Samstag, 1. August 2015

Kinderkunst


Freitag, 10. Juli 2015

Korsika - Teil II

Hier noch eine kleine aber feine Begebenheit aus dem Urlaub, die so kategorie-technisch nicht so ganz zu meinem Urlaubsbericht passt.

Zwischen all den Rentnern und Best-Agern schaffte es Herr O. tatsächlich, Kontakt zu Gleichaltrigen zu schließen. Parallel zu uns hielten sich grade mal sechs weitere Kinder in der Hotelanlage auf,  davon ein Baby. HL (Name gekürzt ;-) war die Dame seiner Wahl. 6-jährig und sehr eloquent. Ihre Eltern waren ähnlich begeistert vom „familienfreundlichen“ Hotel wie wir, und so kam man dann schnell ein bisschen Smalltalk-mäßig ins Gespräch. HL zeigte Herrn O. verschiedene Schaukeltechniken und animierte ihn zum Fußballspielen.
Am dritten Tag erklärte sie Frau O., dass Herr O. seiner Mutter (= mir, so ihre Annahme) total ähnlich sehe. Wir ließen das unkommentiert.

Am Abreisetag (wir flogen mit derselben Maschine zurück nach Köln) fragte sie mich kurz vor dem Boarding, wie alt ich sei. Nachdem ich mein Alter preisgegeben hatte, wollte sie wissen, wie alt denn „die da“ sei, und zeigte auf Frau O. Ob sie seine Mami meine, fragte ich. „Ne, die da, die Tante oder was die ist.“
„Das ist seine Mami“, sagte ich daraufhin. Die Verwirrung war HL deutlich anzusehen. Ich sagte ihr dann, dass Junior eine Mama und eine Mami hat. „Das geht doch nicht“, war ihre spontane Reaktion und  „doch, das geht“, meine.
Ich war zum ersten Mal in dieser Situation. Bisher hatte ich immer nur mit Erwachsenen über das Thema geredet. Da in unserem Umfeld alle Menschen durchschnittlich aufgeklärt und offen sind (oder wenigstens so tun), hatte ich auch noch nicht die wundervolle Aufgabe, jemandem zu erklären, dass es tatsächlich Kinder gibt, die zwei Mütter haben. Und wenn Fragen in diese Richtung kamen, dann verliefen die Gespräche völlig anders. Irgendwie mehr so pädagogisch-politisch-genderorientiert.
Aber was gab’s da schon groß zu erklären? Die Tatsachen standen ja vor dem Mädchen. Sie hatte uns nur bisher mit ihrem „Mama-Papa-Kind“-Filter wahrgenommen und war auf einmal völlig verwirrt,  dass es auch anders sein konnte. Ich glaube, die Tatsache, dass da zwei Frauen einen kleinen Jungen großziehen und sich ganz selbstverständlich als Familie geben, war in HL's Familie nicht thematisiert worden. Wundert mich auch nicht groß. Die kleine Dame schien ja prächtig mit uns klar zu kommen und alles ganz normal zu finden. Jetzt würden wir wahrscheinlich doch noch Thema ;-)
Leider ging dann auch schon das Boarding los und unsere Unterhaltung brach dadurch abrupt ab. Ob und was das Mädchen zu ihren Eltern gesagt hat, haben wir nicht mitbekommen. Schade.
Ich hoffe natürlich, dass noch spannende Gespräche zwischen den Eltern und der kleinen Tochter entstanden sind und dass wir jetzt eine aufgeklärte kleine Erdenbürgerin mehr haben.

Donnerstag, 9. Juli 2015

Rentner in Space

Wenn das Hotel schon die Sterne im Namen trägt und sich 90% seiner Gäste nach einer Schnelleinschätzung der Zielgruppe „Rüstige Rentner“ zuordnen lassen, kann man wohl getrost von „Rentnern in Space“ sprechen.
Das Hotel „Maristella“ in Algajola auf Korsika war für eine Woche unser ganz persönlicher All-Inclusive Hotspot. Ich habs ja nicht anders gewollt. Endlich einmal nicht darüber nachdenken, was man kochen könnte, damit alle glücklich sind (dabei sind wir nur zu Dritt), was man demzufolge einkaufen muss – und wie und wo man das dann auch noch alles erledigt. Ich bin schon in normalen Wochen gut ausgelastet, das ganze Haushaltsthema auf die Kette zu kriegen, warum dann auch noch im Urlaub ständig die Gedanken um To-do und to-shop Listen kreisen lassen. Einfach mal abschalten, sich an den gedeckten Tisch setzen, essen und trinken bis zum Abwinken und dem Sohn beim animiert-werden zuschauen.

Ha!
Wenn das mal alles so einfach wäre.

Ein großer Vor- (oder Nach)-Teil einer Pauschalreise ist, dass man seine Miturlauber oft schon bei der Gepäckaufgabe am heimischen Flughafen kennen lernt. Unser Sohn bekam von einem lustig grinsenden Rentnerpaar gleich mal ein Mamba zugesteckt, das ihn Verpackungtechnisch schon überforderte. In welcher Jackentasche das überwintert hatte, wollte ich gar nicht wissen. „Wie, er kennt das nicht?“, hörte ich die Frau ungläubig fragen. Sie hatte sichtlich Spaß daran, daß Herr O. grade genießerisch Neuland bekaute während seine Mamas bemüht waren, Haltung zu wahren. Bloß nicht den Eindruck erwecken, man verbiete seinem Kind Süßigkeiten. „Wir haben 10 Enkel“, lächelte es mir dann tiefenentspannt entgegen. „Oh jeh“, dachte ich. Die habens ja drauf.

Den Flug mit Germanwings verschlief unser Vielflieger-Sohn und wäre da nicht der waghalsige Landeanflug auf Calvi gewesen, ich würde den Flug überhaupt nicht erwähnen. Hätte der Pilot uns nicht zweimal herzallerliebst darauf hingewiesen, dass es völlig normal sei, mit dem Bauch des Airbus‘ die korsischen Bergrücken zu streicheln, ich wäre wahnsinnig vor Angst geworden. Das Team rund um den Kapitän gab sich so viel Mühe, Entspanntheit und gute Laune zu verbreiten, dass es fast schon wieder verdächtig wirkte.
Gut gelandet, Gepäck abgegriffen, vom professionell-sympathisch lächelnden Animateur begrüßt worden, ab in den Transfer-Bus, über die Küstenstrasse einmal hoch, einmal runter, Ankunft Hotel Maristella.

Es sah ganz genau nicht so aus, wie auf den Bildern im Internet. Irgendwie fehlte die positive Ausstrahlung einer familienfreundlichen Hotelanlage, die für eine Woche unsere Heimat sein wollte. Da standen kreisförmig angeordnete, zweigeschossige Häuschen, die mit dem Allernötigsten ausgestattet waren. Es gab eine schlicht gehaltene Bar, einen heruntergekommenen Kinderspielplatz und zur Begrüßung Trockenkuchen aus der Packung. Der im all-inclusive-Paket enthaltene Wein kam aus dem Zapfhahn und das Bier wurde aus 0,2l-Fläschchen eingeschenkt, deren Bodensatz das Thekenpersonal sammelte, um daraus dann jedes dritte Bier zu vervollständigen. 

Sparsamkeit wurde hier sowieso ganz groß geschrieben: 

- 2/3 des Obst kam aus der Dose (Ananas, Pfirsiche)
- Den Tisch mußte man selber decken (incl. Besteck).
- Kaffee und Zubehör (Milch, Zucker,…) mußte man selber zapfen zum Tisch tragen
- Die durchaus vorhandenen Kühlschränke und Kochmöglichkeiten in den Wohnungen waren  abgeklemmt und die Wasserhähne abmontiert.
- Internet stand nur im Bereich der Bar zur Verfügung

Der erste Eindruck war kein schöner. Wir wollten uns aber die Laune nicht verderben lassen und beschlossen, einfach das Beste draus zu machen. Immerhin war das Wetter traumhaft und der Strand gleich um die Ecke.  Das bezaubernde Örtchen Algajola lag 10 Minuten zu Fuß entfernt. In 5 Minuten hatte man ihn durchquert. Mit Buggy. Bergauf.
Ein paar Cafes, ein paar Eisdielen, die beste Burgerbude am Ort (weil einzige), ein Supermarkt und der Bahnhof. Der Bahnhof gehörte noch zu den Hauptattraktionen von Algajola, denn hier hielt ca. 5 mal am Tag der Zug, der zwischen Calvi und Ille Rousse hin-und her pendelte. Hätten wir auf unserem Ausflug nach Calvi einen Sitzplatz ergattert, könnte ich die Zugfahrt hier sicherlich als Highlight beschreiben. Aber was soll ich schon groß sagen, wenn man bei sengender Hitze mit seinem fast 3-jährigen auf dem Fußboden zwischen Flip-Flops und haarigen Beinen hockt?

Herr O. genoß die Fahrt dennoch sehr und noch viel mehr das anschließende ausgelassene Bad im Meer. Von „iehh“ und „laut“ und „Mama lieber Swimmingpool“ durchlief er ratzfatz eine Wandlung zum Wellenkönig, der selbst bei einer Ganzkörper-Salzwasserdusche nicht aus dem Gleichgewicht geriet.
Kinder sind auf faszinierende Weise dazu in der Lage, aus allem ganz einfach das Beste zu machen. Unser Junior hatte Spass ohne Ende– ganz gleich, ob man uns in der ersten Nacht den Ball klaute, oder die Katzen den Sandkasten auf dem Hotelspielplatz als Katzenklo beanspruchten.

Nur an einem Tag hatte er keinen Spass, da hatte er Fieber. Das „kranke Kind im Urlaub“-Thema hatte uns also auch ereilt. Rührend die Anteilnahme vieler Hotelgäste, die das mitbekamen und sich fleißig erkundigten, wie es ihm ginge. Was eine echte Oma ist, die leidet auch im Urlaub mit fremden Kindern. Es könnte sich ja eine Gelegenheit ergeben, Geschichten von den eigenen Enkeln zum Besten zu geben.

Für das Fieber und expressive Übelkeit gibt es sicher viele Ursachen – eine davon könnte eventuell auch die Sangesdarbietung des Hotel-Managers sein. Seite an Seite mit einer Johnny Walker Flasche säuselte er „Country Roads“ & Co ins Mikrophon und tat dies just zur Essenszeit, als es kein Entkommen gab.
Wir erfreuten uns an der Freude der anderen und tauschten mit den wenigen „jungen“ Urlauber-Familien entgeisterte Blicke aus. Man muß auch mal gönnen können.

Am Ende einer Woche All-Invlusive im Maristella waren wir reich an Erfahrung, gut gebräunt und unerwartet gut erholt. Wir hatten nicht beim Aquagym oder Bogenschießen mitgemacht, uns nicht ins Koma gegessen oder getrunken und auch keine Bustour zum authentischen Bergbauerndorf mit Eselswurst-Verkostung und selbstgebranntem Schnaps gemacht. Vielleicht ging es uns ja auch gerade deshalb so richtig gut.



Boys

Dienstag, 30. Juni 2015

Korsika 2015





Bericht folgt

Mittwoch, 17. Juni 2015

Richtig und Falsch


"Darf ich das?" Herr O. liebt diese Frage. Er kann diese Frage auch schon selber beantworten und kennt genau zwei Möglichkeiten:
a) Ja, ich darf das.
b) Ich darf das nicht. Mache ich aber trotzdem.
Das Ergebnis ist objektiv gesehen das gleiche. Subjektiv gibt es natürlich den Riesenunterschied, dass sich da ein Bewusstsein für Richtig und Falsch herausbildet. So ganz nebenbei wird dann mal geguckt, wie weit man gehen kann, bis Mama schimpft.
Ich muss gestehen, dass ich meistens lachen muss. Ob das pädagogisch sinnvoll ist, weiss ich nicht. Gibts bestimmt einen Ratgeber, der mir dazu alles sagen kann.

"Ja, die passen", sagt er zu Schuhen, so lange sie nicht drücken. Das trifft dann natürlich auch auf Schuhe zu, die 3 Nummern zu groß sind. Vor allem, wenn es Turnschuhe sind. Die passen irgendwie immer. Seit er erfolgreich gegen das Schlafengehen rebelliert hat und mit uns zusammen 2/3 des Champions-League Endspiels geguckt hat (wir haben kapituliert), will er nur noch Turnschuhe und Kurze Hosen anziehen.
"Das haben die Fußballmänner auch an." Okay. 1:0 für den Sohn. Dass seine geliebten New Balance-Sneaker nun aber definitiv zu klein sind, kann er einfach nicht verschmerzen. Deshalb läuft er jetzt in viel zu großen Adidas-Turnschuhen durch die Gegend und legt sich alle paar 
Minuten auf die Nase. Aber das machen die Fußballer ja auch.
"Der Pogba hat den Messi umgelegt. Wenn er noch eine gelbe Karte bekommt, dann muß der duschen!"
Bezweifelt irgendjemand, dass bei uns zu Hause viel über Fußball geredet wird?

Neulich in der Turnhalle. Herr O. zeigt auf eine Tür, durch die vor einem halben Jahr der Nikolaus hereinkam. Das war auf der großen Nikolausfeier vom Turnverein, als alle Kinder Geschenke aus dem großen Sack bekommen haben. "Kommt der Nikolaus heute nicht?"
"Nein", sage ich. Der ist im Urlaub und erholt sich. Wenn es so warm ist, dann kommt der nicht. Der Nikolaus kommt erst wieder, wenn es kalt und dunkel ist. Sohn:"Der kann doch eine kurze Hose anziehen!"

"Ich bin schon groß. Komm ich jetzt an die Pedale? Kann ich jetzt Autofahren?" Mmmhhh...nein. Also erstens, zweitens, drittens und sowieso irgendwie "NEIN"! Ganz schön clever und wortgewandt der junge Mann, wenn es darum geht, ein Ziel zu erreichen. Er redet wie ein Wasserfall und verwickelt uns manchmal in richtige Diskussionen. Aktuell diskutieren wir über ein Fahrrad mit Pedalen. Ich finde, dass das einfach zu früh ist. Außerdem ist im Keller kein Platz mehr. Er kann erst seit ca. 3 Monaten sicher Laufrad fahren und er darf sich auch gerne mal daran gewöhnen, dass er nicht immer alles sofort bekommt, was er sich wünscht. 

Als er heute morgen nicht locker ließ, sich ein Fahrrad mit Pedalen zu wünschen, habe ich ihn damit konfrontiert, dass ich mir auch was wünschen darf. Und zwar wünsche ich mir, dass er uns sagt, wenn er mal muss und dann zur Toilette geht um "es" zu machen. Schwupps "musste" er natürlich und wollte aufs Klo. Da saß er dann selbstzufrieden, ließ seine total langen Beinchen, die schon fast bis ans Gaspedal vom Auto reichen hin- und her baumeln, und schaute uns mit diesem Gewinner-Lächeln an. "Es" kam natürlich nicht, aber mal sehen, wie lange das jetzt dauert und Mama muss tatsächlich ein Fahrrad mit Pedalen kaufen. 

Montag, 18. Mai 2015

Empowerment

Am Wochenende fand in Köln ein Empowerment-Workshop für Engagierte statt, der mit dem langen Titel "Aktuelle Herausforderungen und Chancen für Regenbogenfamilien" für sich warb. Wenn ich ehrlich bin, riss mich der Titel nicht gleich vom Hocker, so dass ich mich erst nach längerem Zögern anmeldete. Immerhin war der Tagungsort in Köln (immer ein Pluspunkt) und als Kompromiss nur einen Tag, statt an beiden Tagen teilzunehmen, klang dann schon eher machbar.

Am Samstag Morgen verabschiedete ich mich von einem heulenden Herrn O. und meiner Frau und fuhr zur JH Köln-Riehl. Mensch, war das lange her, dass ich hier fast täglich auf dem Weg zwischen meiner Mülheimer Wohnung und der Uni mit dem Rad vorbei gefahren war.
Ein klein wenig nervös schlurfte ich vom Parkplatz zum Eingang der Jugendherberge und traf auch gleich ein paar regenbogenmäßig aussehende Menschen. Es lebe das Cliche!
Im Tagungsraum sah ich dann auch gleich in vertraute Gesichter und tauschte Umarmungen und Begrüßungsrituale aus. Wie schön, nicht alleine zu sein - was ja gleich doppelt zutraf. Alle Anwesenden hatten irgendwie mit dem Thema "Regenbogenfamilie" zu tun und was noch viel toller war: Alle waren dem Thema (natürlich) offen und positiv gegenüber eingestellt.

Der Vormittag bestand erst mal aus Ankommen und Kennenlernen, was ich als unheimlich entspannt empfand. Wir stellten uns alle in die Mitte des Raumes und bekamen verschiedene Fragen gestellt. Antwortoptionen standen auf vorgefertigten Pappkärtchen, die von den entzückenden Moderatorinnen auf dem Boden verteilt wurden. Wir mussten uns dann entsprechend unserer Antwort zum richtigen Kärtchen stellen. Wo kommst du her? Wie viele Kinder hast du? Wie alt sind die? Bist du zufrieden mit der aktuellen Situation für Regenbogenfamilien?

Die Antworten auf die letztgenannte Frage waren sehr vielfältig. Von "überhaupt nicht zufrieden" bis "total zufrieden" verteilten sich die gut 20 Damen und die drei Herren fast überall. Ich fand es total bemerkenswert, wie sich eine für die meisten doch recht ähnliche Situation subjektiv völlig anders darstellte. Es hing ein wenig vom Alter bzw. von der Intensität des lesben-politischen Engagements in der Zeit vor der Familiengründung ab, ob Frau (und es nahmen hier ausschliesslich Frauen Stellung) die heutige Situation als "total super" betitelte oder als "extrem unbefriedigend". Frauen, die einst in den 80ern und 90ern auf die Strasse gegangen waren und für Rechte von Lesben gekämpft hatten, hinterfragten jetzt, ob wir denn überhaupt noch politisch genug seien. Unsere heutige Generation profitiert von so vielen Vorteilen und Errungenschaften, dass wir uns ja wirklich nicht beschweren können. Eingetragene Lebenspartnerschaft, Stiefkindadoption, Ehegattensplitting erleichtern unser Leben ja zugegebenermassen sehr. Da gibt es dann die Ansicht, dass das noch längst nicht genug sei, und noch genügend Missstände zu bekämpfen seien, und die andere Sicht, die sehr zufrieden im Regenbogenfamilien-Nest sitzt und die Füße hoch legt.

Ich war gleichermaßen fasziniert als auch verunsichert. Ich stand ganz weit im Zufriedenheits-Sektor und fühlte mich eigentlich sehr glücklich mit unserer familiären Situation. Woher kam diese Skepsis und die Kritik einiger Frauen? Wie würde sich dieser Tag entwickeln? Würden wir hier Dinge problematisieren, die aus meiner Sicht keine waren und unsere Kraft in eine Richtung lenken, die ich nicht für richtig befand? Würde es mir gelingen, die Unzufriedenheit einiger Frauen zu verstehen und ggf. sogar zu teilen oder sie in ihrem Kampf für Verbesserungen zu unterstützen?

Ich schrieb auf mein Erwartungskärtchen, dass ich mir von dem Seminar neue Motivation für meine ehrenamtliche Arbeit im Regenbogenfamilien-Bereich erwartete. Ob das tatsächlich gelingen sollte war mir bis zum Mittagessen allerdings ein großes Rätsel.

Dann kam der Nachmittag mit vielen Vorträgen und munteren Diskussionen. Mein Bild und meine Laune wandelten sich stetig. Ich lernte immer mehr Details zu den Lebensweisen und Identitäten der anderen TeilnehmerInnen und meine Vorstellung von der Regenbogenfamilien-Situation und der daran beteiligten Frauen und Männer wurde immer bunter.
Da waren sie alle: Die ewigen Polit-Lesben, die Kämpfernaturen und die Stillen, die jungen und die alten, die femininen und die Karohemdfraktion, die Sanften und die kratzbürstigen, die frustrierten und die warmherzigen. Frauen mit 0-5 Kindern, mit eigenen oder Pflegekindern, Queer-Families und Alleinerziehende, Schwangere und Omas, Wünschende und Habende.
Es war so viel Vielfalt und Leben, so viel Herzlichkeit auf einmal in diesem Raum, dass mir zumindest das eine klar wurde: Egal wie wir unsere Situation bewerten - Regenbogenfamilien sind etwas ganz zauberhaftes und nicht mehr und nicht weniger sollte die Welt wissen.

So richtig gemerkt habe ich das am Samstag Abend auf der Heimfahrt erst mal nur an meiner Stimmung. Ich war viel gelassener als noch am Morgen. Auf meinem Gesicht lag ein Lächeln und müde vom vielen Zuhören und Diskutieren war ich kein bisschen.

Als dann heute in der Mittagspause gegenüber meinen Kollegen auf die Frage, wie denn mein Wochenende war, aus mir heraussprudelte "Ich war am Samstag in Köln auf einem Workshop für Regenbogenfamilien", da wußte ich, dass ich tatsächlich empowert war.