Sonntag, 20. März 2022

Schattenrasen

Ich versuche schon seit Tagen aus meiner Idee einen catchy Tweet zu basteln, muss aber feststellen, dass ich zur Verknappung von Ideen einfach nicht geeignet bin.
Da stehe ich im Lidl, weil mal wieder keine Milch mehr im Kühlschrank war und die Picknick-Bestellung erst für den Abend angekündigt ist - und sehe diesen Sonderposten „Schattenrasen“. Ist es ein neuer Krimi meines Lieblingsautors? Wohl kaum. Als Buch wäre dieses Paket ein wenig zu unhandlich. Es sei denn, man möchte beim Lesen parallel noch seine Muskeln stählen. Obwohl, in unserer optimierungswahnsinnigen Gesellschaft könnte das durchaus ein Verkaufsschlager werden. Bücher in der Größe eines Schuhkartons mit unterschiedlichen Gewichten, die sich per App einstellen lassen.

Es handelte sich aber weder um ein Buch noch um einen Schuhkarton - es war eine große Packung Rasen-Samen. Schatten-Rasen-Samen. Samen, aus dem Rasen wächst, der es lieber schattig hat. Statt „draußen nur Kännchen“ hier „draußen bitte schattig“. Wehe, wenn die Sonne jahreszeitenbedingt wandert und doch mal aus Versehen ein paar Strahlen auf die jungen Gras-Sprösslinge herab wirft.
Oder, ein schattenspendendes Etwas wird entfernt und völlig ausserplanmäßig dringt gleißendes Sonnenlicht auf die zarten Pflänzchen.  
Ich will mir gar nicht ausmalen, was alles passieren könnte. Plötzlich klingelt es an der Haustür und Parka-tragende Greenpeace-Menschen beschuldigen mich der nicht-artgerechten Haltung von Schattenrasen. Ich würde mich natürlich sofort schlecht fühlen und mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln entschuldigen. Dann würde ich umgehend in den nächsten Baumarkt fahren und ein Schattensegel für den Schattenrasen kaufen, welches ich großzügig darüber spanne. Schatten wem Schatten gebührt. 

Donnerstag, 17. März 2022

Sechs

Dein 6. Geburtstag fiel in diesem Jahr auf einen Sonntag. Nachdem du alle Geschenke ausgepackt und ein kleines Frühstück zu dir genommen hattest, wolltest du als allererstes den neuen Bahnhof und den Lokschuppen für deine Brio-Eisenbahn aufbauen. Den Geschenken lag auch noch ein neuer grüner Hoody bei, der, wie sich später zeigen sollte, zu deinem absoluten Favourite werden sollte.

Der große Bruder hatte für dich Playmobil-Novelmore-Figuren besorgt (hüstel) und selbst designte Fussballtrikots angefertigt.

Der Vormittag war zu kurz um alles auszuprobieren und auch noch die zahlreichen Glückwunsch-Anrufe aus aller Welt entgegen zu nehmen. Zur Feier des Tages hatten deine Mamas einen Tisch beim Inder in der Stadt reserviert. Das Essen war vorzüglich und du hast fast eine ganze Portion Chicken Korma verspeist. Doch was wäre ein perfekter Tag ohne Fußball? Den Nachmittag verbrachten wir mit Freunden auf dem Bolzplatz. In der Halbzeitpause teilten wir mit allen deinen Geburtstagskuchen und stärkten uns für viele weitere Halbzeiten.


Drei Wochen später war dann endlich der Tag des großen lauten Kindergeburtstags gekommen. Vier Freunde aus der Kita hattest du zu uns nach Hause einladen dürfen. Die Ideen, was du mit ihnen alles machen wolltest, gingen dir nicht aus. So gab es eine große Kuchenrunde, eine Schatzsuche im angrenzenden Wohngebiet mit megaschweren Rätseln, Fußballspielen im Garten, gemeinsames Ninjago-Spiel, eine Dunkel-Tanz-Party und das große Chicken-Nuggets-Essen mit Schoko-Pudding zum Abschluss. Deine Mamas schauten verzückt zu, wie ihr Kinder euch diesen Tag selber organisiert habt und waren erleichtert und zugegebenermaßen etwas erschöpft, als alle Kinder am Abend satt, müde und glücklich von ihren Eltern wieder abgeholt wurden. 

Kuchen für die Kita

Viele Geschenke warten auf dich

Mit deinem Bruder beim Inder

Noch ein toller Kuchen

Dein Bruder hat dir ein eigenes Trikot designt

  • du kannst schon bis 100 Zählen (und tust es auch manchmal)
    und deinen Namen schreiben
  • du kannst dir selber ein Toast toasten und mit Nutella beschmieren
    (total geheim, weil eigentlich verboten, aber dein Schokomund verrät dich immer wieder)
  • Paddington und die Olchies sind deine Lieblings-Tonies
  • zur Kita fährst du mit dem großen Fahrrad
  • immer öfter sprichst du ganze Sätze auf Englisch
  • du isst gerne und viel. Am liebsten Schoko-Kuchen, Pizza Margherita und Nudeln
  • deinen Freunden bist du sehr treu




Samstag, 15. Januar 2022

Jahresfragebogen 2021

 Zugenommen oder abgenommen?

Das Gewicht bleibt im Bereich +/- 2kg gleich – eigentlich erstaunlich, bei fast 100%

Homeoffice und ziemlich viel Couchsurfing.


Haare länger oder kürzer?


Nachdem sie coronabedingt immer länger wurden habe ich mich entschieden, ein bisschen mehr Länge zu kultivieren. Ziel ist, bis zum Sommer einen Zopf machen zu können.


Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Die Altersweitsichtigkeit scheint erst mal auf einem stabilen Niveau zu bleiben. Gut so. Zur Absicherung habe ich mir eine große Lupe angeschafft, die ich immer dann zur Hand nehme, wenn ich das Kleingedruckte auf Beipackzetteln, Zutaten von Fertiggerichten oder Artikel in der Bravo Sport des großen Kindes nicht mehr entziffern kann.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Aufgrund ausgefallener Großurlaube eher weniger.


Reisen/Ausflüge

  • Irrel in der Südeifel (Dinosaurierpark, Luxemburg)
  • Detmold mit Herrmannsdenkmal
  • Deutsches Fussballmuseum Dortmund
  • Ottonenhof in Ottmar im Sauerland mit Sommerrodelbahn in Brilon
  • Endlich mal wieder Dublin (nach 2 Jahren Coronapause)


Die teuerste Anschaffung?


Ein neues Mountainbike
Ein neues Hochbett für den Junior


Das leckerste Essen?


Wenn es mal nicht Chicken Nuggets, Fischstäbchen, Kartoffelpüree mit Würstchen, Pizza oder das „Lieblingsessen vom Inder“ gab.



Bücher 2021?

  • Marc Raabe (Schlüssel 17, Zimmer 19)
  • Alexander Gorkow (Die Kinder hören Pink Floyd)
  • Claire Douglas (Vergessen)
  • Hakan Nesser (Der Verein der Linkshänder)
  • Johanna Adorjan (Ciao)
  • Adler Olsen (Opfer 2117, Natrium Chlorid)
  • Max Bentow (Band 1-5)

Podcasts 2021?

Dauerbrenner:

Durch die Gegend, Hörbar Rust, Jörg Thadeusz, Hotel Matze, Toast Hawai, ApoFika

Neu entdeckt:

Tragisch aber geil, too old to die young, Lanz und Precht, Fussball MML, Busenfreundin, Wohnung 17



Filme / Serien 2021?


WIR

Homeland (letzte Staffel)

Bergdoktor (the one and only)


Das beste Lied?


Cold Heart (im Duo Lipa & Elton John Remix) hat mich durch den zähen Dezember gerettet

Save your tears (The Weekend) kam immer dann im Radio, wenn es fast nicht mehr ging

Cover me in Sunshine (Pink) singt der Junior herzzerreißend mit

Bad Habits (Ed Sheeran) ich kann es langsam sogar mitsingen


Die meiste Zeit verbracht mit?


Der Familie, den Nachbarn, den ausgewählten Corona-Kontakten
Anfeuern der E-Jugend Mannschaft bei Post SV Düsseldorf


Vorherrschendes Gefühl 2020?


Oh no, nicht schon wieder


2021 zum ersten Mal getan?


Eine Mutter-Kind-Kur gemacht
dort: Ein Moorlaugenbad genommen, Nordic Walking
Coronaimpfung, Coronaauffrischungsimpfung, Coronaboosterimpfung

Hafermilch getrunken (bin dabei geblieben)



2021 nach langer Zeit wieder getan?


Eine Zeitung aus Papier gekauft und gelesen
Ein Mountain-Bike gekauft und damit ein paar Touren gemacht.

Joggen am Meer

Mich intensiv mit LGBTIQ-Themen beschäftigt


Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?


Den Diebstahl unseres Fahrrad-Anhängers

Jede einzige Quarantäne


 

2021 war mit einem Wort?

Corona

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Gedanken-Gewitter

Mit den Gedanken ist es ja so eine Sache. Zum Glück sind sie frei, und das ist sehr gut so. Manchmal sind die freien Gedanken aber auch ein bisschen wild, unsortiert, es gibt zu viele, die alle gedacht und bedacht sein wollen. Dann gibt es so etwas wie Gedankengewitter in meinem Kopf und das Tun wird zur Herausforderung. Ich tue dann nicht mehr das, was ich grade denke, sondern etwas, was ich noch vor ein paar Minuten gedacht habe in einem Kontext, der aber noch nicht gedacht ist.

Beispiele gefällig?

Während ich vor dem Backofen drauf warte, dass das Baguette aufbäckt und schön knusprig wird, stecke ich 2 Scheiben Toast in den Toaster, weil es zum Rührei Brot geben soll.

Während ich mir die Antwort auf eine WhatsApp-Nachricht überlege und die Information der Bäckerei-Verkäuferin abspeichere, dass die Bezahlkarte fast leer ist, zähle ich in Gedanken durch, ob die Milch zu Hause im Kühlschrank noch bis morgen reicht und laufe vor ein Auto.

 

Helfen tut dann Schreiben. Die Gedankengewitter aus dem Kopf rausschreiben und ihnen einen neuen Raum anbieten, in dem sie sich entfalten können. Vielleicht wollen sie ja auch einfach weg, sich hinter anderen Wörtern verstecken, oder einfach mal in Ruhe auf einem digitalen Instrument verweilen, bis die Zeit sich ihrer anzunehmen, eine bessere ist. Nicht jeder Gedanke passt in jede Zeit. Das entwirren des Gedankenknäuels durch Aufschreiben ist eine feine Methode, Struktur ins Hier und Jetzt zu bringen.

 

Was mich bewegt und beschäftigt?

Der Junior muss in diesen Tagen an einer Grundschule angemeldet werden. Die Wahl ist nicht leicht, da die Grundschule des Großen nach dem Umzug vor 2 Jahren zu weit weg und völlig überlaufen ist. Da der Große im Sommer 22 auf die weiterführende Schule wechselt, bekommt der Junior keinen Geschwisterbonus. Also studieren wir seit Wochen verschiedene Grundschulen in der Nähe und wägen die Vor- und Nachteile der Angebote ab.

Meine Euphorie über die erste Stunde im Schwimmkurs war nur von kurzer Dauer. Beim zweiten Termin verzog der Junior schon nach einer halben Stunde das Gesicht und beim 3. Termin wollte er gar nicht ins Wasser. Zum Glück haben wir das Angebot bekommen, in einen Kurs zu wechseln, bei dem die Eltern mit ins Wasser dürfen. Aufgrund der Ferien- und Feiertage der nächsten Wochen, wird es da aber erst Mitte November weiter gehen.

Vorher haben wir noch die Herausforderung der Muttermal-Entfernung zu meistern. Darauf kann ich ihn jetzt langsam vorbereiten, bevor wir dann nach erfolgter Heilung einen neuen Schwimm-Anlauf starten.

Da die Corona-Lage es zur Zeit zulässt, bieten die weiterführenden Schulen in Düsseldorf wieder Tage der offenen Tür an. Diese werden dann im November stattfinden. Mal sehen, wie begeistert Herr O. in das Thema einsteigt. Ich habe bisher schon so einige Stunden mit dem Studium der Schul-Webseiten verbracht und sehe langsam vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Bin kurz davor eine Meta-Schul-Vergleichs-Webseite zu erstellen, auf der man in tabellarischer Form sehen kann, was die Schule bietet, Betreuungskonzept, spezielle Zweige, Erreichbarkeit, Sprachen, Schwerpunkte, etc. Es gibt kaum etwas individuelleres als Schul-Webseiten. Ein Video hier, eine PowerPoint Präsentation dort, ein ellenlanger Text auf der Startseite, Links, die im Kreis herum führen.
Und dann hat man ja noch nicht mal die Empfehlung der Grundschule und kann sich im Prinzip auch noch mehrere Schulformen angucken.

 

Und sonst so?

Ich habe mir die Kevin-Kühnert Doku in der ARD-Mediathek angeguckt.

Ich warte ungeduldig auf jede neue Folge der neuen Serie „WIR“, die freitags immer frisch in der ZDF-Mediathek ausgeliefert wird.

Ich habe aus komplett selbstgemachtem Hefeteig mit dem Junior Pizza-Brötchen gebacken.

Ich habe den 6-teiligen Podcast „WTF happened to Ken Jebsen“ durchgehört und bin erschüttert.

Dienstag, 28. September 2021

NEUN

Vor ein paar Wochen feierte Herr O. seinen 9. Geburtstag. Endlich – könnte man sagen – denn deine KlassenkameradInnen sind mittlerweile alle schon 9, manche sogar schon 10. Da du eine treue Seele bist, ludst du auch wieder Kinder aus deiner „alten“ Kita-Zeit ein und einen Nachbarsjungen, mit dem du gerne Fußball und Switch spielst. Es war also eine bunte Mischung aus 8 wilden Jungs, die deine Mamas im Gino-Land zu beaufsichtigen hatten.

Anfangs kamen uns 4 Stunden Tobe-Zeit ganz schön lang vor, aber ihr Kinder habt euch prächtig amüsiert, seid geklettert, habt Fußball gespielt, seid Autoscooter gefahren, habt euch den Bauch mit Pommes und Chicken Nuggets vollgestopft, habt Slush-Eis geschlürft und selbstgebackenen Monster-Kuchen gegessen.

Wir Mamas durften Getränke auffüllen und euren Erzählungen lauschen, wenn ihr nassgeschwitzt von euren Abenteuern für ein paar Minuten Verschnaufpause an den Tisch zurückkehrtet.

Deine Freunde haben dich wieder mal reich und kreativ beschenkt. Zum ersten Mal war kein Spielzeug von Playmobil oder Lego unter den Geschenken. Viele spannende Bücher konntest du aus dem bunten Geschenkpapier herauspulen, eine Einladung ins Kino, Pokemon-Karten und Plastik-Soldaten, die du zum Nachspielen epischer Schlachten benutzt.

Das vergangene Jahr war rückblickend vielleicht das herausforderndste. Du musstest dich mit einem monatelangen Lock-Down arrangieren, auf dein geliebtes Fußball-Training und -Spiele verzichten, konntest dich nur selten mit Freunden treffen, Kino-Besuche waren nicht möglich, dafür umso mehr iPad-Zeit zum Lernen, Spielen und Abhängen. Wir sind ganz schön stolz darauf, dass du gelernt hast, dich selber zu organisieren und selbständig dem Homeschooling zu folgen. Du gehst verantwortungsvoll mit dem iPad um, telefonierst wie selbstverständlich per FaceTime oder Teams.

Dein Wissensdurst nach Fußball-Informationen ist schier unersättlich. Zum Glück bist du jetzt mit ein paar neuen Büchern und FIFA22 gut ausgestattet um über die grauen Herbst- und Wintertage zu kommen.





Genieße dein 10. Lebensjahr, schieß noch viele Fußball-Tore, erlebe tolle Stunden mit deiner Krokodil-Klasse im Theater, Konzert, auf Klassenfahrt oder am Rhein und bleib so neugierig und freundlich wie wir dich kennen.

Freitag, 17. September 2021

Bestandsaufnahme - September 2021

Seit einem Monat läuft die Schule wieder. Wir hatten bisher viel Glück und niemand aus unserer Familie musste in Quarantäne.

Schule läuft, Kita läuft, Arbeit muss ja eh laufen. Der kleiner Herr O. ist mit viel Glück noch in einen Schwimmkurs reingerutscht und übt jetzt fleißig montags nach der Kita mit Flossen und Schwimmnudeln, wie man vorankommt ohne abzusaufen. Er schlägt sich tapfer, wenn auch erkennbar ist, dass Schwimmen noch nicht zu seinen großen Leidenschaften gehört. Aber Junior ist auch dafür bekannt, dass er nur sehr ungern seine Komfortzone verläßt.

Der große Herr O. trainiert mittlerweile sehr engagiert im Fussballverein und konnte sich bisher immer glücklich schätzen, für die Liga-Spiele nominiert worden zu sein. Da er jetzt schon in der E-Jugend kickt, müssen wir samstags auch nicht mehr bei Sonnenaufgang im taufeuchten Gras mit Wollsocken und Parka am Spielfeldrand stehen, sondern können uns sogar ein zweites Frühstück gönnen, bevor wir aufbrechen. Die Ergebnisse sind noch ausbaufähig, aber warum sollte es bei den Kids anders sein als bei den Großen?


Ich habe mich ganz besonders gefreut, dass die neue Fachkraft für Regenbogenfamilien bei der AWO Düsseldorf nach langer Pause mal wieder ein Regenbogenfamilien-Treffen organisiert hat. Es war sehr schön, ein paar bekannte Gesichter wieder zu sehen und neue Geschichten zu hören. 


Und sonst so?

Ich bin am Sonntag morgen stolze 1000m geschwommen. Ganz alleine, ohne Kinder, ohne Gedöhns, einfach mal wiede stumpf Kacheln zählen. Immerhin waren diese sehr neu und sogar die Decke des neuen Flingeraner Allwetter-Hallenbades hat eine zählbare Struktur, so dass man beim Rückenschwimmen ganz klar wissen könnte, wie weit man noch von der Kollision mit der Wand entfernt ist. Wie so vieles, nehme ich mir auch hier vor, das öfters zu machen, aber mal sehen, was daraus wird. Wäre eignetlich blöd von mir, nicht öfter schwimmen zu gehen, denn das Schwimmbad liegt sprichwörtlich vor unserer Haustüre.


Podcast-News:

Meine neuste Entdeckung im Podcast-Universum ist "Busenfreundin". Ein lockerer, humorvoller, lesbischer Talk-Podcast zu LGBTIQ*-Themen. Hier habe ich (shame on me) davon erfahren, dass es das Format "Princess Charming" im deutschen TV gab. Zum Glück gibt es YouTube und Mediatheken, so dass ich nicht dumm alt werden muss.



Streaming-Tipps:

Ich stream grade mit großer Lust "Andere Eltern" in der ZDF-Mediathek. Mich packts emotional. Mir gefällt das Script, die Machart (gibt es für dieses Wort eine coole englische Expression???), der Schnitt und natürlich die wunderbare Lavinia Wilson.


Hamilton:
Schwedische Version einer Mischung aus James Bond und Homeland. Schöne Menschen, packende Story.


Lesenderweise:

Ich bin irgendwo bei 15% bei "Vergessen" von Claire Douglas hängengeblieben. Nach ihrem Kracher "Freundinnen", lief es hier nicht so toll mit dem Lesefluss. 

Ich lese wahlkampfbedingt zur Zeit einfach viel Twitter und uebermedien.de, oder ich lese die selbstverfassten Comics von Herrn O.



Mittwoch, 25. August 2021

Eine uralte Idee kehrt zurück

Vor vielen vielen Jahren erwuchs in mir die Idee, dass man Menschen in zwei Gruppen einteilen könne. Die einen und die anderen. Kennt man ja von den Olchis. Da gibt es das eine Olchi-Kind und das andere Olchi-Kind. Namen haben sie keine. Brauchen sie auch nicht. Sie stehen für Gegensätze, die es einfach irgendwie immer gibt.

So ähnlich, nur trilliardenfach komplexer hatte ich mir das schon mal zu Zeiten meines Studiums vorgestellt, als ich noch in der Kölner Nikolausstrasse in meinem WG-Zimmer saß und Geologie-Exkursionen protokollierte. Immerhin habe ich von den Geologen und Paläontologen außer Trinkfestigkeit auch noch fundiertes Dinosaurierwissen erworben, welches mich heute bei den Kids im Dinoalter unfassbar cool erscheinen läßt. Leider geht das Alter, in dem sich Jungs und Mädels für Brachiosaurier und T-Rexe interessieren irgendwann zu Ende, und neue elterliche Coolness-Kompetenzen sind gefragt. Aktuell arbeite ich an meinen Minecraft- und Fifa4Switch – Skills, muss aber zugeben, dass da noch reichlich Luft nach oben ist.

Als ich mal wieder mühsam versuchte diese Gap zu schließen, oder besser gesagt, mich davon erholte ablenkte, diese Gap zu schließen und wahllos auf Facebook & Co herum klickte, begegnete mir folgende Webseite:
2kindsofpeople.

Dort sammelt João Rocha aus Lissabon (Portugal) gegensätzliche Phänomene, von denen immer eins von einer Gruppe Menschen favorisiert wird, und das andere dann halt von der anderen Gruppe Menschen. Wer fies ist, könnte jetzt sagen, „Ja, aber da gibt es doch noch ganz viele Varianten dazwischen. So schwarz/weiß kann man die Welt doch nicht sehen.“
Die Idee hinter „2kindsofpeople“ mag aber kein „Ja, aber“. Sie steht für klare Einteilung in dies oder jenes. Das macht ja grade ihren Charme aus.

Damals, als ich in den Startlöchern für mein eigenes „2 Arten von Menschen“-Projekt stand, haben mich zu viele „Ja, abers“ von der Umsetzung der Idee abgehalten. Ich war auf der Suche nach Kriterien, nach denen man Menschen in die eine oder die andere Gruppe einteilen könnte. Diese Kriterien wollte ich anhand eines mehrdimensionalen, soziologisch, psychologisch, biologisch, ökonomisch, wissenschaftlichen Fragenkatalogs erarbeiten, darauf basierend eine Formel entwickeln, deren Ergebnis dann die Zuordnung eines Menschen in Gruppe A oder B gewesen wäre.

Ich glaube, rückwirkend war es eine weise Entscheidung, die Formel nicht zu entwickeln und Menschen nicht nach mathematischen Berechnungen in Töpfchen zu sortieren. Das Ergebnis hätte mir als Freundin einer vielfältigen Gesellschaft auch nicht gut gestanden und meiner Karriere als LGBTIQ-Aktivistin vermutlich im Wege gestanden. Sicher hätte man auch copyright-Fehler gefunden, und das wäre dann das endgültige Aus aller meiner Ambitionen gewesen.

João Rocha behandelt das Thema mit Humor und hat es karrieretechnisch zu einem Blog-Award und einem Coffee Table Book geschafft.

Ich frage mich grade: Bin ich der Typ Blog-Award oder Coffee-Table Book???