Freitag, 15. Mai 2009

Zoolauf

Ich gebe zu, manchmal tue ich verrückte Dinge. 100km Radfahren gehört für einige Menschen dazu,
für andere zählt schon, dass ich sonntags um 8 Uhr aufstehe. Jeder Jeck ist anders und jeder nach seinem / seiner Fasson. Morgen mach ich mal was wirklich verrücktes. Das einzig normale daran ist, dass es nur 5km sind und der Start erst um 18 Uhr ist.
Ein Volkslauf im Duisburger Zoo.
Die Zuschauer müssen raus, die Tiere bleiben da und spielen Zuschauer. Rainer und ich bilden
eine Staffel und jeder von uns läuft 2 x 2,5km durch den Tierpark. Dabei unterstützen wir mit unserer Teilnahmegebühr den Bau des neuen Affenhauses und feiern mit allen Duisburgern der 75. Geburtstag
ihres Zoos.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Die schmerzhafte Maria


Vergangenen Sonntag hatte ich das Vergnügen mit der schmerzhaften Maria.Es handelt sich hierbei um eine kleine Waldkapelle in Langenberg, in der Nähe von Velbert.Wenn man bereits 3h im Sattel (eines Rennrades) sitzt und gut 70km in den Knochen hat, kann es unter Umständen schon schmerzhaft sein,Marias Kapelle überhaupt zu erreichen. Will man an ihr vorbei auf die sonnigen Höhenwege, vorbei an malerischen Rapsfeldernund verträumt dreinschauend grasenden Ponies, kann es richtig schmerzhaft werden.
Wer es noch nicht weiß, Ende Juli will ich mit dem Rennrad zum Bodensee fahren. Tagesetappen von 100 - 150 km kommen auf mich zu und da will der Popo dran gewöhnt werden.Neben wundgesessenen Stellen kommen noch leichte Nacken- und Rückenschmerzen von der ungeübten Sitzposition, Sonnenbrand und hartnäckige Ölflcken an den Waden hinzu. Letztere funken auch manchmal ans Hirn, dass ihnen das alles zu viel sei, aber das ignoriere ich. Training muss sein, sonst gibt das nichts mit dem Bodensee. Meine Trainings- und Bodensee-Tour-Gruppe besteht aus fast ausschließlich muskulösen, männlichen, Hightech-Rad-Mannövrierern.


Meinen Trainingsstand beurteile ich zur Zeit als mittelgebirgstauglich, 100km lächelnd rund-tretend.Es läuft also mehr oder weniger glatt, wenn ich mal vom Knattern der Schaltung und vom schmieren der Bremsen absehe.Mein SCOTT ist ja auch kein 3000 Euro Rad, aber es hat Charakter und jede Menge Charme. Auch damit komme ich die Berge hinauf.Zwar nicht als erste, aber das muß ja auch nicht sein. Da lasse ich den muskelbepackten Mitstreitern auch gerne mal den Vortritt,den sie manchmal zum Seitwärtspinkeln ganz gut brauchen können. Das ist mal echt ein Vorteil des Mannseins. Ich muß immer kilometerlangAusschau nach geeignetem Buschwerk halten um dann am Ende doch noch während des Hockens vom neugierigen Gutshofbesitzer beobachtet zu werden.
So ist er halt, der Weg an den Bodensee. Lang, tückisch und schmerzhaft.Doch wenn dann, wie am Sonntag, am Ende der Tour 115km auf dem Tacho stehen, hüpft mein Herz vor Stolz und kein Popomuskel zwickt mehr.

Samstag, 18. April 2009

Laufgerüche

Meine aktuelle Lieblingslaufstrecke geht durch den Hofgarten, am Rhein entlang zur Theodor-Heuss-Brücke und wieder zurück.
Die Strecke ist gut 10 km lang, bietet einen traumhaften Panoramablick auf die Stadt, ich kann bei Bedarf kleine Sonderlöckchen einbauen oder mit den Rheinschiffen um die Wette laufen. Weil es da so schön ist, laufe ich diese Schleife schon seit mindestens 3 Monaten fast wöchentlich, so dass ich
mittlerweile fast jeden Baum persönlich kenne. Bei so viel Vertrautheit fallen die dicken Elefanten vom Zirkus Roncalli, der sich grade auf den Rheinwiesen ausbreitet, schon arg ins Gewicht. Doch neben diesen schwer zu übersehenden Veränderungen entlang derd Strecke, gab es insbesondere gestern Abend ein beeindruckendes Geruchskonzert.
Der Rhein riecht meistens nach Rhein. Das heißt, zieht man mal den Dieselgestank der Frachtschiffe, Möwenschiss und die Schnitzelpommesschwaden der Hotelschiffe ab, riecht er unterm Strich nach nichts. Auf den Rheinbrücken vermischt sich das ganze noch mit Autoabgasen. Bin ich erst mal den
verkehrsreichen Zubringerpfaden entkommen und laufe butterweich gebettet entlang des Stroms, wabert regelmäßig Zigarettenqualm der von mir überholten Fußgänger in meine geweiteten Nüstern. Spannend wirds, wenn ich mich Gruppen unter 18-jähriger mit lila Kapuzenjacken und schiefsitzenden Basecaps näher. Dann nimmt der Qualm eine süßliche Note an und lähmt hin und wieder dankenswerterweise mein Schmerzempfinden.
An Wetterwechseltagen wie gestern bergen stehende Gewässer einen undefinierbaren Mix an ekelerregenden braungrünen, dem Tod geweihten Modder-Gestänken. Da hilft nur schnelles Umschalten von Lungenzügen auf Flachatmung. Entschädigt wurde mein feines Näschen dann später im noblen Düsseldorfer Hofgarten. Die Landschaftsgärtnerschaft hatte frischen Rindenmulch zu einem 2m hohen und 10m langen Wall aufgehäuft. Höchst angenehmer Duft ging davon aus. Weil braune Dinge üblicherweise sehr unangenehm riechen, war ich äußerst verzückt und trabte gut gelaunt gen Ziellinie.
Freue mich schon auf die Grillsaison, wenn sich Bruzzler-Schwaden mit den Schweißwolken der fußballspielenden Bleichgesichter vermengen.

Mittwoch, 15. April 2009

Erfahrungsbericht

Was macht ein Deutscher, wenn man ihm ein 0,3 Bier und ein 0,5 Bier zum selben Preis anbietet? Er nimmt natürlich das größere. Was man, wie ich finde, auch leicht nachvollziehen kann, wenn es sich um die exakt gleiche Sorte handelt und das Gebräu dazu auch noch unverschämte 5 Euro kostet. In Deutschland kaum vorstellbar, aber auf der grünen Insel an der Tagesordnung. Fairerweise möchte ich erwähnen, dass das 0,3 er Getränk in der Flasche serviert wurde, während das Pint gezapft war. Verstehen konnte ich den Unterschied trotzdem nicht - die Kopfschmerzen am nächsten morgen allerdings schon.
Whaeva...wie der Ire sagt. Wir hatten viel viel blue Sky, dem man auf der Insel aber nicht viel Vertrauen schenkt. Sucht man hierzulande den Himmel nach Wolken ab, suchen die Iren nach blauen Flecken. Finden sie welche, schwören sie deren rasches Verschwinden herauf, womit sie überraschend oft recht haben. Die blauen Flecken rotten sich zwar manchmal zu größeren blauen Teppichen zusammen und scheinen ein bisschen Sonne auf das weite Grün herab, doch kaum hat man sich in Pose gebracht, schleichen ein paar hinterlistige Wolken ums Eck und trüben die Freude. Läßt man allerdings von Anfang an die Finger von "Gartenmöbel rausholen, Sonnencreme auftragen, Grill aufbauen, Tank Top anziehen", tut man es also den Einheimischen gleich, gelingt es meist die kurzen bluesky-Phasen optimal auszunutzen. Vielleicht verbrennen die Inselbewohner in südlichen Breiten auch deshalb so schnell, weil sie jedes Mal völlig überrascht sind, wie viele blaue Flecken sich hartnäckig aneinander reihen und stundenlang ungetrübt ausharren können. Abgesehen von den üblichen Irritationen bei Packungsgrößen, Lebensmittelpreisen und Rugby habe ich die Ostertage in Irland sehr genossen. Ich habe gelernt, dass man auf der Insel mit Hühnereiern zu Ostern nichts am Hut hat. Das gefärbte deutsche Hühner-Osterei existiert einfach nicht. Stattdessen produzieren alle namhaften Schokoladenmanufakturen eiförmige Gebilde in Übergröße als Frühlingsboten und Fruchtbarkeitssymbole. Immerhin werden auch sie vom Osterhasen persönlich im Garten versteckt. An Karfreitag haben die Supermärkte geöffnet, dürfen aber keinen Alkohol verkaufen. Ob dies jemanden davon abhält, an Karfreitag ein Bier zum Fisch zu trinken, weiß ich nicht, aber einen Versuch ist es Wert.
Ein völlig neues, innovatives Produkt begegnete mir in der Fernsehwerbung. Ein Deo von dove, dass den Achselhaarwuchs hemmt. Diese Erfindung löste in meinem Konsumentenhirn wahre Begeisterung aus. Vielleicht wird es bald auch eine Lotion geben, die den gleichen Effekt an anderen Körperstellen hat. Ich fände das genial - wenn es klappt und nicht stinkt. Ich weiß auch nicht, was das mit Irland oder mit Ostern zu tun hat, aber meine Begeisterung war einfach so groß, dass ich sie gerne teilen möchte.

Dienstag, 7. April 2009

Jetzt aber

..., jetzt schreib ich endlich was. Wird ja auch mal wieder Zeit. Angeblich gibts ja eine kleine treue LeserInnenschaft, die hier regelmäßig vorbei schaut und wahres Glück beim Lesen meiner zaghaften Schreibversuche empfindet.
Da es mir wiederum Spass macht, Gedanken und Geschichten aufzuschreiben, habe ich im Gegenzug einfach mal so richtig dolles Glück, denn so fügt sich die Lust am Schreiben und das Lesevergnügen der Anderen zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Und was kann man schon mehr wollen?

Das harmonische Ganze will allerdings genährt werden. Witzige Geschichten, skurile Anekdoten, verrückte Gedanken fallen ja nicht vom Himmel. Sie sind das Produkt eines zähen, von Problemen gepflastereten Alltags gespickt mit wiedrigen Umständen und schier unüberwindbaren Hindernissen. Um es kurz zu machen: Das Leben ist hart und kompliziert und liefert selbst die besten Geschichten.

Gut. Das wissen wir längst. Was aber passiert, wenn das Leben sich entscheidet, einfach so, völlig ungefragt, schwuppdiwupp, so ganz easy um die Ecke zu kommen? Wenn es einfach mal so rumplätschert. Unspektakulär. Unaufgeregt. Ohne Fallen und Gemeinheiten.
Dann ist erst mal ein Click auf die Pausen-Taste angesagt, einfach raus
aus dem Mief, Frühlingsluft inhalieren, Licht und Wärme einströmen lassen, Scheuklappen lupfen, Äuglein öffnen, Gehirn durchpusten lassen und genießen.
Meine empfindsamen Synapsen halten schon gespannt Ausschau nach neuem Material, das sie dann geschickt mit ihren Klebetentakeln einstrudeln, verdauen und genau hier an dieser Stelle pompös herauskatapultieren werden.

Und falls das jemandem zu lange dauern sollte, hab ich hier nen netten Link von nem Shop, in dem man herrlich nach unnützen Dingen stöbern kann: Der ANTIPRENEUR-SHOP.

Donnerstag, 26. März 2009

Unfass(t)bar schwierig

Man mag während eines ereignisreichen Lebens noch nicht mal in der gefühlten Mitte angekommen sein um sich die Frage zu stellen, auf was man mal gerne für sieben Wochen verzichten möchte. Eine Frage, die sich vielleicht nicht jedem Menschenkind stellt, oder nicht jetzt oder genau jetzt aber nicht für sieben Wochen. Sieben Wochen, eine viel zu lange Zeit, aber Verzicht ist nur Verzicht, wenn man gar schmerzhaft drunter leiden tut. Mal so eben für fünf Minuten auf Süßigkeiten verzichten kann ja jeder. Alkohol, Zigaretten, Kaffee, Fernsehen, alles schon gehabt. Was soll da noch kommen? Zentnerschwer lastet diese Frage auf meinen Schultern. Das Ende der Fastenzeit rückt näher und mich quält die Suche nach einem Verzicht. Werde ich noch einen finden und die Zeit der vorösterlichen Besinnung in Frieden mit mir selber begehen? 17 Tage noch währt das Fasten. Da sollte doch noch was gehen. Ich hab auch schon eine Idee. Wird aber noch nicht verraten. Immerhin mache ich hier mit - da gibt es reichlich spirituelle Anregung und viele Inspirationen.

Dienstag, 24. März 2009

Meine Heimatstadt Düren tritt bei "WDR2 für eine Stadt" an

Ins Finale haben es die Dürener nach einem zähen, harten aber stets fairen Kampf bereits geschafft.
Jetzt geht es heute noch gegen Attendorn, Bad Driburg, Havixbeck, Ibbenbüren, Meerbusch, Nettetal, Ochtrup, Paderborn und Salzkotten.
Worum gehts eigentlich? Die Stadt gewinnt gewissermaßen das überfallartige Eintreffen kilometerlanger Trucks und Ü-Wagen, die Technik, Equipment und hochmotivierte Moderatoren und Moderatorinnen auf dem Kaiserplatz und am Badesee entladen. Einen Tag lang wird dann von Dürens Plätzen und Strassen aus geredet, gesungen, interviewt, kommentiert und reichlich die üppige
Schönheit der zweitgrößten Stadt im Teilnehmerfeld angepriesen. Am Abend gibts zur Belohnung ein Konzert am Dürener Badesee mit Weltstar Sasha.
Davon gehört habe ich am Wochenende im Radio - bei WDR2, ist ja klar. Ein wenig überrascht war ich schon über den Finaleinzug. Verzaubert Düren seine Besucher nicht grade durch strahlende Schönheit. Bauliche Highlights sucht man dort ebenso vergebens wie üppige Grünanlagen oder ausufernde Museumsmeilen. Bedenkt man, dass Düren im 2. Weltkrieg annähernd vollständig zerstört wurde,
wundert dies nicht. Lange galt die zentral gelegene Wirtelstrasse mit den Prachtbauten C&A, Kaufhof und Woolworth zu den erlebnisversprechendsten Farbtupfern einer Stadt, die sich sonst in Grautönen einhüllte und sich hinter der rheinischen Metropole Köln artig zurückhielt.
Offensichtlich funktioniert das Stadtmarketing am Rande der Eifel aber so vorzüglich, dass sich meine alte Heimatstadt fürs Finale bei "WDR2 für eine Stadt" qualifizieren konnte. Nichtmahls der entzückende Sprachfehler, der jedem in Düren gebürtigen Menschenkind auf den Lippen haftet, verhinderte den Siegszug. Man war auch klug genug nicht an einem Wettbewerb teilzunehmen, der "Ich misch mich ein" oder "Düren tanzt auf den Tischen" heisst.
(Wer es nicht weiß, man hat in Düren angeblich ein kleines Problem mit der Aussprache von 'ch' und 'sch')
Dem Vorbericht konnte ich trotz kreischender Stimmen im Hintergrund entnehmen, dass man bestens gewappnet sei, die kniffligen Fragen der WDR2-Journalisten zu beantworten und auch bei der Stadtaufgabe mit höchster Konzentration und maximaler Fitness als Sieger vom Platz zu gehen.
Dem Auftritt des Barden aus dem Ruhrgebiet am Ende eines triumphalen WDR2-Tages, herbeigekreischt von tausenden nebenberuflichen Maiköniginnen, Schützenkönigsfreundinnen, Tanzmariechen, Cheerleadern, und Stepaerobic-Schülerinnen steht wahrlich nichts mehr im Wege.

Einziges Verhängnis könnte nur noch der hinterlistige Sender selber werden, der Düren mysteriös mit den folgenden Worten anmoderiert:
"Die Stadt liegt am Rand der Eifel, einer Region, die gerne mit dem Attribut "verschlafen" belegt wird. Dabei ist Düren weltweit unterwegs:
als Airbus A340, der den Stadtnamen in die Metropolen von Nord- und Südamerika, Afrika und Asien trägt."
(Quelle: wdr2.de)


Und was sagt die Stadt selber zu ihren Chancen?
"Düren. Gute Laune, Lust am Feiern und die Fähigkeit, schnell gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, zeichnen den Rheinländer an sich und die Dürenerinnen und Dürener im Besonderen aus." (Quelle: dueren.de)

Alle bitte WDR 2 einschalten, am heute, live in Düren, und zuhören, wie Düren gewinnt.