Mittwoch, 11. Dezember 2013

Ja is denn scho wieda Weihnachten?

Ja. Schluck. Eigentlich kaum vorzustellen, wie einer das im Informationszeitalter entgehen konnte.
Natürlich weiss ich, daß in 2 Wochen Weihnachten ist, aber daß das konkret heißt, daß wir schon in 9 Tagen nach Irland fliegen und bis dahin quasi alles erledigt sein muß, das war mir nicht so ganz präsent. In Irland kann man natürlich dann nichts mehr erledigen. Auf der grünen Insel gibts weder Telefon, Wlan noch Geschäfte und das Busy-Bienchen-Leben kommt vollkommen zum Erliegen. 

Natürlich ist das Quatsch. Aber für mich fühlt sich das kurz vor dem Abflug immer so an als komme mit dem Boarding das Leben zum Stillstand. Schnell noch alle Geschenke kaufen und wenn möglich schon einpacken, was Neues zum Anziehen für die Festtage darf auch nicht fehlen, alles, was ein wenig Aufmerksamkeit braucht in treusorgende Hände übergeben (Blumen, eingehende Post, verderbliche Lebensmittel) und wenns ganz schlimm kommt, dann lade ich auch alle Akkus vorher auf und fülle den Podcast-Speicher meines iPods noch mal so richtig bis zum Anschlag. 
Genügend Anziehsachen für die Zeit bei der Familie bringe ich logischerweise auch mit. Es gibt selbstverständlich auch keine Waschmaschinen.

Jetzt ist mir also die Kürze der Zeit bis zu diesem "point of no return" schlagartig bewußt geworden und hat mir kleine Schweißperlen auf die Stirn getrieben.
Als berufstätige Mutter ist die freie Zeit für Erledigungen der besonderen Art (s.o.) arg knapp bemessen. Eine kluge Lösung vieler Probleme ist generell das Online-Shopping. Das geht ja immer von überall her. Dachte man. Ist auch immer noch so, allerdings leider nicht mehr mit dem Zusatz "problemlos". Zumindest nicht mehr in der Zeit vor Weihnachten.
Mein Gefühl sagt mir, da ist was aus dem Gleichgewicht gekommen zwischen der Anzahl der Bestellungen und der Anzahl der pünktlich zugestellten Lieferungen. Et wuppt nicht
mehr so, wie es mal war, als ich noch ohne zu zögern eine Glühbirne bei amazon-Prime bestellt habe, und mich am nächsten Tag über die Lieferung gefreut habe.
Alles so einfach und ganz ohne Aufwand. Für mich jedenfalls. Jetzt sieht meine Online-Bestell-Historie der letzten 4 Wochen so aus:

  • Schuhe bei "my best secret" bestellt. Passen nicht. Zurück geschickt.
  • Handyhülle bei amazon bestellt. Aus versehen "Lila" angeklickt, Retoure eingeleitet und Schwarz bestellt. Porto für die Retoure mußte ich selber zahlen.
  • Kinderpulli bei Zalando bestellt und an Büro-Adresse liefern lassen. Unsere Hauspost hatte nix vom Umzug meiner Abteilung mitbekommen, deshalb 1 Tag Verzug und Schnitzeljagd durchs ganze Haus.
  • McBook bei Gravis am 26.11. bestellt. Das ging nach drei Tagen an meine Packstation, und machte kurz vor dem Eintreffen wieder kehrt. Gravis hat bis gestern gebraucht um
  • das Paket wieder zu finden und hat versprochen, es sofort wieder los zu schicken. Ich warte (3,5 Wochen später) immer noch.
  • Neue Digi-Cam bei amazon bestellt. Pünktlich geliefert aber leider defekt. Retoure eingeleitet. Ersatz zum gleichen Preis nicht möglich, da der Preis sich inzwischen geändert hat.

Und dann macht Herr Jauch auch noch eine Sendung zum Thema und hält uns die schrecklichen Arbeitsbedingungen in den Logistikzentren deutscher Online-Großhändler vor Augen.
Und wenn das nicht reichte, spricht jetzt jeder dritte Talkshowgast über die Vorzüge fairer Kleidung, und lobt unsere regionalen Produkte.
Und wenn das dann immer noch nicht reicht, dann schreibt jemand ein Buch darüber, wie sie ein Jahr dem Kaufwahn entsagt hat.

Ich habe es langsam kapiert. Der Klick auf "Jetzt Kaufen" hat für viele Menschen eine Menge Nachteile und für einen jetzt immer öfter auch. Nämlich mich, wenn ich der Ware über teure
Hotlines hinterhertelefonieren muß, oder am Ende doch in der Schlange stehe, weil ich meine Retoure bei der Post abgeben will.
Das Fazit, jetzt nie wieder online zu kaufen, klingt mir zu radikal. Vielleicht nur bei kleinen Händlern, die ihre Ware selber verschicken?
Wenn ich nur faire Waren bestelle? Oder erst mal warten, bis die Weihnachtszeit vorbei ist und sich die Staus auf den DHL und UPS-Highways wieder aufgelöst haben?


Ich will mal drüber nachdenken, was der beste Kompromiß aus maximaler Bequemlichkeit und minimalem Schaden für den Weltfrieden sind. Vielleicht hilft ja die Auszeit in Irland ohne
Wlan und Waschmaschinen.

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