaben der Tagesetappen um die Angst vor dem Nichterreichen der Zielorte ins Unendliche zu steigern. 155,83 - 153,93 - 145,77 - 99,26. Schaut man sich dann noch die dazugehörigen Höhenprofile an, wirds einem doch ein bischen schummrig. Wer neugierig ist und mal gucken will, wo wir lang fahren (und vielleicht meinen Namen auf die Strasse schreiben will, hehe), kann das hier tun. Bis vor einer Woche hatte ich noch gehörige Zweifel, ob ich das wirklich machen soll. Die erste Trainingsausfahrt über 100 km hat mich quasi wortwörtlich umgeworfen. Dann kam noch ein schmerzhaftes Ziehen im Knie dazu und jede Menge schlechtes Wetter, das ein regelmäßiges Training unmöglich machte. Die 115 km durch die Elfringhausener Schweiz vom Sonntag hab ich aber ganz ordentlich weggesteckt, so dass ich nun entschlossen bin, das Abenteuer durchzuziehen. Schwer beeinflußt wurde diese Entscheidung aber auch durch ein paar schwächelnde Teilnehmer. Das Gefühl, nicht das schwächste Glied zu sein, wirkt doch ab und zu sehr wohltuend auf die hechelnde Bergziegenseele.

Und hier mal meine ganz persönliche Liste der Risiken und Nebenwirkungen

- man sieht ganz viele schöne Ecken in diesem Land,
- man ist stundenlang an der frischen Luft und wird im Glücksfall auch noch von der Sonne gebräunt
- man erzählt sich viele lustige Dinge und lernt kuriose Geräte kennen, wie z.B. eine Kettenlehre
- man wird ziemlich fit und bekommt durchtrainierte Beine
- man bekommt auch mal von Männern Tipps zur Beinrasur
- man isst viele und oft auch fiese Dinge (Energiegels, klebrige Riegel, zähe Kekse, Gelatinepulver)
- man klebt überall und ist dort auch noch dreckig
- man setzt sich ernsthaft mit leistungssteigernden Substanzen auseinander und sucht nach dem
legalen Ausweg- die Hausapotheke wächst um zahlreiche Schmerzmittel, Gels und Sälbchen an
- man verflucht weggeworfene Glasflaschen
- die Wettervorhersage wird zum persönlichen Horoskop
- der Werkzeugkasten umfasst Imbusschlüssel aller Größen
- man lernt sich auch mit Helm schön zu finden

Donnerstag, 14. Mai 2009

Die schmerzhafte Maria


Vergangenen Sonntag hatte ich das Vergnügen mit der schmerzhaften Maria.Es handelt sich hierbei um eine kleine Waldkapelle in Langenberg, in der Nähe von Velbert.Wenn man bereits 3h im Sattel (eines Rennrades) sitzt und gut 70km in den Knochen hat, kann es unter Umständen schon schmerzhaft sein,Marias Kapelle überhaupt zu erreichen. Will man an ihr vorbei auf die sonnigen Höhenwege, vorbei an malerischen Rapsfeldernund verträumt dreinschauend grasenden Ponies, kann es richtig schmerzhaft werden.
Wer es noch nicht weiß, Ende Juli will ich mit dem Rennrad zum Bodensee fahren. Tagesetappen von 100 - 150 km kommen auf mich zu und da will der Popo dran gewöhnt werden.Neben wundgesessenen Stellen kommen noch leichte Nacken- und Rückenschmerzen von der ungeübten Sitzposition, Sonnenbrand und hartnäckige Ölflcken an den Waden hinzu. Letztere funken auch manchmal ans Hirn, dass ihnen das alles zu viel sei, aber das ignoriere ich. Training muss sein, sonst gibt das nichts mit dem Bodensee. Meine Trainings- und Bodensee-Tour-Gruppe besteht aus fast ausschließlich muskulösen, männlichen, Hightech-Rad-Mannövrierern.


Meinen Trainingsstand beurteile ich zur Zeit als mittelgebirgstauglich, 100km lächelnd rund-tretend.Es läuft also mehr oder weniger glatt, wenn ich mal vom Knattern der Schaltung und vom schmieren der Bremsen absehe.Mein SCOTT ist ja auch kein 3000 Euro Rad, aber es hat Charakter und jede Menge Charme. Auch damit komme ich die Berge hinauf.Zwar nicht als erste, aber das muß ja auch nicht sein. Da lasse ich den muskelbepackten Mitstreitern auch gerne mal den Vortritt,den sie manchmal zum Seitwärtspinkeln ganz gut brauchen können. Das ist mal echt ein Vorteil des Mannseins. Ich muß immer kilometerlangAusschau nach geeignetem Buschwerk halten um dann am Ende doch noch während des Hockens vom neugierigen Gutshofbesitzer beobachtet zu werden.
So ist er halt, der Weg an den Bodensee. Lang, tückisch und schmerzhaft.Doch wenn dann, wie am Sonntag, am Ende der Tour 115km auf dem Tacho stehen, hüpft mein Herz vor Stolz und kein Popomuskel zwickt mehr.

Montag, 12. Mai 2008

Ausradeln

Am Freitag hab ich mein Rädchen fahrfertig gemacht (ein bischen pumpen, ein bischen putzen, ein bischen ölen) und hab die erste Spritztour dieses Jahres gemacht. Raus nach Kaiserswerth gings, über herrliche asphaltierte Feldwege, immer rheinab, der Sonne entgegen. In Kaiserswerth hab ich den Abend mit einem Eis belohnt und dann den Rückweg in den Biergarten angetreten. Soviel Sommerfeeling an einem Nachmittag war schon pures Glück - und so fühlte es sich auch an.Mein Rädchen macht Pause und genießt die Aussicht auf den Rhein.

Freitag, 20. Juli 2007

Radeln


Gestern Abend hab ich meinen müden Büropopo auf mein geliebtes aber vernachlässigtes Rennrad geschwungen. Ziel unbekannt, grobe Richtung Mettmann. Endlich mal wieder nen Berg hochfahren und sich wie ein Tour de France Fahrer auf dem Galibier fühlen. Mein Ausflug führte mich dann nach ca. 14km ins Neandertal, eine traumhafte Schlucht mitten im Wald. Rechts von mir ein kleiner Bach, die Straße astrein asphaltiert, leicht ansteigend auf dem Weg nach Mettmann, ein paar Motorradfahrer, die die ihnen gebaute Biker-Kneipe ansteuerten. Irgendwo, am tiefsten Punkt der Schlucht, gibts auch ein Museum und etliche Wanderwege und Infotafeln. Lohnt sich für einen Ausflug zu Fuß irgendwann mal.
Leider wurde meine Fahrt von permanent nörgelnden AUto- und Busfahrern getrübt. Hatten die alle Streß mit ihrem Chef, wars das schwüle Wetter oder hatten sie schlecht gesch...??? Ist doch meine Entscheidung, ob ich eine menschen- und autoverlassene Kreuzung bei rot überquere. Ich fahre nicht auf Radwegen, die von Scherben geschmückt, Wurzeln unterwachsen und dem Müll vorbeifahrender Autofahrer bedeckt sind. Ich bin auch nur maximal 50 cm breit, die Straße mindestens 8m - da kommt doch jeder vorbei. Und wenn mich jemand anhupt, der bei Tempolimit 50km/h mit 70 km/h an mir vorbeibraust, würd ich auch gern mal zurück hupen. Die Straße ist doch breit genug für uns alle, oder?

Dienstag, 29. Mai 2007

Warmradeln


Bin beim Surfen über ein Event gestolpert, das sogleich mein Rennrädchen ein wenig nervös gemacht hat:
"Bike It Cologne - Ein Fahrradrennen für mehr Toleranz. Die Teilnehmer/innen können sich auf einen Rundkurs von 45 Kilometern freuen. Start und Ziel sind am Kölner RheinEnergieStadion. Damit beginnt die Strecke im Herzen der Kölner Sport-Welt und bindet auch die Nachbarstädte Pulheim-Brauweiler, Frechen-Königsdorf und Hürth-Berrenrath/ Gleuel mit ein."
Alle Details findet Ihr hier. Ich bin auf jeden Fall dabei. Bericht folgt dann demnächst hier.