Mittwoch, 11. Januar 2017

Jahresfragebogen 2017

Äußerliche Veränderungen?
Leichter Trend zur Verwarlosung (Ringe unter den Augen, Chaosfrisur, Babykotze auf dem Jackenärmel)

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Ein Kind mehr, dazu noch ein neues Auto.


Der hirnrissigste Plan? 
Anzunehmen, dass das Leben mit zwei Kindern genau so weiter geht wie mit einem.
Darauf zu hoffen, dass 2 Monate Elternzeit mit Erholung gleichzusetzen sind.
Ohne Regenjacke nach Irland zu fahren.

Die gefährlichste Unternehmung? 
Die Anzahl gefährlicher Unternehmungen geht gegen Null. Spontan fällt mir nur eub Windelwechsel auf einem Klettergerüst ein.

Die teuerste Anschaffung?
Unser neuer blauer Ford Grand C-Max mit Schiebetüren. Einfach gigantisch praktisch, wenn man 2 Kinder durch die Gegend kutschiert und ständig nur so megaenge Parklücken ergattert.

Das leckerste Essen?
Wie immer: der Klassiker: Scharfes Rindfleisch mit viel Knoblauch im Sichuan-Restaurant, Dublin; Auch sehr empfehlenswert: Gourmet Burger (Dublin)

Das beeindruckendste Buch?
Panikherz von Benjamin von Stuckrad Barre

Der berührendste Film?
HomelandIm Labyrinth des Schweigens

Das beste Lied?
Wir bleiben wach bis die Wolken wieder lila sind (Marteria)

Avenir (Louane)
Stimme (EFF)

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Frau O. und den beiden Jungs und meinen Arbeitskollegen

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Dem kleinen Herrn O., dem großen Herrn O. und der tollen Frau O.

Vorherrschendes Gefühl 2016? 
"Das kann ja jetzt wohl nicht wahr sein", in Bezug auf politische Ereignisse und die sich ausbreitende Unkultur in sozialen Medien über jeden und alles herzuziehen und unreflektiert Meinungen herauszuposaunen.

"Ich muss noch ein Dokument raussuchen", da wir für Adoption, Elternzeit, Kredite fast unsere gesamten privaten Dokumente-Ordner scannen und verschicken mußten.

Husten


2016 zum ersten Mal getan?
Einen Neuwagen gekauft.

Asthmaspray benutzt
Eine kleine Strecke im Linksverkehr gefahren.
Sticky Toffee Pudding gegessen.

2016 nach langer Zeit wieder getan?
Gebetet

Gezeltet

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? 
1. Terroranschläge
2. Trump
3. Brexit
4. Asthma-Diagnose

Was gibt Hoffnung für 2017?
Die ersten sehr positiven Überraschungen im Januar - dass sie weitergehen und was immer eine schützende Hand über unsere kleine Familie hält, dass es ganz viel Ausdauer hat.

Was beunruhigt mich?
Terror, AFD, Rechtspopulismus, Respektlosigkeit, Optimierungswahn

2016 war mit einem Satz:
Schlaflos und atemberaubend.

Dienstag, 10. Januar 2017

Jemineh und das große Egal

Ich benutze jetzt einen von diesen wiederbefüllbaren Kaffe-Berchern. Nachdem ich mir einen besonders schönen grünen Becher gekauft und ihn auch
tatsächlich drei Tage nacheinander benutzt hatte, wagte ich zum ersten Mal, laut über mein neues Projekt zu sprechen.
Vorbei die Zeiten, in denen ich täglich bis zu fünf Pappbecher wahlweise mit Tee oder Kaffee befüllt und nach dem Leertrinken im Papierkorb entsorgt hatte.
Ich würde mich jetzt bessern und aktiv zur Müllvermeidung beitragen. Das fühlte sich toll an.

Dann bemerkte ich, dass das Leben mit wiederbefüllbarem Becher so seine Tücken hat.
Ließ ich den leeren Becher nach Feierabend einsam im Büro zurück, stand ich am nächsten Morgen mit leeren Händen in der Kantine und mußte doch wieder
zum Pappbecher greifen. 
Sagte ich spontan der Einladung eines Kollegen zu einem After-Lunch Kaffee zu, hatte ich natürlich nicht meinen grünen Becher zur Hand.
Er stand ja - halbvoll und ungespült - auf meinem Schreibtisch rum.
Ich stand vor einem Rätsel und sagte zum Jemineh: "Oh Jemineh, wie soll ich diesen Konflikt blos lösen? Gibt es einen ständig zur Hand - to-Go Becher?
Einen, der in jede Hosentasche passt? oder noch besser: Hosen, die schon mit eingebauten aufblasbaren To-Go Bechern kommen? Eine App vielleicht, die
den To-Go-Becher unmittelbar auf den nächsten zur Verfügung stehenden 3D-Printer schickt?" Das Jemineh sah mich entgeistert an und sagte: 
"Was jammerst du denn so? Wenn du für jede Kaffe-Situation einen wiederbefüllbaren Becher hättest, dann wärst du ja da, wo wir jetzt mit den vielen Pappbechern
auch schon sind."
Und dann sagte das große Egal: "Genau. Du fährst ja schon jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Dann ist der ein oder andere Pappbecher auch egaaaal."
Ich schaute meinen schönen grünen Becher an, streichelte über die anti-Rutsch-Banderole, und sagte leise zu uns beiden: "Weiter gehts."


Mittwoch, 14. Dezember 2016

Der kleine König Dezember hat sich heimlich angeschlichen und thront über allem. Weihnachtsbäume, Glühweinduft und Geschenkekaufplanwahnsinn all über all. Herr O. ist mit seinen vier Jahren schon völlig verwirrt. St.Martin, Nikolaus, Weihnachtsmann - einfach zu viele Männer in roten Mänteln, die Geschenke oder mindestens Süßigkeiten bringen - oder auch nicht. Je nachdem wie lieb man ist. Bei so vielen Möglichkeiten, Schokolade abzustauben, kann man sich das ein oder andere Vergehen auch ruhig leisten. Spätestens am nächsten Tag lugt wieder ein klebriges Schokoweihnachtsmännchen aus irgendeinem Socken, Stiefel, Adventskalender oder Säckchen. Es wird auch nicht besser, wenn die Säckchen selbstgenäht sind und im Fersenknick ein liebgementes Pixi-Buch enthalten. Unterm Strich sammeln sich in diesen Tagen Kiloweise Schokolade & Co. an.

Das ist nicht unbedingt von Natur aus schlimm, seit ich aber festgestellt habe, dass der Zuckerkonsum bei kleinen Jungs proportional im Verhältnis zum Aktivitätslevel und damit einhergehend auch Aggressivitätslevel steht, bin ich schon vorsichtiger geworden.

Um dem ein klitzekleines Bisschen entgegen zu wirken, haben wir Herrn O. einen Playmobil-Adventskalender geschenkt. Garantiert süßigkeitenfrei. Er hat ihn aus lauter Begeisterung innerhalb von 3 Tagen vollkommen ausgeschlachtet. Jetzt hat er 2 Piraten mehr in seiner Sammlung, dazu noch 4 Mäuse und 3 Fische, die so klein sind, dass Junior es wahrscheinlich nicht einmal bemerken würde, wenn er sie verschluckt. In unbeobachteten Momenten wandern diese Kostbarkeiten in diverse Playmobil-Kleinkram-Dosen. Jene Dosen möchte ich bei Gelegenheit mal neu sortieren. Nach Thema (Piraten, Ritter, Polizei/Feuerwehr, Indianer, sonstige) oder Waffenkategorie (Pistolen, Gewehre, Axt, Pfeil und Bogen, Lanzen, Schwerter), Größe (leicht verschluckbar / schwer verschluckbar), oder Häufigkeit des Vermisstwerdens. Dazu müßte ich aber erst mal eine Statistik führen, welche Pinnöpel am häufigsten und unter den meisten Tränen und dem lautesten Gejammer gesucht werden.

A propos Gejammer: Kennt ihr schon das Jeminee? Wer das Jeminee noch nicht kennt, sollte sich unbedingt die CD "Der kleine Drache Kokosnuss feiert Weihnachten" anhören. Dort erfahrt Ihr alles über das Jeminee und seine spannenden Abenteuer. Leider ist es grade beim Weihnachtsmann ziemlich eingespannt, so dass ich es nicht zu seinen Plänen befragen konnte. Nur eine Kleinigkeit konnte ich ihm entlocken:
Das Jeminee geht bald auf eine große Reise. Wenn Weihnachten vorbei ist, macht es sich auf die Suche nach dem großen Egal. Warum es das tut und was es dabei alles erlebt, lest ihr dann hier.

Mittwoch, 30. November 2016

Mesut

Wit hatten das Thema schon mal. Damals entdeckte unser Großer auf einer Party ein Jesus-Bildnis und fragte mich, wer das denn sei. Nachdem ich ihm kurz erklärt hatte, dass das Jesus sei, ein Mann, der vor langer Zeit gelebt hat und coole Sachen gemacht hat, jetzt aber tot sei und im Himmel wohne, war sein Wissensdurst erst mal befriedigt.
Bis auf den Moment, als er fragte: Kommt dieser Mesut irgendwann mal wieder vom Himmel runter? 
So ward der Mythos um Mesut und die göttlichen Super-Powers geboren.

Das Thema ruhte eine Weile und weckte erst vor ein paar Wochen wieder sein Interesse.  Er hatte einer Geschichte gelauscht, die davon handelte, wie jemand aus dem erweiterten Bekanntenkreis an Herzversagen gestorben war. Tags darauf auf dem Weg zur Kita fragte er mich, ob Mesut auch ein krankes Herz hatte. Wusste ich jetzt nicht genau, aber ich erklärte ihm, dass Jesus wohl eher politische Probleme als Herzprobleme gehabt hatte. Und als er dann nicht locker ließ und unbedingt wissen wollte, wie er denn gestorben sei, sagte ich halt die ungeschminkte Wahrheit: Die Römer haben ihn ans Kreuz genagelt. Das beeidruckte ihn sehr.
So sehr, dass er sofort zur Erzieherin lief und ihr aufgeregt berichtete, dass die Römer den Mesut einfach ans Kreuz genagelt haben und der daraufhin verblutet sei. Die Erzieherin staunte nicht schlecht.
War sie doch grade dabei, die Kinder behutsam auf Weihnachten und die Geburt des Christkindes vorzubereiten. Da platzte die Nachricht unseres Sohnes im breaking-news-Stil schon ganz schön brutal in den Kita-Alltag hinein.

Als wir eine Großtante von mir - eine pensionierte Nonne - vorige Woche in ihrem Seniorenheim besuchten, erzählte er auch ihr ganz stolz die Geschichte von Mesuts Tod. Er ergänzte die dramatische Geschichte aber noch um weitere Details. Mesut sei nach drei Tagen unter der Erde in den Himmel gefahren und ist jetzt ein Geist. Meine Großtante war sichtlich beeindruckt.
Dieser Mesut ist schon ein cooler Typ. Herr O. ist offensichtlich schwer beeindruckt von seinen Super-Powers und versucht zur Zeit die Beziehung zwischen Gott und Jesus mit seiner kindlichen Logik zu erfassen. Da kommt noch so einiges auf uns zu, und ich sage euch, die Geschichte vom Weihnachtsmann, der durch einen Kamin klettert, wäre mir manchmal lieber.

Donnerstag, 17. November 2016

Ein Tag im November

Ich lehne mich zurück und genieße einen Tee. Ruhe für einen kleinen Moment. Ein wahrlich sehr kostbarer Zustand. Seit 2 Monaten bin ich zurück im Büro und unser Leben als 4-köpfige Familie ist so lebendig und munter wie noch nie zuvor. Das erklärt auch die lange Sendepause an dieser Stelle. Zwischen Aufstehen, Kita, Büro, Kita, Einkaufen, Abendessen, Haushalt, Zu-Bett-Gehen, Schlafen bleibt kaum noch Zeit für die kleinen persönlichen Momente.

·         Der Junior ist mittlerweile neun Monate alt und krabbelt fleißig durch die Gegend. Er erkundet alle Räume und Schubladen, zieht Stecker aus der Steckdose, ahmt den großen Bruder nach, steckt alles in den Mund und trainiert neben seinen Beinmuskeln auch seine Stimmbänder. Zähne hat er schon zwei, doch die nächsten lassen nicht mehr lange auf sich warten. Er kann ganz schön was einstecken und hat immer ein Lächeln auf den Lippen. Leider ist er beim Thema „Schlafbedarf“ seinem Bruder sehr ähnlich. Er braucht nämlich nicht viel. Das treibt die Mamas manchmal an den Rand des Wahnsinns. Schläft Herr O. um 22:30 Uhr ein und Junior wacht um 23:30 Uhr bereits zum ersten Mal auf, um sich dann beinahe stündlich  zu melden, müssen wir unseren Nachtschlaf schon Häppchenweise zu uns nehmen um netto auf ein halbwegs vertretbares Maß zu kommen. Aber wie alles mit Kindern ist auch das sicher nur eine Phase.

·         Herr O. durfte vor einigen Wochen seinen vierten Geburtstag feiern. Damit er möglichst viele Freunde einladen konnte, haben wir in der Nähe einen Raum gemietet. Das klingt vielleicht ein bisschen posh, hat sich aber in jeder Hinsicht bezahlt gemacht. Neun Kinder konnten so nach Herzenslust toben und Krach machen, ohne dass wir Angst haben mußten, dass sich die Nachbarn beschweren oder etwas kaputt gehen konnte. Herr O. ist mächtig stolz darauf, jetzt endlich vier zu sein und läßt keine Gelegenheit aus, das auch zu erzählen.

·         Im Kinderzimmer ist themenmäßig seit Monaten die Ritterzeit angebrochen. Playmobil-Ritter sind das Maß aller Dinge. Sie kämpfen mit Dolchen, Lanzen, Pfeil und Bogen, Schwertern und Gewehren. Ginge es nach der Waffenpräsenz in unserer Wohnung, dürfte nie ein böser Mensch sich auch nur in die Nähe unseres Hauses wagen. Brauchen die Ritter mal ein bisschen Pause, springen gleich Heerscharen von Piraten oder kriegsbemalten Indianern ein. Mir persönlich macht das Abtauchen in Playmobil-Welten auch sehr viel Spaß. Dass ich mir allerdings zu Weihnachten eine Ritterburg wünsche, ist ein Gerücht!

·         Wenn die Waffen dann mal ruhen, hört Herr O. gerne Hörspiele. An dieser Stell möchte ich mal ein großes Dankeschön an Ingo Siegner, den Autor von Drache Kokosnuss, aussprechen. Ich liebe seine CDs und bin sehr dankbar, dass Menschen so liebevolle, mit feinem Humor gespickte Geschichten erzählen. Gleiches gilt für Käpt’n Sharky, der vom unvergessenen Dirk Bach gesprochen, einfach unschlagbar ist.
Elliot und Isabella versüßen uns manchmal lange Autofahrten, fordern aber einen langen Atmen. Ich weiß nach 20 Minuten manchmal nicht mehr, ob Bocki Bockwurst oder Schredder grade aufgetaucht sind.

·         Sportlich machte Herr O. in den letzten Monaten große Fortschritte. Er schwimmt jetzt mit einer Nudel oder einem Brett kreuz und quer durchs Schwimmbecken und läßt sich dabei keine Anstrengung anmerken. Sein Turnkurs findet nun ohne Eltern statt. Noch bleibe ich während der Leibesübungen in der Umkleidekabine und unterhalte mich mit den anderen Müttern, die gleiches tun. Er lernt fleißig Purzelbaum und Handstand und genießt stolz seine neue Unabhängigkeit. Ich freue mich schon darauf, diese Stunde "sinnvoll" zu nutzen - was auch immer sinnvoll heißen soll.

·         Ich habe mich sportlich ziemlich rar gemacht. Arme, Beine, Herz und Lunge funktionieren dank täglicher Radfahrten zum Büro zwar immer noch einigermaßen, aber die jahrelang antrainierte Fitness ist spürbar geschrumpft. Entweder keine Zeit, keine Kraft oder krank. Irgendwas steht immer im Weg und wer mich kennt weiß, dass ich definitiv nicht die Person bin, die sich vor sportlicher Betätigung drückt. Es kommen sicher auch wieder andere Zeiten, und bis dahin reichen auch schon mal 10000 Schritte am Tag, dass ich mich aktiv fühle.

Dienstag, 15. November 2016

Berlin 2016

Berlin, Berlin, wir fuhren nach Berlin

Unser spätsommerlicher Berlinbesuch wurde spätestens in diesem Jahr zur Tradition, denn wir fuhren nun schon zum dritten Mal für eine Woche in die Hauptstadt. Als Unterkunft und Ausgangspunkt sämtlicher Aktivitäten diente uns wieder die liebevoll familienfreundlich eingerichtete Wohnung in Schöneberg (www.zumschoenenberg.de). Dieses Apartment war damals echt ein Glücksgriff. 140 qm, Parterre, zwei große Schlafzimmer, riesiges Kinderzimmer mit Spielsachen, Wannenbad, voll ausgestatteter Küche, Waschmaschine, kilometerlanger Flur zum Rennen und Rutschautofahren. Gleich um die Ecke gibt’s alle Einkaufsmöglichkeiten die das Herz begehrt, kinderfreundliche Restaurants, Spielplätze und Eisdielen mit der für Berlin grade typischen und natürlich total hippen Auswahl an cool klingenden und interessant schmeckenden bio-veganen Sorten.

Nachdem wir 2014 mit dem Flugzeug und 2015 mit der Bahn angereist waren, fuhren wir in diesem Jahr zum ersten Mal mit dem Auto. Das Besondere daran war, dass das Auto niegelnagelneu war und mit der langen Fahrt von Düsseldorf nach Berlin seine Feuertaufe erhielt. Wer mich kennt, weiß, dass ich keine besonders passionierte Autofahrerin bin. Pro Jahr kommen nicht viele Kilometer zusammen und so war die fast 6-stündige Fahrt gen Osten schon eine ordentliche Herausforderung für mich – aber auch für den Rest der Familie.




Der Große nutzte die Zeit effektiv zum Schlafen und Hörspiel-Hören. Er war rundum glücklich und hielt die Fahrt gut durch. Leider zeigte der Junior uns durch anhaltendes Schreien sehr deutlich, dass Autofahren nicht zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. Das führte dann dazu, dass Frau O. den bequemen Co-Pilotinnen-Sitz gegen den mittleren Schleudersitz auf der Rückbank tauschen mußte, spätestens in Bielefeld eingeschlafene Beine hatte und ab Hannover dann still leidend ihr Schicksal in Starre ertrug. Ich hatte das Privileg, die Fahrt mit dem neuen Auto zu genießen, denn der C-Max fuhr schön leise und schnell und brachte uns sicher ans Ziel. Falls wir nächstes Jahr wieder nach Berlin fahren sollten – was bei Traditionen ja wahrscheinlich ist – plädiere ich allerdings stark für eine Fahrt mit der Bahn. Geht schneller, man kann zwischendurch aufstehen und die Kinder können jederzeit aufs Klo. Junior wird dann auch alt genug sein, dass wir nicht mehr Tonnen an Babyzubehör mitbringen müssen.

Zur Berlin-Tradition gehört auch traditionell supergutes Spätsommerwetter. Nur am ersten Tag beglückte uns die Sonne nicht. Das nutzten wir dann zu einem Besuch im Lego Discovery Center. Für 4-jährige nicht zu empfehlen lautet mein Urteil. Der Große hatte ziemlich schnell rausbekommen, dass es am Ausgang einen Lego-Shop gibt. Seitdem er das wußte, drängte er nur noch Richtung Ausgang. Einmal raus, kam man allerdings nicht mehr rein, was bei 40,- Euro Eintritt schon ärgerlich ist. Also rannte ich ihm die meiste Zeit hinterher und versuchte ihn vor der Eingangstür zum Shop abzufangen. Die einzigen Argumente, die ihn zurückhielten waren Gummibärchen und eine wiederholte Fahrt auf der Mini-Geisterbahn.





Die folgenden Tage waren geprägt von Kurze-Hosen-Wetter und viel frischer Luft, die wir vorzugsweise auf tollen Berliner Spielplätzen einatmeten. Ritterspielplatz und Hexenspielplatz in Schöneberg, 1000 und eine Nacht-Spielplatz in Neukölln, Krausnickpark in Mitte, Wasserspielplatz im Volkspark Friedrichshain um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wir besuchten Freunde, lümmelten uns auf der Picknickdecke im Park oder spielten Fangen auf dem Alexanderplatz (sehr zu empfehlen an einem Sonntag Nachmittag mit hunderten Touristen aus aller Welt!).





Das Leben kann so schön sein, wenn man sich einfach gehen läßt und genießt, was da so kommt. In Berlin gelingt uns das immer besonders gut und deshalb kommen wir nächstes Jahr auch sicher wieder. 


Donnerstag, 27. Oktober 2016

Irischer Sommer Teil II






Jetzt muß ich mich aber sputen, bevor die Erinnerungen an unsere beiden letzten Irlandwochen völlig verblaßt sind. Inzwischen ist bei uns der Alltag wieder eingekehrt und die Elternzeit mit ihren vielen sonnigen Seiten gehört der Vergangenheit an.

Nachdem wir das regnerische Westport verlassen und in Dublin wieder ein bisschen Sonne getankt, Utensilien geshoppt und Wäsche gewaschen hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Urlaubsziel: Shanagary in Ost-Cork. Dort besitzt die Familie meiner Frau ein kleines Ferienhäuschen mit riesigem Garten, wo wir uns für eine Woche einquartierten. Für ein paar Tage waren wir fast komplett auf uns alleine gestellt. Zumindest fühlte es sich so an. Abseits der großen Einkaufszentren, städtischer Hektik und ständiger Berieselung aus irgendwelchen i.Geräten paßte sich das Lebensgefühl dem Interieur des Hauses an: Alles ein bisschen 80iger. Herr O konnte gar nicht fassen, dass es Orte gibt, an denen man nicht uneingeschränkt ins Internet kann. Aber auch hier hilft "Learning by Doing".


Das Wetter war größtenteils hervorragend, so dass wir viele Stunden am Strand verbringen konnten. Iren verstehen unter Strandbesuch nicht exakt das gleiche, was ein deutscher 0815-Mallorca Tourist gemeinhin darunter versteht. Das ist auch völlig ok, denn niemand braucht nackte verbrannte Haut, die sich Handtuch an Handtuch entlang der Küstenlinie aufreiht. Hier gab es Natur pur. Wilde Dünen und Strandhafer, viele viele Krebse und Wasservögel, stinkende Algen, rauen Wind und tosende Wellen. Fanden wir ein windgeschütztes Eckchen, konnte der Große dort eine Sandburg bauen, Junior seine Flasche trinken und die Mamas ein paar Schokoladenkekse verspeisen. 

Da es an den Stränden selber keine große Auswahl an gastronomischen Tempeln gibt, suchten wir meist zur Mittagszeit kleine Cafes im Umland auf. Die versteckten sich gerne schon mal in einer Gärtnerei oder Töpferei. So konnte man inmitten von tonnenweise nutzlosem Schnickschnack unverschämt leckere Eier auf Toast essen. In dieser Zeit bin ich zum großen Fan von "poached eggs" geworden, zu deren Herstellung mir Frau O. dann auch prompt einen professionellen EggPoacher schenkte.

Ich genoß es, morgens oder abends am Strand entlang zu joggen und Unmengen an frischer Luft in meine Lungen einzusaugen.



Die Woche in Shanagary tat uns allen vieren sehr gut. Die Jungs schliefen gut und lange, wir hatten kaum Termine und verbrachten viel viel Zeit an der frischen Luft.

Junior mühte sich redlich, eine Drehung vom Bauch auf den Rücken zu schaffen, aber das sollte ihm erst drei Wochen später gelingen.

Herr O. spielte mit seinen geliebten Playmobil-Rittern und vergaß manchmal völlig die Welt um sich herum.
Für uns Mamas war die Krönung des Tages, wenn beide Jungs schliefen und wir das olympische Geschehen bei einem kleinen Feierabendbier genießen konnten.


 

Nach einer Woche war auch dieser Urlaub im Urlaub beendet und wir fuhren mit all unserem Gepäck wieder zurück nach Dublin. Die letzte Woche verging wie im Fluge. Plötzlich gab es noch so viele Dinge, die erledigt werden wollten und Freunde, die besucht werden mußten.
Ich weiß gar nicht, wie oft ich das schon geschrieben habe: Die irischen Geschäfte für Kinderkleidung und Babyzubehör sind einfach um Längen besser als die in Deutschland. Wir kommen jedes mal mit Multipacks T-Shirts, Bodies, Unterhosen und Co. zurück nach Hause. Diesmal brachten wir sogar einen neuen Buggy mit. Da wir ja auch zwei Kinder haben, war das bei der Fluggesellschaft gepäcktechnisch kein Problem. Beim Einchecken am Flughafen waren wir allerdings ganz schön im Stress: Ein großer Kinderwagen, ein Buggy, 3 große Reisetaschen, 3 x Handgepäck, Babynahrung, die beiden Jungs und wir mit unserem ganzen Technik-Schnickschnack.  Ein Mann von der Dubliner Flughafensecurity hatte wohl Mitleid mit uns und nahm Junior mal eben auf den Arm, während wir unser Chaos zu bändigen versuchten. Da guckte der Große nicht schlecht, als er seinen Bruder in den Armen des Mannes sah und ging dann sehr bereitwillig durch die Personenkontrolle.
Dann dauerte es auch nur noch ein paar Stunden, und wir steckten den Schlüssel wieder in die Türe unserer Düsseldorfer Wohnung. Hier berichtete man uns dann, dass das Wetter gräßlich war und wir nichts verpasst hätten.