Sonntag, 12. Mai 2013

Essen, Schwimmen, Welt entdecken

Vier mal waren der junge Herr O. und ich mittlerweile beim Babyschwimmen. Beim ersten Mal war ich sehr aufgeregt, da ich nicht wußte, was mich erwartet. Würde er beim ersten Kontakt mit dem Wasser Panik bekommen und laut schreien? Hält die Schwimmhose dicht? Wird er sich mit schlimmen Krankheiten infizieren und fiesen Ausschlag bekommen?
All meine Befürchtungen waren unbegründet. Herr O. liebte das Wasser, genoß es, sich von mir in allen möglichen Körperlagen durch das Wasser ziehen zu lassen, und strahlte, als wir zusammen mit den anderen Kindern und ihren Vätern Lieder sangen. Es waren einfach alles nur Väter dabei, behaarte Männer mit und ohne Brille, die erstaunlich textsicher durch die Willkommenskreis-Lieder manövrierten.

Die Schwimmhose ließ nichts sichtbares ins Becken entgleiten und nach viert Monaten Erfahrung konnte ich keine auffälligen Hautirritationen bei unserem Sohn feststellen.
Leider haben wir jetzt ein paar Wochen feiertags- und urlaubsbedingte Pause, aber im Juni starten wir dann wieder durch.

Noch viel mehr Spass als Schwimmen macht ihm Essen. Von pürierten Möhren ohne Alles haben wir uns innerhalb von acht Wochen auf Möhren mit Kartoffeln, Möhren mit Nudeln, Süßkartoffeln, Erbsen mit Kartoffeln, Spinat mit Kartoffeln, das ganze mal mit Fisch, Hühnchen oder Rindfleisch gemixt gesteigert. Nach der Morgen-Flasche gibts noch einen Hirsebrei mit Obst und nachmittags nimmt er einen Hirsebrei mit Milch zu sich. Kuhmilch wurde nach sieben Monaten also auch erfolgreich eingeführt. Die verschiedenen Breie werden selbstverständlich alle frisch, von Hand und mit einer Riesenportion Liebe zubereitet und er dankt es uns mit großem Appetit. Manchmal sogar beängstigend großem Apetit, aber wenn das Kind erst mal krabbelt, dann geht der Speck ganz schnell weg. Sagt man. Einmal pro Woche mache ich eine große Schnibbel-Koch-Pürier-Aktion und verwandle unsere Küche in ein Baby-Gourmet-Kochstudio. Dank unseres Pürierstabs von Philipps und dem Sparschäler vom Kodi mit Keramikklinge (vergesst IKEA und erst recht WMF) werden 7-8 Portionen Brei im Akkordtempo produziert. Gläschenkaufen kann ja jeder.
Auch bei der Kleckerprofilaxe während der Essensvernichtung sind wir in der Zwischenzeit nahezu perfekt. Stofflätzchen sind schon lange aussortiert und auch das abwaschbare Lätzchen mit Ärmeln kriegt kein Foto mehr. The Winner is:

Man darf nur nicht vergessen die Auffangtasche regelmäßig zu säubern, sonst hat man außer Brei auch noch den Salat.

Welt entdecken
Ob Kolumbus bei seiner Entdeckungsfahrt auch nach dem Prinzip vorgegangen ist: Alles, was ich sehe, stecke ich in den Mund? So zumindest macht es unser kleiner Entdecker. Nichts ist mehr sicher vor seinen kleinen Fingerchen, und was einmal darin landet, wandert auch früher oder später in den Mund. Da sich dort seit ein paar Tagen zwei scharfe kleine Zähnchen befinden, beschränkt sich Herr O. auch nicht mehr nur aufs Ablecken. Es wird auch gerne mal eine Kerbe egefräst oder ein Sauger angeknabbert. Vielleicht können wir ihm ja bald das Fahrkarten-Abknipsen beibringen.
 

Montag, 6. Mai 2013

International Family Equality Day

Wir waren dabei und es war prima!


Dienstag, 30. April 2013

Sieben Plus

Ja, kaum zu glauben, der kleine Mann ist jetzt schon sieben Monate und eine Woche alt. Es gibt so viel zu tun, dass ich gar nicht mehr zum Bloggen komme. Deshalb für alle Interessenten und Mitleserinnen ein kurzes Update:

Was alles passiert ist:

  • Seit gestern kann man den ersten Zahn sehen und ertasten. Er wühlt sich links unten ( von uns aus) durchs Zahnfleisch.
  • Herr O. nimmt drei Breimahlzeiten pro Tag zu sich. Er isst Süsskartoffeln, Spinat, Erbsen und Möhren, Kartoffeln und Nudeln, Obst, Getreide und seit 2 Tagen sogar Kuhmilch.
  • Er genießt das Babyschwimmen jeden Sonntag um 9.00 Uhr und ich genieße die freie Fahrt auf Düsseldorfs Strassen um diese Uhrzeit
  • Er schläft seit Ostern im eigenen Zimmer und seit dem schläft er durch und auch die Mamas. Psssst....nicht zu laut sagen, sonst überlegt er sich noch, das zu ändern
  • Akku-Schrauber gekauft für Mama Bu's Pläne (s.unten)
  • Antrag auf Elterngeld und Elternzeit eingereicht
  • 2 Wochen Urlaub bei Opa in Irland gebucht


Was alles nicht passiert ist:

  • Ich habe meine Steuererklärung nicht fertig bekommen, aber immerhin angefangen 
  • Die Billy-Regale sind immer noch nicht an der Wand befestigt
  • Kleiderschrank fürs Kinderzimmer noch nicht gekauft und Spielzeugtruhe noch im Karton.        
  • Sperrmüll bestellt 
  • Dramen, Katastrophen, mein Frisurdesaster hat mir nicht die gute Laune verdorben


Freitag, 29. März 2013

Notar, die Zweite

Gestern mal wieder beim Notar gewesen. Diesmal bei einem sehr netten, der keine doofen Fragen gestellt hat und wusste, was wir bei ihm wollten.
Das klingt jetzt so, als wenn wir regelmäßig Notarbesuche auf unserer Agenda stehen hätten. Dem ist natürlich nicht so. Aber wenn man beim ersten Versuch, die Adoption von Herrn O. zu beantragen, so abweisend und verständnislos behandelt wird, wie uns das vor ein paar Wochen bei Herrn Dr. P passiert ist, muss man sich halt weiter durch den Dschungel derJuristerei dieses Landes kämpfen.
Unser Neuer, der Herr Dr. R. hat eine hübsche Kanzlei, viele nette Mitarbeiterinnen, die ihn umschwirren und einen schicken Anzug, der ungefragt beim Kaptainsdinner auf dem Traumschiff durchgehen könnte. Wie Notare das so machen, las er unseren Adoptionsantrag sorgfältig vor und belehrte uns freundlich über Dinge wie "einmal Eltern, immer Eltern" und "dazu gehört auch die vollständige Verwandtschaft Ihrer Seite, Frau B.". Natürlich war mir das alles bewusst, aber in einem so öffentlichen Rahmen ist es dann doch noch mal einen Tick ernster und für einen Sekundenbruchteil durchzuckte mich dieses Gefühl, das ich immer habe, kurz bevor ich einen bedeutungsschweren Vertrag unterschreibe. Sei es Hauskauf, Hochzeit, Auto - man meint, das Leben ändere sich mit einer einzigen Unterschrift.
Tut es ja auch - zum Glück waren es bisher immer die richtigen Entscheidungen und mein Leben wurde bereichert.
Selbstverständlich habe ich den Adoptionsantrag ohne zu zögern unterschrieben. Herr O. sass auf meinem Schoß und verfolgte aufmerksam, was seine beiden Mamis da taten und schien mit allen Vorgängen einverstanden zu sein. Jetzt geht der Antrag ans Amtsgericht und wir warten darauf, dass das Jugendamt seine Zustimmung gibt und auch ich offiziell, auch vor dem Gesetz, die Mutter von Herrn O. bin.

Samstag, 23. März 2013

Unbekanntes Futtertransport Objekt

Es hat sicher schon schlechtere Bomben-Attrappen in deutschen TV-Krimis gegeben als diese hier. Dabei handelt es sich hier um einen Behälter, in dem man warme Speisen warm halten kann. Eine Art Mini-Thermoskanne. Wir nutzen das Objekt für Herrn O.'s Brei . denn auch in einer zivilisierten Welt ist nicht immer und überall eine Mikrowelle zur Hand.

Dienstag, 12. März 2013

PEKIP

Vor einer Woche fragte ich meinen Schatz: "Sag mal, was hältst du davon, wenn ich mir nächsten Montag frei nehme?" "Wunderbar", entgegnete Schatz, "dann kannst du ja mit unserem Sohn zur PEKIP-Gruppe gehen". Au weia, auf was hatte ich mich da eingelassen. Die Rolle der Feierabend- und Wochenendmutti war mir mitlerweile vertraut, die Bäckersfrau kannte mich mit und ohne Kind, nächtliche Wickel und Beruhigungsodysseen waren mir in Fleisch und Blut übergegangen. Doch jetzt auf einmal so richtig vollumfänglich die Mutti zu sein - neben ganz vielen anderen Vollblutmuttis und einer Expertin, die junge Muttis und deren Kinder zu ungelenken Bewegungen und peinlichen Liedern anstiftet. Und das dann auch noch alleine, also ohne Frau O. "Nicht ohne unseren Sohn" sagte ich still zu mir selber und beschloss Herrn O. von der Idee zu überzeugen, mich als seine PEKIP-Begleitmutti mit aller Kraft zu unterstützen und auf keinen Fall zu blamieren.
 
Das gute Wetter am Montag trug wesentlich dazu bei, dass ich trotz einer spürbaren Grundnervosität doch positiv gestimmt und in sonniger Laune mit dem Kleinen Herrn in der Tage richtung Geburtshaus taperte. Meine Frau schwebte grinsend neben mit her, hatte sie doch die Aussicht auf zwei freie Stunden ohne Babygeschrei an der wohlig wärmenden Frühlingssonne. Immerhin hatte ich ihr das Versprechen abgwinnen können, mich der PEKIP-Gruppe kurz vorzustellen, und mich in die wichtigsten Rituale und Verhaltensregeln der Gruppendynamik einzuweisen.
"Jede bekommt eine Matte, da legst du dann das Kind drauf. Die Sibylle* (*Name geändert, wie alle anderen folgenden auch) empfiehlt dann immer, die Kinder ganz auszuziehen, also auch die Pampers. Ich mache das nie, aber du kannst selber entscheiden, ob du das machen willst.
Hier ist die Tasche, da ist alles drin, was du brauchst, falls er mal macht, Durst oder Hunger hat, oder frische Klamotten braucht."
 
Ich fühlte mich an eine Sicherheitsbelehrung im Flugzeug erinnert, und dann rollten wir auch schon auf die Startbahn. Frau O. entschwand, Sibylle hiess mich sehr herzlich willkommen, die ersten PEKIP-Muttis mit ihren Kindern trudelten ein, Matten wurden hin-und her geschubst, Tonnen von Spielzeug in der Mitte des Raumes platziert und - trotz bereits saunahaften Temperaturen - die Heizstrahler eingeschaltet. Auch das war Teil meiner Sicherheitsbelehrung gewesen, aber ich hatte angesichts des aufstrebenden Frühlings nicht damit gerechnet, dass wir uns dieser Zusatzwärmequelle bedienen würden. Gehört wahrscheinlich zum PEKIP-Standart, wie das Schwimmwesten-Kapitel zu den Safety-Instructions, selbst wenn man kein einziges Gewässer überfliegt.
Lieselotte fragte mich als erste, ob ich nun Elternzeit hätte, dann kam Henriette und irgendwann fragten alle 8 Frauen zwischen Kinderausziehen, Matte mit heimeligen Decken und Stofftieren dekorieren, und sich selber klamottentechnisch den Temperaturen und anstehenden Aufgaben anpassend, tausende Fragen, von denen ich nur eine kleine Auswahl widerzugeben im Stande bin:
  • Hast du jetzt Elternzeit?
  • Wie teilt IHR euch denn die Erziehung des Kleinen auf?
  • Habt ihr euch denn einen Jungen gewünscht?
  • Ihr freut euch sicher über das neue Adoptionsrecht?
  • Wo ist denn deine Frau?
Zum Glück ging es dann irgendwann los mit einem Lied, das ich natürlich nicht kannte. Irgendwas mit Begrüßung und Trallala. Dann sagte jede, wie die letzte Woche war, und dann hat mich unser Sohn im hohen Bogen vollgepinkelt. Selber schuld, wenn man meint, mal alles anders machen zu müssen. Ich lernte aber prompt und zog ihm für die folgenden Übungen eine Pampers an.
Selber schuld, wenn man meint, mal alles anders machen zu müssen, als die Gattin das empfohlen hatte.
Herr O. fühlte sich sichtlich wohl und nahm sogar das von mir eigenhändig gebastelte, pädagogisch wertvolle Spielzeug mit Begeisterung an. Ich hätte ihm aber auch verziehen,
wenn er den in einen Bratschlauch eingehüllten gelben Plastikball verschmäht hätte.


Zum Ende der Stunde schnappten wir uns unsere Kinder (jede ihres) und stellten uns im Kreis auf. Hunde, Elefante, Katzen und Mäuse waren die Kernobjekte unserer Sing- und Tanzspiele, die wir in wechselnden Tempi und Schrittkombinationen ausführten. Auf den ersten Blick eine leicht zu lösende Aufgabe, im Fokus eines Heizstrahlers mit einem zappelnden Kind auf dem Arm wurde aus dieser Übung schnell eine sportliche Höchstleistung. Während meine Frau entspannt durch den Zoopark joggte, schwitzte ich richtig!


"....war ein großer Hund - Wau Wau!...und wieder von vorne..." dröhnte es an mein Ohr. "Clarissa, du hältst dein Kind falsch. Leg mal besser deine Hand hier hin."
Ohhh jehhhh, ich schwitzte. Und der kleine Kerl auf meinem Arm auch. Ihm wurde die ganze Hampelei auch langsam zu viel, oder es es war ihm peinlich, oder ich war ihm peinlich, egal, er quäkte immer lauter und dann schrie er. Das fiel aber nicht weiter auf, denn auch Harald, Detlef und Annemie schrien mitlerweile. Sibylle und Annegret hockten in einer Ecke und stillten und während ich noch meine Eindrücke sortierte war die Stunde auch schon vorbei. Sohn anziehen, Tasche packen, mich anziehen, Tschüß sagen (zu meiner Überraschung gabs hierfür kein Lied) und raus.
In unserem Stamm-Cafe trafen der mitlerweile selig schlummernde Herr O. und ich auf Frau O. und ich erzählte von meinen Heldentaten. Ein Lächeln, ein Capucchino und das Angebot, auch den nächsten PEKIP-Termin wahrnehmen zu können waren der Dank.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Gimmi Five

Seit Sonntag ist unser Sohn 20 Wochen alt. Ist er somit 5 Monate alt (also 20 / 4 = 5) oder wird er erst am 23.02. 5 Monate alt, weil er ja am 23.09. geboren wurde?
Wie rechnet man das jetzt korrekt? Diese Fragestellung mag je der ein oder dem anderen völlig übertrieben vorkommen, wenn man aber in diversen Apps und Büchern naschschlägt und die Fähigkeiten des eigenen Kindes mit den dort akribisch in Tabellen gelisteten altersgerechten Verhaltensweisen vergleicht, kann es schon mal sehr wichtig sein, ob das Kind jetzt noch für unter 5 oder über 5 Monate gilt.
Man könnte diese Tabellen mit Vergleichswerten natürlich getrost ignorieren und ausschliesslich letzte Sätze lesen. Darin steht nämlich regelmäßig, dass jedes Kind sein eigenes Tempo habe, und dass es überhaupt nicht aussagekräftig sei, wenn ein Kind sich mit 6 Monaten noch nicht auf die Seite drehen könne, oder ein Einjähriger noch nicht läuft. Ich bin genau so cool, dass ich diese Dinge immer so lange glaube, bis unser kleiner Held sie kann. Sobald er in etwas der Statistik
hinterher hinkt, überkommt mich eine innere Unruhe und ich suche so lange in anderen Büchern, Zeitschriften oder Apps nach Statistiken, die seinem Entwicklungsstand besser entsprechen. Mit der richtigen Statistik sieht die Babywelt dann auch gleich wieder rosarot bzw. himmelblau aus. Statistik hin oder her, in keiner einzigen Tabelle habe ich bisher Hinweise darauf gefunden, was Eltern in 5 Monaten alles gelernt haben können oder sollten.

Da es scheinbar keine brauchbaren Maßstäbe für die Entwicklung von Eltern gibt, versuche ich hier mal welche zu formulieren. Wenn das Kind 5 Monate alt ist, sollte man können:
  • Fläschchen einhändig zubereiten während das Baby auf dem anderen Arm schreit
  • Zäpfchen auch gegen Widerstände einführen
  • Möhren kochen und pürieren und der Versuchung widerstehen, dem eigenen Kind alles wegzuessen
  • Die halbe Welt bei ausverkaufter Babynahrung um Hilfe anflehen als ginge es um die Sofortmassnahmen am Unfallort
  • Kacke, Kotze und Spucke auf der eigenen Kleidung in der Öffentlichkeit völlig zu ignorieren
  • für eine sehr lange Zeit mir ganz wenig Schlaf auskommen
  • Online-Shopping zu allen Tages- und Nachtzeiten
  • Die eigenen Bedürfnisse nach Schlaf, Medien- und Alkoholkonsum und exzessiven Parties in die Zukunft zu verlegen
  • Total verrückte Ideen wie einen spontanen Berlin-Trip durch andere total verrückte Ideen wie Sushi-Taxi für 30 Euro auszutauschen
Das alles ist natürlich mit Vorsicht zu geniessen und trifft im Idealfall auch nur auf einen gewissen Prozenzsatz der Eltern zu.