Dienstag, 25. November 2014

Lieber Weihnachtsmann

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende entgegen und es wird Zeit sich Gedanken über Weihnachtswünsche zu machen. Dieses Jahr wird Herr O. zum ersten Mal bewusst erleben, was Weihnachten bedeutet. Also so ganz grob. Den Teil mit Maria und Josef hat er sich im Bilderbuch bis zur Herbergssuche noch interessiert angesehen, als dann aber klar wurde, dass in diesem Buch keine Autos vorkommen, war die Begeisterung auch schnell verpufft. Dass der Weihnachtsmann Geschenke bringt war irgendwie leichter zu verstehen. Da spielt es auch keine Rolle, dass der Weihnachtsmann keinen motorisierten Untersatz hat. Hauptsache er bringt einen Anhänger fürs Bobbycar. Genau den und keinen anderen. Herr O. hat das mit dem Wünschen so verinnerlicht, daß er jetzt immer, wenn wir an einer Weihnachtsmann-Figur vorbei spazieren, seinen Satz sagt "Weihnachtsmann, bitte großen Anhänger!" Als Mutter ist man ja schon stolz, wenn er "bitte" sagt.

Damit das auch klappt mit dem Anhänger, darf er seinen Trink-Becherinhalt nicht mehr auf den Boden kippen. Für einen 2-jährigen eine echte Herausforderung. Mami und Mama sind natürlich enorm dankbar, wenn wir nicht mehr drei mal täglich Milch-, Saft- und Wasserpfützen vom Boden wischen müssen. Aktuell stehen die Prognosen gut, dass der Weihnachtsmann den ersehnten Anhänger bringt. "Nich runtatippen. Weihnachtsmann kein Anhänga" sagt alles.

Freitag, 17. Oktober 2014

Ein Sonntag im Oktober

Der Sonntag begann, wie er endete. Skurril. Befremdlich. Verstörend.
Am nächsten Tag waren die Zeitungen voll mit Lobeshymnen auf den abends zuvor ausgestrahlten Tatort mit Kommissar Murot. Kluge Dichter und Denker wurden zitiert, vom Befreiungsschlag des Deutschen Fernsehens war die Rede, große Töne wurden gespuckt und eine ganze Zunft in den Himmel gelobt.

Was ich am Morgen desselben Tages in Bezug auf „Himmel“ erlebte, stand in keinem Feuilleton.
Ich kehrte in mein Heimatdorf zurück um den Sonntagsgottesdienst zu besuchen. Sechs Wochen zuvor war meine Oma verstorben und zu ihrem Gedenken traf sich die Familie. Als Kind und Teenager verbrachte ich mehr Stunden in dieser Kirche als manch einer meiner Generation dies sein ganzes Leben lang tun wird. Ich kenne jedes Ritual und bin sogar heute noch Textsicher bei den meisten Klassikern aus dem Gotteslob. Ich stehe, sitze und knie wie ferngesteuert, weiß, wann die Meßdiener wohin zu gehen haben und kann einigermaßen voraussagen, welche Predigt dem Evangelium folgen wird.

Doch es sollte alles anders kommen. Nach dem Evangelium (Jesus erzählt ein Gleichnis von einem königlichen Hochzeitsmahl, Matthäus 22, 1-14)  wurde ich aus meinem Trancezustand wach gerüttelt. Das Evangelium endet damit, dass jemand von einer Hochzeit rausgeschmissen wird, weil er ohne Hochzeitsgewandt erschienen ist. 

Nach dem „Amen“ schaute der Priester in die Runde der vor ihm versammelten Obermaubacherinnen und Obermaubacher und fragt, „Wer war denn das, der da rausgewurfen wurde? Wofür stand denn der?“ Die Frau vor mir, offensichtlich eine regelmäßige Kirchgängerin (zu erkennen an dem mitgebrachten Sitzkissen) und mit dieser offenen Fragetechnik vertraut, antwortete „Das waren wir“. Ein Mann von der anderen Seite rief „Das war ein Ungläubiger“. Daraufhin resümierte der Priester, dass das ja nicht sein könne – sowohl die einen als auch die anderen. „Ja wer denn nun?“ 

Angstschweiß brach aus meinen Poren und ich überlegte fieberhaft, wie ich dieser Fragerunde entkommen könnte. Als allererstes Augenkontakt vermeiden. Abwesend wirken, nicht bemerkbar machen. Dinge, die nicht einfach fallen, wenn man in dieser Gemeinde vermutlich bekannt ist wie ein bunter Hund. Mit 18 in die Großstadt gegangen, studiert, eine Frau geheiratet, dann auch noch ein Kind mit ihr bekommen. Bei knapp 100 Einwohnern spricht sich sowas schnell rum. Dann schaut mich dieser Priester auch noch so schelmisch an, holt Luft und hört in diesem Moment wie ein weiterer Mann trotzig einwendet, „das müssen Sie uns doch erklären!“ 

Danke! Der Priester lacht und erwidert, dass es so einfach ja nicht ginge und er gar nicht intelligent genug sei, das zu beantworten. Jetzt wird es spannend. Wer löst das Rätsel? Bin versucht, Google zu fragen. Oder einen Telefonjoker zu Rate zu ziehen. Vielleicht war ich es ja auch, die bei der Hochzeit nicht erwünscht war? Hier und jetzt wäre die Chance, der katholischen Kirche in Form dieses Priesters, mal ein paar Dinge zu sagen. Wie sie mit Homosexuellen umgeht. 

Trau ich mich aber nicht. 

Dann ist die Situation vorbei und der Priester erzählt was von steigenden Kirchenaustritten, die er bedauert, vom Diebstahl des Opferstocks in der vergangenen Woche und von Flüchtlingen, die man mit Freundlichkeit begrüßen soll. Wir sollen nett zueinander sein, und nicht nur weise daher reden, sondern auch Gutes tun. Auf einmal leitet er aus dem Evangelium so viele Botschaften ab, dass ihm auf seinem Interpretations-Marathon fast die Puste ausgeht. Doch dann schaut er auf die Uhr, merkt wahrscheinlich, dass es eng wird, wenn er pünktlich am Mittagstisch sitzen will, und fährt mit dem nächste Punkt des Messeablaufs fort.
Ich bin ganz schön erleichtert, als der Spuk vorbei ist und einfach nur noch langweilige Lieder schlecht gesungen werden. Da bin ich wieder gerne dabei.

Dienstag, 30. September 2014

Zwei


Lieber Herr O.
Nun bist du schon zwei Jahre alt, du kleiner Sonnenschein, und bereicherst unser Leben. Bringst deine Mamas jeden Tag zum Lachen - und manchmal auch an den Rand der Verzweiflung. Du zeigst uns deine Liebe, indem du Q-Tips in unserem Bett versteckst oder uns deinen Lieblingshasen zum Kuscheln leihst, wenn wir mal krank sind.


Seit deinem ersten Geburtstag hast du so viele tolle Dinge gelernt. Nach einer gefühlten Ewigkeit hast du deine ersten Schritte gemacht und den geliebten Lauflernwagen losgelassen. Von dem Tag an hattest du richtig gute Laune und begannst, die Welt um dich herum ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Du weisst jetzt, dass die CD-Sammlung hinter dem Sofa versteckt ist, und wie man zu den Mülltonnen im Keller kommt. Welche Hausbewohner den Briefkasten nicht abschließen hast du genau so schnell herausgefunden, wie die Tatsache, dass iPads lustige Videoclips abspielen können.


Pünktlich zu deinem zweiten Geburtstag hast du ein neues großes Bett bekommen, das du eigenständig betreten und verlassen kannst. Deine Mamas hatten schon ein bisschen Angst, dass du herausfallen könntest (was ja auch schon passiert ist), aber deine Kuscheltiere nehmen ihren Beschützerjob in der Regel sehr ernst. Molly, Hase, Bär, Skippy und auch der neue Elefant passen nach Kräften auf dich auf.
Du kannst jetzt vorwärts und rückwärts laufen, hüpfen, von einer kleinen Mauer springen, dich im Kreis drehen und drehbuchreif slowmotionmäßig umfallen. Mit deinen selbstinszenierten Bobbycar-Unfällen wirst du noch Hollywood beeindrucken.  


Im kleinen Schwimmbecken schaffst du schon eine Bahn alleine (mit Flügeln), springst todesmutig vom Beckenrand und erschrickst jedes Mal wieder, wenn du bis über die Ohren eintauchst.


Seit ein paar Monaten sprichst du schon kleine zusammenhängende Dinge und kannst alles benennen, was in deiner Umgebung wichtig ist. An vorderster Stelle natürlich Lebensmittel.  Frisch im Repertoire sind "Mama, komm mit!"  und "brauch ich nicht", wenn du keine Lust auf etwas hast.  Du kannst definitiv mehr Fahrzeuge korrekt benennen als deine Mamis und zeigst der Oma schon den Weg zum nächsten Spielplatz. Du tobst ausgelassen durch die Wohnung und weisst schon die Namen der Nachbarn, die das stören könnte. Dass über uns ein Elefant und ein Tiger wohnen, die immer sehr viel Krach machen, hast du uns auf Anhieb geglaubt. Eines Tages wirst du herausfinden, dass es auch nur zwei Menschen sind, die gerne Möbel rücken. Wie wirst du dann wohl reagieren?

Du hast Kleidergröße 92 und Schuhgröße 24. Deine Mütze ziehst du dir schon selber an und den Sitz deiner Kleidung überprüfst du im Spiegel.
Wachse weiter fröhlich und unbeschwert, kleiner Sohn.
Happy Birthday!!!

Dienstag, 16. September 2014

Berlin

...war großartig. Tolles Wetter, tolle Wohnung, tolle Stadt. Alleine mit Kind zu fliegen hat so hervorragend geklappt, dass es keine Worte mehr darüber zu verlieren gibt. Eingestiegen, eingeschlafen, gelandet, alles gut. Leider waren die Berliner Taxen nicht auf Familien mit Unter-Zweijährigen eingestellt, so dass wir volle drei Stunden gebraucht haben um von Tegel nach Schöneberg zu kommen. 1 Stunde Taxi suchen, dann umplanen, Bushaltestelle aufsuchen, Route planen, fahren, umsteigen, weiterfahren, verfahren, korrigieren, ankommen. Nun ja, das sollte das einzige Hindernis unseres 4-tägigen Hauptstadtaufenthaltes bleiben. Danach gaben wir Vollgas. Es gab Bio-Eis in Schöneberg, Spielplätze, Spielplätze Spielplätze (einfach fantastisch fantasievoll und dieser weiche weiße Sand,...hach....), lecker Fallafel, Stockfisch, türkisch, indisch, japanisch, deutsch,   viele lange Busfahrten mit toller Aussicht auf Berlins Baustellen und sommerlich lauschige Nächte. So viel pralles buntes Leben an der frischen Luft, dass mir beim Aufschreiben meiner Erlebnisse ein bisschen die Pferde durchgingen.

Deshalb keine langen Reden sondern einfach der rohe Braindump:
Berlin ist gross, rumpelig (kopfsteinpfl), international, bunt, monströs, bärlinerisch, wa? , Champagner, bayerisch, charmant, lecker, überraschend, Spielplatzhauptstadt, regional, ökologisch, bio, vegan, überasiatisch, voller wespen, heiss. Täglich kommt die Müllabfuhr, es gibt eine rheinische Bäckerei, die sich "rheinländisch" nennt (?), morgens um 8 treffen sich die Radfahrer in der Fahrrad Rushhour. Berlin ist voll mit Psychologen, Yogaschulen und Rückenschulen. 

Und hier ein paar Fotos.




Mittwoch, 3. September 2014

Ruba

Die erste große Reise von Herrn O und mir alleine - also ohne Frau O. - steht kurz bevor. Wir fliegen nach Berlin und treffen dort Mami, die dort schon ein paar Tage beruflich weilt und wichtige Dinge lernt. Wir sind ja nun schon 3 mal mit dem Junior nach Irland und zurück geflogen, doch diesmal bin ich ganz alleine und mir ist schon ein bisschen mulmig. Wie viele Taschen kann ich eigentlich noch tragen, wenn ich Sohn und Buggy transportieren muss? Wie schütze ich meine Wertsachen am besten? Was mache ich, wenn ich mal aufs Klo muss? Wird er im Flieger brav auf meinem Schoß sitzen bleiben oder wieder die Jalousie 1000 mal hoch-und runter schieben? 
Fragen über Fragen, die ich in ein paar Tagen hoffentlich ganz entspannt bei einem Berliner Kaltgetränk beantworten kann. 
Vielleicht sagt Herr O. dann schon "Flugzeug". Bisher nennt er alles was fliegt und kein Tier ist "Ruba".

Donnerstag, 21. August 2014

Tosende Stille - eine fast unfreiwillige Buchkritik

Schaue ich heute aus dem Fenster, sehe ich blauen Himmel mit ein paar kleinen Schleierwölkchen, die Sonne strahlt und der Wind haucht mehr als das er bläst. Hätte Janice diese Bedingungen bei ihrer Ozeanüberquerung dauerhaft gehabt, wäre sie wahrscheinlich vor lauter Langeweile Slalom gerudert.
Janice Jakait, das ist die Frau, die in einem Ruderboot den Atlantik in 90 Tagen alleine überquert hat. Also ganz so einfach war es nicht. Sie hat sich natürlich nicht in irgendein Ruderboot gesetzt und ist auch nicht einfach so losgerudert.  Mit der Unterstützung vieler Freunde und Förderer hat sie sich ein High-Tech- Ruderboot namens „Bifröst“ gebaut. Dieses hat sie mit sämtlichen technischen Finessen ausgestattet, mit Lebensmitteln und Zigaretten vollgestopft und ist dann an einem grauen Novembertag 2011 von Portugal aus losgerudert. Während der gesamten Route wurde sie quasi fernüberwacht, hatte Internet und Telefon an Board und hat mit Kameras Bild- und Tonmaterial gesammelt, welches wir heute im Netz und in Büchern bewundern können.
Ich schreibe das, weil ich grade ihr Buch „Tosende Stille“ gelesen habe und immer noch ziemlich beeindruckt bin von dem Mut dieser Frau. Auch wenn meine ersten Zeilen so klingen, als wäre das Überqueren des Atlantiks im Ruderboot mit so viel Vorbereitung und allen erdenklichen technischen Hilfsmitteln beinahe ein Kinderspiel,  will ich ihr Abenteuer überhaupt nicht klein reden.
Dass es trotzdem ein hochgefährliches Unterfangen war, das ein-ums andere Mal beinahe schief gegangen wäre, zeigt, dass selbst bei maximaler subjektiver Sicherheit kein Restrisiko ausgeschlossen werden kann, welches in diesem Fall fast einzig aus der Gewalt der Natur bestand. Wind, Sonne, Wasser – die Naturgewalten in all ihrer Faszination und Gegensätzlichkeit, Angst und Schrecken verbreitend und auch wiederum  atemberaubend und unbeschreiblich schön.
Ich merke jetzt erst, da ich dies schreibe, wie fasziniert ich von diesem Buch bin. Dabei wollte ich es hier eigentlich ein wenig kritisieren. Hauptsächlich wegen des mir viel zu blumigen Schreibstils. Die vielen Metaphern trieften ja schon aus den e-book Seiten heraus. Oder sagt man dann aus den Pixeln des Displays, den Bits des Codes? Wenn es wirklich mal spannend wurde, als z.B. ein Hai das Boot tangierte, driftete die Autorin (un)gewollt (?) in andere Themen ab, so dass man die Gefahr zwar ahnen konnte, ihre Angst aber nicht spürbar war. Die vielen nur ganz knapp vermiedenen Kollisionen mit großen Schiffen, die Versuchung, auf einer vorgelagerten Insel ein Pause einzulegen, die Ängste vor dem Ertrinken, all das wurde zwar erwähnt, aber nie so lebhaft und eindringlich geschildert, dass ich das Gefühl hatte, das Buch vor lauter Spannung nicht aus den Händen legen zu können. Dass ich doch immer weiter gelesen habe lag wohl eher daran, dass ich neugierig war, was dieses Abenteuer mit Janice macht. Sie wirkt am Anfang so unruhig, grade zu hibbelig. Völlig fokussiert auf ihr Ding, aber in Gedanken total fahrig und durcheinander wie ihre Haare. Bis zu ihrer Ankunft warte ich darauf, dass sie ruhiger wird und einfach mal das genießt, was sie tut. Das war ja auch ihr erklärtes Ziel. Teilweise ist ihr das ja auch im dritten Teil ihrer Reise gelungen, aber auch das deutet sie nur vorsichtig an. Mich als Leserin läßt sie weitestgehend im Unklaren darüber, welche Art Veränderung mit ihr passiert, als sie zum ersten Mal einen „Aha-Moment“ schildert. Und wie geht es dann weiter? Schwierig zu sagen. Da hilft auch der Tipp: „Lies einfach selber“ nicht weiter. Irgendwie schade. Dabei hatte Janice doch so viel, nachdem sie suchen wollte, so vieles, was sie sicher auch gefunden hat. Aber ihre Beschreibung dessen bleibt mir einfach zu sachlich. Die Emotionen gehen irgendwie mit den Wellen baden.

Jetzt hab ich ja doch Kritik rausgeblasen. Und begeistert bin ich gleichwohl. Vielleicht möchte ich auch lieber  ihre Webseite, ihre Projekte und ihre Art zu reden empfehlen. Die haben mich schließlich zum Kauf des Buches animiert. Wer also die Chance hat, Janice Jakait in einer Talkshow zu sehen oder zu hören, oder gar eine ihrer Vorträge und Lesungen zu tun, der sollte dies machen. Das lohnt sich auf jeden Fall. 

Dienstag, 12. August 2014

Ente Süss-Sauer