Dienstag, 4. August 2020

Sommer 2020 - Urlaub in Holland


Zweimal mussten wir die Flüge nach Irland verschieben und noch immer ist nicht abzusehen, wann uns die grüne Insel wieder problemlos ein- und ausreisen läßt. Die weltweite Pandemie erlaubt uns leider keinen Aufenthalt ohne vorherige 2-wöchige Quarantäne, und darauf haben wir einfach zur Zeit keine Lust.

Also entschlossen wir uns, coronabedingt, den Sommerurlaub 2020 in Holland am Meer zu verbringen. Genau genommen im Ferienpark "Roompot", Kamperland in der Provinz Zeeland.



Wir mieteten eine der letzten noch verfügbaren Ferienwohnungen zu einem nicht gerade Freundschaftspreis und schmissen alles, was Muttis und Kinder zum glücklich sein und erholen brauchen, in den großen Kofferraum unseres C-Max.

Das Gute an Holland ist, dass man schnell da ist. Nach 3-stündiger Autofahrt hatten wir unser Ziel erreicht und wurden von einem genialen Urlaubs-Sonnen-Strand-Meer-Mix willkommen geheißen.
Direkt am Strand gab es eine frisch eröffnete Beach-Bar, die Pommes, Bitterballen und Heinecken vom Fass im Angebot hatte. Nach nicht mal 2 Minuten Fußweg von unserer Ferienwohnung schlugen wir dort am ersten Abend unsere Zelte auf.

Soweit so gut. Allerdings sah es leider auch so aus als sei Corona vom vielen Sand, dem Geschrei der Möwen und dem Geruch von Sonnencreme und Softeis völlig in den Hintergrund gerückt. Die Niederländer schienen sich ausschließlich auf die Einhaltung der Abstandsregel geeinigt zu haben. Masken: Fehlanzeige; Kontaktdatensammlung: Fehlanzeige.
Als ich zum ersten Mal einen Supermarkt betrat und in all die maskenlosen Gesichter schaute, kam ich mir mit meinem geblümten Mund-Nasen-Schutz fast vor wie ein Alien.


Dank des durchgehen guten Wetters konnten wir all unsere Urlaubstage im Freien verbringen. Wir waren viel am Strand und haben Burgen gebaut, Wattwürmer ausgegraben und sie in all ihrer Häßlichkeit bestaunt, eine Paddeltour auf dem Meer unternommen, sind die Dünen runtergerollt, haben leckeres Softeis mit vielen bunten Streuseln gegessen, so viele Pommes gegessen, dass wir (ganz ehrlich!) keine Lust mehr auf Pommes hatten.

Besucht und bestaunt haben wir:
  • Vlissingen
  • Zierikzee
  • Domburg
  • Westkapelle
  • Veere

Wir haben uns von der Sonne bräunen lassen, von einer Möwe das Brötchen aus der Hand stibitzen lassen, Minigolf, Mau-Mau, Mensch-Ärger-Dich-Nicht und UNO gespielt und alle Folgen von Toy-Story geguckt. 



Samstag, 1. August 2020

Vier

Unser nicht mehr ganz so kleiner fast schon großer Junior wurde im Februar 4. Dass dein Kindergeburtstag einer der letzten unbeschwerten Feste sein würde, bevor der große Corona-Lockdown begann, und die Welt anfing sich (wieder mal) fundamental zu ändern, konnte Mitte Februar noch niemand wissen.

Um so schöner, bunter, lauter schallen all die Kinderstimmen in meinen Ohren, die du eingeladen hattest, um mit ihnen deine erste große Party zu feiern.




Seitdem ist nun fast ein halbes Jahr vergangen und du bist natürlich weiter gewachsen. Dennoch möchte ich aus guter Tradition einmal kurz zusammenfassen, was dich als frischgebackenen Vierjährigen ausgezeichnet hat.

  • Du trägst Kleidergröße 104 und Schuhgröße 28
  • Du brauchst keine Windeln mehr
  • Den Schnuller nimmst du nur noch nachts
  • Du hilfst gerne beim Backen und Kochen
  • Flugzeuge und Eisenbahnen sind seit Weihnachten deine Lieblingsfahrzeuge
  • Du zeigst erstes Interesse an Lego, besonders an Lego Friends
  • Du turnst, singst und tanzt sehr gerne
  • Pizza Margeritha ist deine Leibspeise
  • Du magst Pferde, Katzen und Hunde
  • Du hast deine ersten richtigen Freunde
  • Du fährst fleißig Laufrad
  • Du wirst lachen, wenn du das heute liest, denn mittlerweile bist du schon ein ganz schön selbstständiger und selbstbewusster Kerl geworden und hast Fahrradfahren gelernt.

Mittwoch, 8. Juli 2020

Donnerstag, 7. November 2019

Die Brille des Vaters


Vor ein paar Wochen hatte ich einen Kontrolltermin beim Augenarzt mit unserem Junior. Er ist jetzt 3,5 Jahre alt und das war sein erster Besuch beim Augenarzt. Er war mega stolz, am frühen Morgen mit mir alleine in die Bahn zu steigen und in die Stadt zu fahren. Für ihn ist Straßenbahnfahren immer noch ein großes Abenteuer, und der Weg zum Arzt über Rolltreppen und große Straßenkreuzungen, vorbei an Baustellen, macht ihm sichtlich Spaß.
Unser Augenarzt betreibt eine große Praxis im Herzen von Düsseldorf, wo es für alles Spezialisten gibt. Gleich mehrere MitarbeiterInnen sind auf Kinder spezialisiert und ein extra Wartebereich für Kinder ist glücklicherweise auch vorhanden. Unser Junior beschäftigte sich dort erst mal mit ein paar Stiften und malte Krikelkrakel-Bilder, bis er dann den viel spannenderen Wasserspender entdeckte und sich sein Warte-Wasser zapfte.

Dann wurden wir aufgerufen und er durfte auf dem großen Behandlungsstuhl Platz nehmen. Das behagte ihm nicht so sonderlich und deshalb durfte er auch gemütlich auf meinem Schoß sitzen. Jetzt folgten erst mal ein paar Fragen an mich: Waren Sie schon mal hier? (Ich, ja, er, nein) Gibt es irgendwelche Auffälligkeiten (nein). Ah, ich sehe, Sie tragen eine Brille. Was ist der Grund? Ich halte meine Erklärung ziemlich knapp, da ich a davon ausgehe, dass das sowieso alles in ihrer schlauen Datenbank steht und b ist das ja völlig irrelevant, da ich mit meinem Sohn ja biologisch nicht verwandt bin. Als sie dann aber weiter fragt, ob der Vater Brillenträger sei, erkläre ich, dass unser Sohn zwei Mütter habe und dass die andere Mutter, die leibliche sei und diese auch keine Brillenträgerin. Ahhhhh…Pause….langes Starren auf den Computerbildschirm….ahhhh…soooo…gut. Dann wollen wir mal gucken. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie mich richtig verstanden hat oder nur so tut, weil sie nicht genau weiß, wie sie mit der Situation umgehen soll, aber jetzt zeigt sie erst mal ein paar Bilder und wir konzentrieren uns alle drei darauf, diese richtig zu erkennen. Junior hat die wenigste Lust auf diese Übung und hüllt sich komplett in Schweigen.
Irgendwie scheint ihm diese Schul-Situation nicht zu behagen. Nachdem er anfänglich noch mit Gesten anzeigt, dass er Auto, Schiff, Haus und Blume unterscheiden kann, erstarrt er irgendwann völlig und tut selbst das nicht mehr. Er hat einfach keinen Bock.
Die Ärztin bleibt aber sehr verständnisvoll und entläßt uns nochmal in den Wartebereich. Hier zapft Junior noch 2 Warte-Wässerchen aus dem rumpelig blubbernden Wasserspender und pflanzt sich dann wieder auf meinen Schoß.
Da kommt auch schon der 2.Aufruf von einer anderen Ärztin in das nächste Behandlungszimmer. Ich verstehe deren Arbeitsteilung nicht, läuft bei mir aber auch immer so.
Komischerweise stellt sie schon wieder die gleichen Fragen nach Auffälligkeiten, meiner Brille und dem Vater. Hä? Ein klassisches Deja-vu. Muss das sein?, denke ich. In Zeiten von Computern, kann man doch mal einen Vermerk machen, damit ich nicht ständig die gleichen Fragen beantworten muss.  
Vielleicht bin ich daraufhin innerlich so genervt, dass Junior diese Vibes auf meinem Schoß sitzend empfängt und sich der zweiten Ärztin komplett verschließt. Eigentlich ist sie ganz nett, aber bei ihm kriegt sie keine Schnitte. Aus ihrer Sicht sind die Untersuchungsergebnisse ok, so dass wir ohne auffälligen Befund wieder nach Hause fahren können. In einem Jahr kommen wir wieder und dann bin ich mal gespannt, ob man uns wieder nach der Brille des Vaters fragt.


Freitag, 11. Oktober 2019

Kann-Kind

Ein Blog, dem ich seit kurzem folge heisst "Ohhh...Mhhh..."

Dort habe ich folgenden Gastbeitrag gefunden:
https://www.ohhhmhhh.de/kannkind/


Da Herr O. exact 7 Tage vor dem aktuell in NRW geltenden Stichtag für die Einschulung geboren ist, ist dies ein Thema, das mich sehr bewegt. Unser Großer ist ja noch nicht mal ein echtes Kann-Kind, er war ja vor einem Jahr ein Muss-Kind. Oder doch ein Kann-Kind, weil urspünglich mal für den 10.10. ausgerechnet? Wie hätten wir wohl entschieden, wenn er nach dem 30.10. geboren wäre???
Fragen über Fragen, die den Umgang mit Problemen, die evtl. auf eine Einschulung mit 5 zurückgeführt werden könnten, nicht grade einfacher machen.

Dem Gast-Beitrag auf "Ohhh...Mhhh..." kann ich in sehr vielen Punkten zustimmen. Viele Aspekte der frühen Einschulung habe ich vor einem Jahr gar nicht gesehen. Jetzt sehe ich sie aber.

Danke an die nette Frau und ihren tollen Beitrag.

Montag, 7. Oktober 2019

schon ganz schön groß und doch erst 7

Unser Großer ist vor einer Woche sieben Jahre alt geworden. Jetzt muss ich ganz vorsichtig sein, was ich über ihn schreibe, denn er kann schon richtig gut lesen.
Zum Geburtstag gibts selbstverständlich nur Lob. Was soll eine Mama auch sonst schon sagen?


Zu deinem Geburtstag hast du dir das neue Trikot vom FC Barcelona mit Messi als Rückennummer gewünscht. Dein großes Idol und dein Traum für die Zukunft. Du möchtest, wenn du groß bist, beim FC Barcelona spielen. Dann wohnst du in einer großen Villa, hast 6 Kinder und deine Mamas dürfen dich sogar ab und zu besuchen. Ich freu mich schon.


Die Muffins hat übrigens der kleine Bruder mit mir zusammen gebacken.

Ein bisschen Playmobil musste dann doch sein.


Da die Zeit langsam zu Ende geht, da man dir nur den Playmobil-Katalog vorlegen musste und dir fielen gleich 100 Dinge ein, die du gerne hättest, landete auch auf dem Wunschzettel für Oma und Opa ein Messi-Trikot. Zum Glück hat eine Mannschaft wie Barcelona ja ein Heim- und ein Auswärtstrikot, so dass du jetzt abwechselnd in blau-rot kariertem Shirt oder kanariengelbem Shirt mit rotem Querbalken rumläufst.
Leider auch zur Schule, aber wer fragt in 10 Jahren schon danach, wenn du deinen ersten Pfrofivertrag in Barcelona unterschreibst und Mama zufrieden lächelnd die Frührente am katalanischen  Strand mit Caipirinha genießt.

Eine ordentliche Party musste natürlich her, damit du alle Freunde aus Schule und Kitzelten einladen konntest. Auf unseren bescheidenen 96 qm war dies leider weder mit dem Feuerschutz noch mit dem arg strapazierten Nervenkostüm der Mamas kompatibel, so dass wir in diesem Jahr zum Klettern und Fussballspielen in die Halle Mensch umzogen. Dort könnest du mit 12 Freunden toben, schreien, lachen, Pizza futtern, klettern und Tore schiessen, ohne dass Klagen kamen.

Am Ende waren alle Kinder satt, rotbackig und glücklich. Und sie waren alle noch da. Eine sehr wesentliche Sache, auf die man als Geburtstagsparty-ausrichtende Eltern schon sehr stolz sein kann. Du hattest deine Pokemonkarten und das dazugehörige Sammelalbum, das noch am gleichen Abend bestückt wurde. Ich hab das Prinzip immer noch nicht verstanden, aber dass 7-jährige schon erste Geheimnisse vor der Mama haben ist auch nicht mehr ganz neu.

Freitag, 13. September 2019

Mutti auf Abwegen

Die Kids werden größer und ich fange so langsam aber sicher an, mich ab und zu auch mal wieder anderen Themen als Familienorganisation, Kindererziehung, Fußballmutti, Zickenalarmerdulderin, SCHULE (!!!!), Windeln, Schnuller und Co zu widmen. Klingt ganz schön vorsichtig, wie ich das formuliere, aber so ist es ja auch. Kein Kind ist von heute auf morgen erwachsen, und mich jetzt nur noch auf Konferenzen, Festivals und Yoga-Retreats zu tummeln wäre wahrscheinlich auf zu viel des Guten.
Ich bin immer noch ein bisschen geflasht von all den Eindrücken, die sich bei mir in den letzten Wochen angesammelt haben, aber in Summe tuts gut, mal wieder so richtig über den Tellerrand zu schauen.
Ich war in Essen beim WorkX-Festival 2019 (https://work-x-festival.de/). Super empfehlenswert. Entspanntes Publikum, tolle Vorträge, beeindruckende RdnerInnen und mein neues Lieblingswort "TeilgeberIn" wurde mir auf die Zunge gelegt.

Ich habe viel gelernt über Menschen, und wie sie ticken, über Fehlerkultur und Scheitern dürfen, übers Verantwortung übernehmen und habe Mut geschöpft darin, wieder mehr Glauben in die Fähigkeiten und Talente von Menschen zu haben als Methoden und Werkzeugen hinterher zu jagen. Denn nicht nur die Datenübertragung wird exponentiell immer schneller, auch die Sucht nach neuen Wundermethoden und das Verlangen nach neuen Machern oder auch Macherinnen (eher ja selten, vielleicht auch gut so, aber warum eigentlich nicht?), die ES schon richten werden.

Ich beschäftige mich mit solchen Inhalten schon ein wenig länger. Das ist auch einer der Hauptgründe, warum es hier in letzter Zeit nicht so viel von mir zu lesen gab. Zuhören, Nachdenken, Reflektieren sind halt Dinge, die tut man nicht mal eben zwischen Spülmaschine ausräumen und Wäsche wegfalten.

Die Impulse, die mich in den letzten paar Monaten bis tief ins Innere berührt haben sind aber so nachhaltig, dass sie mich nicht nur im Arbeitsleben sondern auch privat aufwühlen, umkrempeln, inspirieren und teilweise auch beflügeln.

Klar, fallen einer beim Wort "Methode" gerne Stichwörter aus der Familie "Agile", "Lean" oder "Wasserfall" ein. Prozessoptimierung - boah...., das Buzzwort meiner ersten Schritte im Berufsleben. Wie sehr habe ich dies verinnerlicht und wie ein Dogma vor mich hingebetet. Heute findet man sogar Bücher zum Thema, wie wichtig die morgendliche Routine (also das, was man so nach dem Wachwerden tut, wenn man noch lange nicht im Büro ist) ist, und was man tun kann, um diese zu optimieren.
Ganz schön krass, wie uns das auch noch als heilsbringend verkauft wird. Und wenn dann noch ein prominenter Namensgeber wie Herr XY Supercool vom megaerfolgreichen Startup aus Berlin
verkündet, dass der regelmäßige Verzehr des selbsgemixten veganen Protein-Drinks um 4 Uhr morgens ungeahnte Kräfte Kreativität freisetzt, dann machen wir das nach. Würde mich nicht wundern, wenn Mister Supercool auch ein Buch geschrieben hat und morgen Abend in der NDR-Talkshow sitzt.

Was machen wir da eigentlich für einen Blödsinn? Haben wir kein Vertrauen mehr in unsere eigene Urteilskraft, in unseren eigenen Körper? Wenn ich Hunger habe, esse ich, wenn ich müde bin, mache ich eine Pause, wenn ich Bewegungsdrang habe, stehe ich auf und wenn ich mir etwas nicht klappt, versuche ich es halt noch mal, bis es irgendwann schon fluppt oder einfach egal ist.
Kein Kind hört auf das Laufen zu lernen, nur weil es schon 100 mal hingefallen ist.

Irgendwie ist das ja auch genau das, was Kinder als Rüstzeug für die Zukunft brauchen. Selber urteilen zu lernen und Verantwortung zu übernehmen. Zusammenhänge verstehen, sich eine Meinung bilden und aus eigenen Erkenntnissen eine Handlung ableiten - oder auch mal nicht zu handeln. Schweigen oder Nichtstun können ja durchaus sinnvolle Reaktionen sein, die uns Menschen oft auch intuitiv vor dem nächsten Blödsinn schützen.

Lars Vollmer hat einen sehr ergreifenden Vortrag gehalten, in dem er auch das Thema "Helikoptergesellschaft" ansprach. Wir kennen ja alle mitlerweile "Helikoptereltern" (oder sind gar welche), aber das wir das Muster der Paternalisierung inzwischen auch auf ganz viele andere Gesellschaftsbereiche anwenden, ist mir erst durch diesen Vortrag so richtig bewußt geworden. Die einen hauen immer wieder neue Wundermittel auf den Markt, die sie dann geschickt als Allheilmittel verkaufen, und die anderen hecheln genau dem hinterher, um sich und ihr Leben zu optimieren. Dabei kommt es extrem gut an, wenn einem glaubhaft erklärt wird, dass man genau wisse, was ich brauche.

Ich glaube, ich weiss das selber. Vielen Dank.

Fortsetzung folgt...