Sonntag, 25. November 2018

Sechs Wochen Rückblick



Herr O. hatte zum ersten mal Ferien. Es gab zwei Wochen Herbstferien - unterteilt in eine Woche Ferienprogramm in seiner Schule und 
eine Woche Sportcamp, welches er in den Sommerferien schon besucht hatte.
Für mich bedeuteten die zwei Wochen eine Unterbrechung unseres mühsam aufgebauten Rhythmus.
Einführung einer Morgenroutine, die gewährleistet, dass Sohnemann pünktlich in der Schule ist, Junior seinen Kindergarten erreicht und Mama auch noch mal irgendwann im Büro aufschlägt.
Veränderte Abholzeiten und Wege, die Bagage nachmittags wieder einzusammeln und nach Hause zu bringen.
In der zweiten Woche stand ich kurz davor mir einen dieser Aufkleber "Taxi Mama" aufs Auto zu kleben. Zum Glück war der Verkehr dank Ferien nicht ganz so schlimm und die Jungs waren bis
auf wenige Schreiattacken auch dankbare Mitfahrer.
Als die Schule wieder losging, war ich aber dennoch irgendwie froh.
Herr O. hat mitlerweile das Prinzip "Schule" durchschaut und war dementsprechend etwas weniger froh, als es wieder los ging. In den ersten Wochen war ihm nicht klar, dass Stillsitzen, Aufpassen, Zuhören, 
Anweisungen Befolgen der Kern des eigentlichen Schulalltags sind. Diese Erkenntnis setzte sich nur zaghaft in ihm durch. Lange war er noch der Illusion erlegen, dass es sich bei der Schule
um eine Fortsetzung der Kita in anderen Räumlichkeiten handelt.
Wenn ich ihn nachmittags fragte, was er gemacht habe, dann war die Antwort IMMER: "Fussball gespielt". NIE erzählte er von Buchstaben oder Zahlen. Die schien es in seiner Schule nicht zu
geben. 
Der plötzliche Wegfall der täglichen ErzieherInnen-Briefings, die man aus Kitazeiten gewohnt war, machte mir ein bisschen zu schaffen.
Kind geht morgens ins Klassenzimmer, kommt nachmittags wieder raus und man hat NULL Ahnung, was dazwischen passiert ist. Es sei denn, es erzählt davon, was leider nicht so oft passiert. Also nicht, dass er selten oder wenig erzählt. Es passt aber leider nicht immer zu dem, was an dem Tag wirklich passiert ist. Entweder ist es an einem völlig anderen Tag passiert oder in seiner Fantasie. 
Manchmal erzählt Herr O. Dinge wie "heute war ein SEK-Team auf dem Schulhof" oder "Die Putzfrau ist voll gemein". Vielleicht war das SEK ja wegen der Putzfrau da, aber sicher bin ich mir bis heute
nicht. Verläßlich ist allerdings die Berichterstattung über den Pausenkick, der mal mit oder ohne Viertklässler stattfindet und manchmal auch gar nicht, weil der Ball beschlagnahmt wurde. Die Gründe für die Beschlagnahmung des Klassenballs sind so undurchsichtig wie der morgendliche Herbstnebel. ER war zumindest nie schuld. Behauptet ER.
Kurz vor den Herbstferien gab es so eine Art Lichschweif am Horizont. Er schrieb selbständig Wörter: "TOA" und "SEG".
Kleiner Tipp: Nur ein Begriff hat was mit Fussball zu tun.


Ach ja, der Fußballverein

Die Zeit war reif. Der Junge musste endlich in einen Fussballverein. Fand er schon lange und fanden wir dann auch irgendwann. Kurze Umfrage bei befreundeten Eltern und ein Verein war gefunden.
Dort sollte Herr O. dann auch gleich zum Probetraining vorbei kommen. Flugs hatten wir ein paar Sportklamotten in die Tasche gepackt und machten uns auf zum Trainingsplatz.
Doch was war das? Niemand da! Da wir noch nicht Mitglied in der Bambini WhatsApp-Gruppe waren, hatte die Nachricht vom Trainigsausfall uns nicht erreicht.
Herr O. nahm es sportlich und kickte dann einfach mal ne Stunde mit irgendwelchen zufällig anwesenden Jungs.
In der Zwischenzeit ist er angemeldet und trainiert fleissig mit den Bambinis des Post SV. Samstags morgens spielen die Kids gegen Vereine aus der näheren Umgebung. Sehr früh! Teils trifft sich der Mutti-Papi-Onkel-Geschwister-Fussballkinder-Pulk schon um 9:00 Uhr. Der Platz ist noch leicht gefroren und wenn man nicht freiwillig Bälle schleppt, Laibchen verteilt oder Aufwärmungen vormacht, frieren einem die sommerverwöhnten Füße ein.
Nach anfänglichen Kanter-Niederlagen (4:18 und 0:16) gelang den Gelben am vergangenen Samstag das erste Unentschieden. 4:4 nach 3:4 Rückstand und ratet mal, wer das Ausgleichstor geschossen hat? Klar sind die Muttis vor Stolz geplatzt.


Drachenfels

Als an Frost, Nebel und trübe Wintertage noch keiner zu denken wagte, verbrachten wir einen fantastischen Tag am und auf dem Drachenfels bei Königswinter. Unsere lieben Freunde aus Köln hatten uns diesen Tag zur Hochzeit geschenkt und Herr O. hatte sich nach langer qualvoller Auswahl zwischen Römerpark Xanten und Drachenfels für eben jenen entschieden. Ich kenne den Klassiker unter den Ausflügen noch aus Kindertagen und war gespannt, wieviel Siegfried-Romantik wohl verblieben war. Also... wenn man nicht weiß, dass es da eine Sage gibt, in der ein Mann einen Drachen tötet. Dass das ganze ein Kernelement deutscher Romantik ist, ebenso wie der romantisch verklärte Blick auf den Rhein und das Siebengebirge um einen herum, man könnte es tatsächlich übersehen. Macht man die Augen ganz weit auf, sieht man Scharen von Touristen aus aller Welt, hört alle möglichen Sprachen, und drängelt sich in der hochpolierten Drachenfelsbahn auf den "Gipfel", wo man wiederum im Multi-Kulte-Gewühl einen Platz an der Panoramablick-Front zu ergattern versucht um in der Ferne den Dom zu erahnen. Der Kölner und die Kölnerin findet den Dom selbstverständlich auf anhieb. Den Indern, Amerikanern und Spaniern um uns herum schien unser Expertengespräch völlig kalt zu lassen. Von der Romantik der Location blieb bei Schnitzel aus Plastikschalen höchstens ein Hauch Klassenfahrtsromantik, aber auch dieser Hauch kann verzaubern. 
Das Gute daran: Den Kindern ists egal. Denen hat es einen Riesenspass gemacht. Irgendwo haben wir dank unserer erfahrenen Reiseführer auch noch eine Stelle im Gebüsch gefunden, wo Siegfried angeblich mit dem Drachen gekämpft hat. Bei Limo, Pommes und Eis ist die Welt für Kinder sowieso in Ordnung. So ganz falsch ist diese Behauptung ja auch in der Erwachsenenwelt nicht und da wir echtes Drachentöter-Wetter hatten, waren wir auch super happy am Ende des Tages. 


Mutti macht was

Mutti macht jetzt Yoga, war auf einer Podiumsdiskussion zum Thema "Künstliche Intelligenz" und war auf einem Konzert von Peter Licht in Köln. Das ist alles großartig, der Bericht muss aber noch ein bisschen warten, denn jetzt geht mir die Schreib-Puste aus. 

Donnerstag, 27. September 2018

Sechs

Der sechste Geburtstag ist für die meisten Kinder der letzte, den sie gemeinsam mit ihren Freundinnen und Freunden in der Kita feiern und sich dabei noch mal schwer bewußt werden, dass sie nun bald in die Schule kommen. Da Herr O. nur ein paar Tagen vor dem Stichtag geboren wurde, zählt er zu den wenigen Kindern, die mit 5 Jahren eingeschult wurden und in den ersten Wochen der Grundschulzeit ihren 6. Geburtstag feiern. 


Ich persönlich fände es für alle Beteiligten besser, wenn man den Stichtag so wählen würde, dass zumindest alle Kinder, die schulpflichtig sind, am ersten Schultag 6 Jahre alt sind. Aber ich bin ja nicht das Schulamt oder das Erziehungsministerium von NRW, und ganz ehrlich, ich bin auch sehr froh darüber, das nicht zu sein.

Herr O. lud eine Menge Freunde und ein Mädchen ein, die dann aber leider nicht kommen konnte, so dass die wilde Schar der Geburtstagsgäste aus 10 energiegeladenen Jungs bestand, die nichts besseres vorhatten als Ginos Kinderland auf eine harte Probe zu stellen. Rennen, brüllen, klettern, schreien, toben, raufen, kreischen, balgen - zwischendurch mal einen Schluck trinken, Kuchen essen und wieder rein ins Gewühl. Drei Stunden ging das so, bis die jeweiligen Eltern ihre verschwitzten, rotbackigen Raubtiere wieder einfingen.


Unser Großer war am Abend ganz schön abgekämpft, mußte aber unbedingt zu Hause noch jedes einzelne Geschenk ausführlich bestaunen, durchblättern, ausprobieren oder aufbauen. Zeit, zurückzuschauen auf ein Jahr voller turbulenter Ereignisse blieb da nicht. In den Augen eines frisch gebackenen Sechsjährigen ist die Vergangenheit aber auch Pillepalle. Für ihn zählt nur das nächste Spieldate mit seinen Freunden, das nächste Fussballspiel oder der nächste Anlass zu dem man sich all das wünschen kann, was diesmal keinen Platz mehr auf dem Wunschzettel fand.

Seit deinem letzten Geburtstag 

  • Bist du erst mal ein Vorschulkind geworden, das zunehmend selbstbewußter und eigenverantwortlich seinen Kita-Alltag gemeistert hat.
  • Du hast dich entschieden, deinen Schwimmkurs fortzusetzen. Jetzt schwimmst du sicher im tiefen Wasser, traust dich auf große Wasserrutschbahnen und springst mit Freude vom 1m Brett.
  • Du hast am Hockey-Training teilgenommen und bist begeistert ins Fußballcamp gegangen.
  • Deine Leidenschaft für das Thema "Römer" ist geblieben und du hast ein enormes Wissen zu diesem Thema angehäuft. Deine Sammlung an Römer und Ägypter-Figuren ist wahrscheinlich bald museumsreif.
  • Du hast den Abschied aus der Kita gut verkraftet und bemühst dich, zu all deinen Freunden aus Kita-Zeiten weiterhin Kontakt zu halten.
  • Du hast gelernt mit deinem kleinen Bruder mächtig Spass zu haben und in ihm nicht mehr nur das Baby zu sehen - das er längst ja nicht mehr ist.
  • Du bist ein großer Fussballfan geworden und warst sogar schon einmal im Stadion und hast ein richtiges Bundesliga-Spiel (Fortuna gegen Hoffenheim) gesehen.
  • Du hast deinen ersten Milchzahn verloren
  • Du machst uns allen ganz viel Freude 


Freitag, 7. September 2018

Einschulung


Heute vor einer Woche war es endlich so weit: Herr O. wurde eingeschult. Was – sieht man es schwarz auf weiß geschrieben – ziemlich nüchtern aussieht, ist heutzutage ein Wahnsinnsevent und man muss sich ganz schön am Riemen reißen um nicht in den Sog der Eventisierung zu gelangen.

Auch hier gibt es nichts, was es nicht gibt: Tischdeko, Wimpel, Einladungs- und Gratulationskarten, Geschenke, Erinnerungsbücher, Bücher mit dem Titel „Mein (oder Max‘ oder Conny’s oder Häschens oder …) erster Schultag, Schokolade in Buchstabenform, die Playmobil-Sonderedition „Schulhaus“ mit Ergänzungszubehör „Turnhalle“. Für kleinere Geschwisterkinder gibt’s die passende Geschwisterschultüte und die Playmobil-Kita.

Für die Eltern gibt’s einfach jede Menge Stress, das alles zu organisieren bzw. die Familie und Freunde vor dem Kaufrausch zu bewahren.
Da man aber selber permanent gefragt wird, was man denn zur Einschulung plane oder was man dem Kind denn schenken könne, fällt es schwer, sich aus den Strängen des Kaufwahns zu befreien.
Die Geschäfte sind ja auch nicht ganz blöd. Da sie wissen, dass die Eltern in den Wochen vor der Einschulung scharenweise in die Schreibwarenabteilungen einfallen, um die vorgeschriebenen Artikel für den Schulranzen zu kaufen, drapieren sie den lustigen aber völlig unnützen Schnick-Schnack unübersehbar dazwischen. Radierer mit Fussball-Motiven, Brotdosen mit Dinosauriern, Trinkflaschen mit Feen und Mäppchen mit Einhörnern. Ach so, das war alles schon auf der Pflicht-Liste? Na dann eben noch Spielsachen, Spielsachen und Spielsachen.

Die Krönung ist dann die selbstgebastelte Schultüte. (Selbst = von Mama). Da habe ich gestreikt. Herr O. wählte ganz pragmatisch eine von amazon mit Fussball-Motiv aus und das Thema war erledigt. Der Junior bekam dann die gleiche Tüte als Miniversion, und die füllte ich dann beide am Abend vor der Einschulung mit allerlei süßen Leckereien, ein paar Legofiguren, einer neuen Fahrradklingel, einer Brotdose für die Schule und einem Brustbeutel.



Da wir schon um 9:00 Uhr zum Einschulungsgottesdienst in der Kirche sein mußten, blieb am Morgen wenig Zeit für Aufregung. Die Großeltern gesellten sich zu uns und dem kleinen Herrn O. und der stolze Erstklässler nahm in den vorderen Reihen Platz im Kreise seiner neuen Klasse, der 1B.

Es wurde viel gesungen (Chor, Pfarrer, Lehrerinnen), ein bisschen geheult (Eltern) und viel geredet (der Pfarrer, der es sehr gut meinte). Dann zogen die Erstklässler mit ihren Lehrerinnen aus der Kirche aus und gingen ohne die Eltern zur Schule, wo sie erst mal eine Stunde „Unterricht“ hatten. Für Eltern, Großeltern, Paten, Geschwister und das ganze andere Gesocks gab es Kaffee und Kekse auf dem Schulhof. Dargereicht wurden die Leckereien vom Förderverein, dessen Vorstände nicht davon ablassen konnten, mit Sammelbüchse und Antragsformularen durch die Reihen zu schreiten.
Nach einer guten Stunde kamen die Erstklässler wieder auf den Schulhof und zum Abschluss ließen alle Kinder einen Luftballon steigen. Dann durfte endlich die Schultüte geplündert werden.
Wir spazierten dann langsam zum Italiener und aßen dort im Kreise von vielen weiteren frisch eingeschulten Kindern und ihren Familien Pizza und Pasta.

Der Tag muß sich für unseren Großen angefühlt haben, wie für einen Erwachsenen die eigene Hochzeit. Maximale Aufregung und dann weiss man am Ende nichts mehr so ganz genau – ausser, dass man irgendwann leicht betrunken im Bett lag und nicht mehr piep sagen konnte.
Herr O. war selbstverständlich nicht betrunken – wachte aber mitten in der Nacht bauchschmerzgeplagt auf und verlangte nach einem Notarzt. Nachwirkungen von zu viel Gummibärchen und Lollies. Zum Glück wirkte die gute alte Wärmflasche schnell und er konnte am nächsten Morgen gut gelaunt und schmerzfrei seinen Schulranzen schultern und seinen allerersten richtigen Schultag erleben. Damit ging der „Ernst“ des Lebens dann so richtig los.


Dienstag, 21. August 2018

Gedankenkreisen

Es gibt nicht nur eine blaue Couch (einer der von mir gehörten Podcasts), es gibt auch eine blaue Stunde.
Hierzu passend findet man im Netz den "Dämmerungsrechner" (Dämmerungsrechner - "Blaue Stunde / Goldene Stunde Tabelle ...mit einer "Blaue Stunde Tabelle".
Warum heisst es im Link eigentlich "Goldene Stunde"???
Schaut man dort nach, stellt man fest, dass es sogar zwei blaue Stunden am Tag gibt. Was dann auch nicht wirklich verwundert, wenn man mal nachgooglet, was das überhaupt ist.
Die Blaue Stunde gehört zu meinen Lieblingsentdeckungen der letzten Wochen. Sie hat so was Verwegenes. Davon gibts in meinem Leben aktuell nicht so wahnsinnig viel. So richtig verwegen wäre jetzt die Blaue Stunde mit einer Prise Blauen Dunstes und blau-schimmernden alkoholischen Getränken am Blauen See zu genießen. Aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass ich mir das noch ein bisschen aufbewahre und vorerst nur Balkonbierchen in glasklarer (hüstel), kühler (doppel-hüstel) Abendluft vor mich hinnuckel und dabei den waghalsigen Flugmanövern der Fledermäuse zuschaue.

Eine weitere Entdeckung dieses außerirdischen Sommers ist der "Einschlafen"-Podcast. Hier erzählt jemand so eintönig von langweiligen Themen, dass man selbst bei größter Schwüle und weggestrampelter Bettdecke, siehhhpenden Mücken, giggelnden Gartenpartybesucherinnen und umherwandernden Drillgerüchen doch noch irgendwann seinen total aber sowas von wohlverdienten Schlaf findet. 
Bis dann spätestens um 3 Uhr ein Kind vor einem steht und quäkt, dass es nicht schlafen kann, weil es doch so heiß ist.
Im neusten Einschlafenpodcast gibt es übrigens einen Irland-Reisebericht von einem Erzähler, der nie in Irland war. Ich habe noch nicht gehört, aber ich werde davon berichten.

Zu gut finde ich den neuen Jörg Thadeusz Podcast von WDR2. Den Montalk gibts ja nicht mehr (heul) und er labert jetzt am gleichen Sendeplatz mit Gästen, die alle mindestens schon einmal im Montalk waren. Macht aber nichts. Ist immer höchst amüsant, so dass ich dann meist ziemlich lange wach liege und gebannt zuhöre, was die Gäste so berichten.

Neu in meiner Podcast-Liste sind "Hotel Matze" und "Deutschlandfunk Nova".
Matze ist so Typ Kumpel, der vor sich hin plaudert und es sich mit seinen Gästen gerne gemütlich macht. Nett anzuhörende Gespräche über dies und das. Nervig ist die immer gleiche Werbung für alkoholfreies Heineken, die er am Anfang immer selber vorliest. Klingt für mich ein bisschen künstlich, aber hat mich trotzdem neugierig gemacht. Heineken 0,0 wird demnächst einer ausführlichen Rezension unterzogen.
Deutschlandfunk Nova hat Themen wie "Schnaps und Leidenschaft für Europa" oder "Fehler sind komplexer als die Liebe". Hier lernt man Menschen kennen, die in den herkömmlichen TV-und Radio-Talkshows nicht auftreten. Ziemlich schräge Typen, aber warum nicht eine Prise Inspiration für das bevorstehende Träumchen, damit es auch mit dem Schlaf gut klappt?

So, die Mutti muss ins Bett und Podcasts hören. 

Montag, 23. April 2018

Ich glaub, ich bleib dann einfach mal sitzen

Die vergangene Woche war mit Highlights nur so gespickt. 

Erstens: Dieser unglaubliche Sommereinbruch. Was fällt diesem Wetter eigentlich ein? Wochenlang schien es nichts anderes als grau und kalt zu können und dann plötzlich legt jemand den Schalter um klickt einer auf "supersommersonnenschön". Meine tiefgefrorene Stimmung der vergangenen Wochen war im Nullkommanix ins Gegenteil verkehrt und all diese sommerlichen Attribute ploppten an die Oberfläche: Tatendrang, Kraft, Freude, Ausdauer, Leichtigkeit, und was da sonst noch so aus dem breiigen Sumpf ans Licht wollte.

Zweitens: So entschied ich mich - voller Tatendrang - zu einer Radtour nach Neuss. Musste eh hin, Teamevent. Waren ja auch nur 12 Km. Eine Distanz, die mir vor 6 Jahren noch ein müdes Lächeln abgerungen hätte. Aber die Zeiten sind vorbei und ich kann auch einer Radfahrt nach Neuss viel Schönes abgewinnen. 
Das Teamevent sollte tun, was Teamevents üblicherweise so tun, uns einander näher bringen. Als Mittel zum "Näherbringen" hatte man allerdings vollkommen auf alkoholische Getränke verzichtet und sich stattdessen für die Kunst entschieden. So widmete ich mich einen wunderbaren Frühlingstag lang in Neuss' ältestem Haus ein paar Mal- und Bastelarbeiten. Es hat richtig Spass gemacht und ich konnte frisch inspiriert über den Rhein zurück nach Düsseldorf radeln. Der von mir gefertigte Portemonnaie Prototyp wird wahrscheinlich ganz knapp am Red Dot Designaward vorbeischrammen, und das im Stil Gerhard Richters gestrichene Farbpotpourri auf Holztafel könnte mal....ach ja. WTF

Drittens: Wobei ich beim nächsten Highlight der Woche wäre: Benjamin von Stuckrad Barre las aus Remix 3 im Düsseldorfer Zakk. Lange nicht mehr abends in Sachen Kultur unterwegs gewesen. Hatte völlig verdrängt, dass man in Düsseldorf gerne Kölnwitze macht und mußte mir da erst mal ein dickes Fell zulegen. Stucki war nämlich am Vortag in Köln aufgetreten und ließ keine Gelegenheit ungenutzt, seine Kölnerlebnisse breit zu treten. 
War aber trotzdem gut. Beinahe hätte ich "geil" geschrieben, aber so ganz dieser Altersgruppe zugehörig, die dieses Wort ungestraft benutzt, fühlte ich mich nach Studium der Zuhörenden dieser Lesung nicht. Gefühlt konnte ich aber noch gut 80% Zugehörigkeit in mir nachspüren. Um dem Schmerz über den Verlust der 20% etwas entgegenzusetzen,wählte ich einen Platz ganz nah an der Theke, so dass ich auch während der Lesung unbemerkt Biernachschub organisieren konnte. "Unbemerkt" war aber an diesem Abend nicht so wichtig, wie ich schnell feststellte. Irgendwie wollte jeder auffallen und dem sich an sich selbst aufgeilenden Stuckrad Barre - was man aber nicht anders erwartet hatte - als besonders cool oder crazy oder werweisswas irgendwie besser als die Kölner ? zu erscheinen. Dass auf Stuckrad Barres Aufforderung auf die Bühne zu kommen und dort mit ihm zu rauchen gleich 8 Menschen aus dem Publikum angerannt kamen und sich eine Zigarette ansteckten war noch irgendwie ok, aber dass 3 von ihnen fast eine Stunde dort sitzen blieben und sich dem Autor anbiederten, irritierte mich doch.

Unter ihnen diese Pärchen, das Stuckrad Barres Eskapaden in seinem letzten Buch Panikherz nacheiferte oder seinem Charme dermassen verfallen war,
dass ihr Gebarden an 16-jährige Teenagermädchen auf einem Take That Konzert erinnerte.
Ich zumindest kam aus dem Fremdschämen nicht mehr heraus und mußte mir erst mal noch ein Bier holen, während er versuchte, zwei Zigaretten gleichzeitig 
anzuzünden und derweil auch noch seine musenmäßig auf dem Bühnenboden kauernde Begleitung und den Autor selber zu bestaunen. 

Zum Glück gelang es Stuckrad Barre diese beiden Wesen für einen kurzen Moment von der Bühne zu schütteln, doch bei nächster Gelegenheit kraxelte er 
zurück an den Ort der Selbstinszenierung. Diesmal wollte er unbedingt Teil des großen ganzen Gruppenfotos der Gucci Gang werden, welches man
mitlerweile auf Instagram bestaunen kann. Ich blieb dann - angelehnt an den Buchtitel- erst einmal sitzen und  entschloß mich, das Getue und Gehabe
der Instagram-Genaration zu belächeln. 
Stucki übergab seinen Körper dann noch der johlenden Menge kreischender düesseldorfer Influencer Girls, und probierte Stagediving.
Ohne die muskelpepackten Boyfriends besagter Girls wäre wahrscheinlich sogar Stuckrad Barres federleichte Hülle auf den Boden der Tatsachen geplumst,
aber auch der moderne Mann kann nicht "nein" sagen, wenn es eine Chance gibt, den Frauen zu imponieren.
Stuckrad Barre las dann noch ein bisschen aus seinem Buch - ja wirklich. Dann sangen wir noch alle zusammen ein Lied von Robbie Williams (Angels) 
und von den Toten Hosen (Alex) und fühlten uns unheimlich unbesiegbar. Campino is great, Köln doof und Frau Böttinger hatte gewiss schon hellere Momente als diesem einen Abend im Kölner Treff, an dem sie Stuckrad Barre fragte, warum denn in seinem Buch kaum Frauen vorkommen. Ich habe meine Zweifel, ob Stucki und Betty noch eine große Freundschaft bevorsteht, aber im deutschen Popliteraten und Medienschaffenden Universum weiss man ja nie.




Freitag, 13. April 2018

Kurzurlaub in Zandvoort (NL)

Nach langer Zeit mal wieder Holland. 
Vier Tage im Centerpark Zandvoort verbracht. Direkt nach der Ankunft spazierten wir zum Strand und genossen die Nachmittagssonne. Die Wellen rauschten sanft an den Strand und der Wind hielt sich vornehm zurück. Dafür schien die Frühlingssonne um so ambitionierter in unsere winterblassen Gesichter. Fish & Chips, ein kühles Bier für die Mamas und Limo für die Jungs - was für ein Traumstart in den Kurzurlaub.

Leider blieb es bei dieser Stippvisite des Frühlings und an den beiden folgenden Tagen mussten wir uns mit einem Mix aus grau und Sprühregen begnügen.
Dennoch genossen wir die Zeit und


  • besuchten den Centerpark eigenen Streichelzoo
  • planschten im Schwimmparadies
  • erwarben ein paar holländische Köstlichkeiten
  • assen Fischbrötchen
  • sammelten Muscheln am Strand
  • beschlossen, wiederzukommen.




Freitag, 16. März 2018

Krankenzeit

Nachdem wir Karneval und den Geburtstag des Kleinen Herrn hinter uns gebracht hatten, wurden wir alle krank. Nicht gleichzeitig sondern schön einer nach dem anderen. Ich durfte sofort nach Rosenmontag flach liegen, Tee trinken und tonnenweise Hustenbonbons lutschen. Zum Glück lief im TV das Olympia-Rund-um-Sorglos-Paket und mir entging für ein paar Tage keine einzige Medaillenentscheidung. Auf die Qualifikationsläufe im 2er Bob oder das Viertelfinale im Curing verzichtete ich dann aber doch und schaute mir die neue Staffel "Pastewka" auf amazon prime an. Nicht nachahmneswert.
Der Junior hatte seine Auszeit schon hinter sich und Frau O. beschränkte sich auf ein Wochenende. Blieb noch Herr O., der sich eine ganze Woche kitafreie Zeit gönnte und sich derweil auch noch von Oma und Opa verwöhnen ließ. Omas Möhrengemüse leitete dann schließlich die Wende ein und sorgte für eine reibungslose Genesung. So eine Männergrippe verlangt manchmal ihre ganz eigenen Heilmethoden.

Insgesamt waren dies ein paar Wochen, in denen unser durchgetakteter Alltag ganz schön auf dem Kopf stand. Termine mußten umgelegt oder abgesagt werden, ein paar Sachen blieben einfach mal liegen und dafür konnten andere wunderbar erledigt werden. So konnte ich mal ein paar Unterlagen sortieren und die heißgeliebte Steuererklärung vorbereiten, ein neues Fotobuch entstand und die Kleiderschränke der Jungs sind von zu kurzen Hosen und zu engen Pullis befreit. Die Herausforderung "Homeoffice mit krankem Kind" klappt mitlerweile richtig gut - auch wenn ich mich manchmal frage, wieviel Medienkonsum noch vertretbar ist. 

Inzwischen kennen selbst meine Offshore-Kollegen in Indien die Stimme unseres Großen. Ob sie "Mama, ich muss mal Kacka" verstehen, möchte ich allerdings nicht wissen.
Ein Highlight dieser Wochen war, dass wir die Bestätigung für die Annahme an unserer Wunsch-Grundschule bekommen haben. Herr O. darf sich ab jezt darauf freuen, mit ein paar seiner besten Freunde auf die selbe Schule zu gehen. Der Schulranzen ist auch schon gekauft. Zum Entsetzen von Herrn O. gab es keinen Ranzen mit dem Motiv "Römer". So wählte er alternativ einen mit "Fussballer"-Motiv.

Am 30. August ist sein erster Schultag, aber im Moment fühlt sich das noch gaaaanz weit weg an.